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Aktuell Hundesteuer

Nach Hunde-Kontrolle in Bodelshausen: Bürgermeister erhält Hassmails

In Bodelshausen haben Kontrolleure auf der Suche nach Hundesteuer-Sündern an jeder Haustür geklingelt. Mit Erfolg: 55 Hundehalter haben sich freiwillig gemeldet. Gemeldet haben sich beim Bürgermeister aber auch einige, die ihrem Frust freien Lauf gelassen haben.

Wer zwei Hunde hat und in Bodelshausen wohnt, muss tief in den Geldbeutel greifen.
Wer zwei Hunde hat und in Bodelshausen wohnt, muss tief in den Geldbeutel greifen. Foto: Marcus Brandt/dpa
Wer zwei Hunde hat und in Bodelshausen wohnt, muss tief in den Geldbeutel greifen.
Foto: Marcus Brandt/dpa

BODELSHAUSEN. Nicht alle, die einen Hund besitzen, melden ihn auch bei ihrer Gemeinde an. Somit möchten sie sich die Hundesteuer sparen. Das wollte die Gemeinde Bodelshausen unterbinden, indem von Mitte Juni bis Mitte Juli Kontrollen zur Hundebestandserfassung stattfanden. Das kam offensichtlich nicht überall gut an. Bürgermeister Florian King erhielt so manche Hassmail. »Man rechnet grundsätzlich immer auch mit kritischen Stimmen«, sagt er im Gespräch mit dem GEA. Aus der Gemeinde selbst habe sich aber niemand negativ zu den Kontrollen geäußert. »Zahlreiche Hundehalter, die ihrer Steuerpflicht nachgehen, waren sogar froh, dass wir den Hundebestand erfassen. Und die, die sich ertappt gefühlt haben, waren daran interessiert, dass alles geräuschlos und unauffällig abläuft.«

Nur außerhalb der Gemeinde äußerten Menschen ihren Frust. »Es war für mich schon erschreckend zu sehen, wie manche Leute zur Steuerpflicht stehen.« Es habe Kommentare gegeben, »dass wir Steuerparasiten seien, noch nie gearbeitet hätten und keinen Mehrwert für die Gesellschaft geschaffen hätten«. Die Absender haben sich gefragt, »ob wir nichts anderes zu tun hätten und ob wir uns nicht schämen würden«. Auch Beschimpfungen wie »Versager und Nichtsnutz« seien mit im Spiel gewesen. »Es waren unschöne und teilweise rechts angehauchte E-Mails.« Der Bürgermeister äußert eine »große Verachtung für diese Vorgehensweise«. Er stellt jedoch klar: »Ich nehme es gelassen. Sie bekommen auch keine Antwort, weil eben die Steuerpflicht erfüllt werden muss und nicht jeder Steuerzahler selbst entscheiden darf, ob er seiner Pflicht nachgehen möchte oder nicht.«

Kontroll-Aktion im Vorfeld angekündigt

Im Oktober 2023 wurde die Hundesteuer in Bodelshausen von 96 auf 120 Euro für den ersten Hund erhöht. Für jeden Zweithund und jeden weiteren gab es eine weitere Erhöhung: von 192 auf 240 Euro. In diesem Zusammenhang »kam in der Gemeinde immer wieder die Frage auf, ob es denn sinnvoll wäre zu kontrollieren, ob auch alle Hunde angemeldet seien. Es bestand nämlich der Verdacht, dass viele Hundehalter ihre Steuerpflicht nicht ernst nehmen«, sagt King. Außerdem haben Hundehalter, die ihrer Steuerpflicht nachkommen »zu Recht die Erwartung, dass man diejenigen zur Kasse bittet, die sich ihrer Steuerpflicht entziehen«. Daher wurde die Firma Springer Kommunale Dienste zur Hundebestandserfassung beauftragt.

Die Kontroll-Aktion sei mit Öffentlichkeitsarbeit flankiert und frühzeitig angekündigt worden. Die Firma hatte alle Haushalte kontaktiert. Kontrolleure klingelten an Haustüren und fragten die Bewohner, ob Hunde gehalten werden. War das der Fall, wurden weitere Einzelheiten abgefragt, etwa um welche Rasse es sich handle oder seit wann der Hund hier lebe. Gleichzeitig habe die Firma beobachtet, ob zum Beispiel nach dem Klingeln ein Bellen zu hören war oder ob ein Schild angebracht war mit dem Hinweis auf einen Hund, der das Haus bewacht. »Wenn niemand angetroffen wurde, haben die Kontrolleure ein Schreiben mit Informationen zur Hundebestandserfassung hinterlassen«, sagt King. Nach den zahlreichen Besuchen ist eine Datenbank entstanden aus Aussagen der Haushaltsbewohner, die angetroffen wurden und eine Zweitliste aus Hinweisen, dass es im jeweiligen Haushalt einen Hund gebe.

Erstaunlich viele Neuanmeldungen

Die Hunde-Kontrollen haben offensichtlich Wirkung gezeigt: Innerhalb von einem Monat sind 55 Neuanmeldungen eingegangen, sagt King zufrieden. Die Zahlen würden zeigen, dass bisher rund 20 Prozent der Hunde rechtswidrig in Bodelshausen gelebt hätten. "Auffällig war, dass die meisten bei der Anmeldung angegeben haben, dass ihre Hunde bei ihnen seit drei Wochen leben, obwohl es sich um ältere Tiere handelt", berichtet King. Das sind Fälle, denen wir noch nachgehen werden." Es gebe noch zehn Verdachtsfälle, bei den es Anhaltspunkte für einen nicht angemeldeten Hundehalterbestand gebe. Das Steueramt wird die Betroffenen anschreiben, mit der Bitte, eine Aussage dazu zu treffen. "Wer sich nicht zurückmeldet, erhält einen Hundesteuerbescheid." Steuersünder werden im System angelegt und kontaktiert. Den Haltern droht jetzt eine satte Nachzahlung.

Auch nach einer ausgiebigen Kontrolle »ist nicht auszuschließen, dass der eine oder andere durchs Raster fällt, weil bei ihm keine Hinweise auf Hundehaltung erkennbar waren. Aber einen großen Teil der bisher nicht angemeldeten Hundehaltern haben wir jetzt im System erfasst«. Rund 6.000 Euro Hundesteuer, erhält jetzt die Gemeinde zusätzlich im Jahr. Finanziell betrachtet sei das laut King kein großer Wurf. »Das rettet nicht unseren Haushalt.« Trotzdem war die Aktion für den Bürgermeister ein voller Erfolg: »Es ging uns darum, dass die Steuergerechtigkeit sichergestellt wird.« Weitere Kontrollen seien in den kommenden »zwei bis drei Jahren« nicht vorgesehen. »Wir sind jetzt auf einem guten Stand, dennoch werden wir Kontrollen in gegebener Zeit erneut durchführen«, berichtet King. (GEA)