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Aktuell Bildung

Mitschüler bestimmen über Karriere

Forscher der Uni Tübingen weisen in einer Studie vorteilhafte und nachteilige Effekte von »guten« Schulen auf die Leistungen von Schülern und ihre Abschlüsse nach

Kein Lehrer, kein Unterricht. Elternvertreter setzen sich zur Wehr. FOTO: DPA
Kein Lehrer, kein Unterricht. Elternvertreter setzen sich zur Wehr. FOTO: DPA
Kein Lehrer, kein Unterricht. Elternvertreter setzen sich zur Wehr. FOTO: DPA

TÜBINGEN. Der Besuch einer »guten« Schule muss nicht automatisch gut für alle sein, die sie besuchen: Eine aktuelle Studie Tübinger Wissenschaftler zeigt, dass die Mitschüler den Berufs- und Karriereweg des einzelnen Schülers nachhaltig beeinflussen – mit teilweise positiven und teilweise negativen Konsequenzen.

Stammen die Schüler an einer Schule überwiegend aus Elternhäusern mit einem hohen Bildungsniveau, sind sie auch unabhängig von ihrer eigenen Herkunft erfolgreicher als Schüler an Schulen mit einem geringeren Bildungsniveau der Eltern. Sie erlangen einen besseren Bildungsabschluss, angesehenere Berufe und erzielen höhere Einkünfte.

Zu hohes Niveau entmutigt

Anders sieht es jedoch bei der Schulleistung aus. Ein höheres Leistungsniveau der Mitschüler birgt die Gefahr, dass einzelne Schüler hinter ihren Möglichkeiten zurückbleiben. Grund dafür dürften nachteilige Vergleiche mit besseren Klassenkameraden sein, die dazu führen, dass Schüler ein geringeres Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten entwickeln. Das hat langfristige Auswirkungen.

Fürs Leistungsniveau fand sich hingegen ein gegenteiliger Effekt: Wenn das Leistungsniveau der Schule hoch war, hatten die Schüler nach Berücksichtigung ihres eigenen sozialen Hintergrunds und ihrer Schulleistungen weniger hohe Erwartungen an ihre eigene akademische Karriere, arbeiteten in weniger angesehenen Berufen und verdienten nach elf und nach 50 Jahren weniger als Personen, die als Kinder Schulen mit einem niedrigeren Leistungsniveau besucht hatten.

Das haben Richard Göllner, Professor Benjamin Nagengast und Professor Ulrich Trautwein von der Uni Tübingen gemeinsam mit Kollegen amerikanischer Universitäten in ihrer Studie herausgefunden. Dazu werteten sie Daten einer Langzeitstudie in den USA aus. Die Studienautoren untersuchten die Leistungen der Schüler in Mathematik und Englisch und werteten die Antworten auf die Frage nach Bildungszielen und den Berufserfolg aus. Den negativen Effekt bei leistungsstarker Schülerschaft abzumildern, sei deshalb auch eine tagtägliche Herausforderung für die Lehrer.

Rücksicht auf die Psyche

»Die Studie zeigt, dass es naiv ist zu denken, dass leistungsstarke Mitschüler langfristig automatisch zu günstigeren Ergebnissen führen«, sagt Ulrich Trautwein, Direktor des Hector-Instituts für Empirische Bildungsforschung. »Wer bei Reformen des Schulsystems die psychologischen Bedürfnisse der Schüler vergisst, tut diesen keinen Gefallen.« (em)