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Aktuell Betreuung

Kitaplatz-Mangel: Tübingen will Arbeit mit Tagesmüttern und -vätern ausbauen

470 Millionen Euro für mehr Qualität in Kitas
Eine Erzieherin geht mit zwei Kindern über den Flur einer Kita. Foto: Jan-Philipp Strobel
Eine Erzieherin geht mit zwei Kindern über den Flur einer Kita.
Foto: Jan-Philipp Strobel

TÜBINGEN. Städte und Kommunen behelfen sich immer öfter mit weniger qualifiziertem oder fachfremdem Personal, um die Lücken bei der Betreuung von Kindern abzufedern. Tübingen etwa will die Zusammenarbeit mit Tagesmüttern und -vätern ausbauen. Die Stadt hatte wegen des Fachkräftemangels jüngst eine Kürzung der Kita-Öffnungszeiten beschlossen. In Offenburg gibt es das sogenannte Offenburger Modell, bei dem Kräfte der Malteser die Kinderbetreuung unterstützen. Die Kindertagespflege spiele eine bedeutende Rolle für Gemeinden und Städte, da sie zur Bereitstellung von Betreuungsplätzen beitrage, sagte eine Sprecherin des Gemeindetags.

Wegen der angespannten Kita-Situation herrsche eine große Nachfrage nach sogenannten Tagespflegepersonen, erläuterte Katja Reiner vom Verband für Kindertagespflegeeinrichtungen. Vor allem in den sogenannten Randzeiten - vor oder nach den Öffnungszeiten von Kitas - seien Tagesmütter und -väter sehr begehrt und würden in den Räumen von Kitas oder eigenen Räumlichkeiten die Kinderbetreuung unterstützen. Kommunen treten ihren Worten zufolge verstärkt an Tageseltern heran, bezuschussen die Miete von Betreuungsräumen oder zahlen Platzpauschalen.

So wertvoll die Unterstützung durch weniger qualifizierte Kräfte ist - Tageseltern etwa durchlaufen keine mehrjährige Ausbildung, so wie das bei Erzieherinnen und Erziehern der Fall ist -, so zeigt die Entwicklung aus Sicht des Verbands Kitafachkräfte Baden-Württemberg auch in eine kritische Richtung. Im Grunde finde hier eine Entprofessionalisierung durch die Hintertür statt, sagte die Erste Vorsitzende Anja Braekow. Die Probleme würden dadurch aber nicht gelöst. Sie plädierte angesichts der Kita-Misere erneut für die Aussetzung des Rechtsanspruches auf einen Kita-Platz. (dpa)