GOMARINGEN. Das Schloss war mit Neuschnee gepudert, als die Vernissage der Adventsausstellung der Künstlergruppe Kreatives Gomaringen stattfand. So unterschiedlich die vierzehn Ausstellenden sind, so verschieden sind ihre Blickwinkel auf das Thema der Jahresausstellung: »Grenzen«.
Sicher ein weitläufiges Thema, dem keine Grenzen gesetzt sind, zumindest nicht in der Kunst. Wobei es genau darum geht: Was sind Grenzen überhaupt, wo sind sie zu finden und wann macht es Sinn sie zu überwinden, zu verschieben oder darüber hinauszudenken? Bürgermeister Steffen Heß zeigte in seiner Begrüßungsrede den Anwesenden auf, wie vielschichtig und diskutabel das Thema Grenzen ist.
Auf zwischenmenschlicher Ebene gibt es Grenzen zu respektieren, dieser Lernprozess beginnt in den Kinderschuhen, da Erziehung auch das Aufzeigen von Grenzen bedeutet, was Heß als junger Familienvater wisse. Als Bürgermeister habe er auch mit den Grenzen in Verwaltung und Politik zu tun. Auf kommunaler Ebene sei Grenzüberschreitung oftmals fruchtbar, was sich am beispielhaften Erfolg des gemeinsamen Schulzentrums auf dem Höhnisch gezeigt hatte, so Heß.
»Traurige Realität unserer Zeit«
In seiner Begrüßungsrede nahm der Bürgermeister Bezug zur aktuellen politischen Situation in der Ukraine. Auch Martin Adler begann seine Eröffnungsrede mit den Grenzen im geografischen Sinn, die beim Kräftemessen der Weltmächte nach wie vor eine große Rolle spielten. Adler ist selbst Teil des Künstlerkreises Kreatives Gomaringen und zusätzlich zu seinen eigenen Bildern stellte er die Arbeiten aller 14 kunstschaffenden Mitglieder vor, die zur Jahresausstellung beigetragen haben.
Adler gab den Gästen einen Überblick zu den Gemälden und Installationen, erklärte deren materielle Beschaffenheit und Aussagekraft. Auch einige Gedanken der einzelnen Künstler zum Thema Grenzen gab er preis. Das ließ nicht nur die Spannung auf die Ausstellung im Barocksaal steigen, denn es war auch eine Chance, sich im Vorhinein eigene Vorstellungen zum beschriebenen Kunstwerk zu machen, ehe es dann im Barocksaal betrachtet werden konnte.
Livia Scholz-Breznay ist bereits seit 40 Jahren aktive Ausstellerin und auch Gründungsmitglied von Kreatives Gomaringen. Sie hat sich mit verschiedenen Grenzen auseinandergesetzt. Eine Collage verarbeitet humorvoll den Begriff "Altersgrenzen", worin sie Versuche festhält, Altersgrenzen zum besten Alter hinzuverschieben. Das "älter Schminken" junger Mädels steht dabei im Gegensatz zu in "junger Mode" gekleideter Älterer. Einen ernsteren Ausdruck vermittelt das Ölgemälde "Grenzverletzung" das ein friedvolles Waldidyll zeigt, welches vom Eindringen eines Panzers zerstört wird. Es sei die »Traurige Realität unserer Zeit«, so die Künstlerin. Joachim Riehle beschäftigte sich mit den Vor- und Nachteilen von Grenzzäunen, was seine Werke, die er mit Drucktechniken und Holzschnitten ge-schaffen hat, widerspiegeln. Sicherheit, Schutz und Ordnung stehen Isolation, Ausgrenzung und eingeschränkte Bewegungsfreiheit gegenüber. Sie können Schutz und Identität bieten, können aber Trennung und Konflikte hervorrufen.
Viele der Kunstwerke regen dazu an, einige Grenzen zu hinterfragen. Mit der Globalisierung werde längst über Landesgrenzen hinausgedacht. Zudem sei es jetzt leichter als je zuvor, Verständnis und Verbindung auf internationaler Ebene zu schaffen, da interkulturelle Dialoge möglich seien.
Blick über die Grenze hinaus
Die Künstlerin Sieglinde Rilling schreibt zu ihrer Installation mit dem Titel »Grenzen überwinden«, dass es zwar »Halt, Schutz und vermeintliche Stabilität« vermittle, innerhalb sicherer Landesgrenzen verwurzelt zu sein. Es sei aber gleichermaßen auch ein Raum, in dem die Menschen »verholzen, einrosten und unbeweglich werden«. Daher sei der Blick über die Grenze hinaus oder sogar ein »mutiger Sprung« nötig, um Grenzen zu überwinden, um diese innere und äußere »Starrheit aus Geist und Gliedern« zu bekommen.
Musikalisch wurde die Veranstaltung von einem Blockflötenquartett begleitet, das vom Sopranino- bis zur Großbassblockflöte ausgestattet war und während der Titel sogar die Instrumente abgewechselt hatte. Das Ensemble der Jugendmusikschule Steinlach, unter der Leitung von Musikschullehrerin Christina Rettich, machte großen Eindruck. (GEA)
ÖFFNUNGSZEITEN
Am Weihnachtsmarkt-Wochenende: Samstag 30. November, von 14 bis 20 Uhr, Sonntag 1. Dezember, von 11 bis 18 Uhr. Mit öffentlicher Führung am Sonntag, 8. Dezember. Am Samstag, 7. Dezember von 15 bis 17 Uhr. Am Sonntag, 8. Dezember, von 13 bis 17 Uhr mit öffentlicher Führung von 14.30 bis 16 Uhr. (GEA)

