MÖSSINGEN. SPD-Fraktionschef Arno Valin, der den Antrag vortrug, schickte voraus, das Gremium stehe zu der vor drei Jahren getroffenen Entscheidung. Die Bebauung des Hoeckle-Areals sei der richtige Schritt zur Binnenentwicklung. Der letzte Beschlussantrag der Verwaltung weiche allerdings von den bisher beschlossenen Punkten zu stark ab - vor allem, was den Anteil an bezahlbarem Wohnraum und die Parkplätze im neuen Quartier betreffe.
»Wir bestehen auf einen Mindestanteil von 35 Prozent bezahlbaren Mietwohnungen«, sagte Valin. Das Gremium fordere weiterhin 50 Prozent Eigentumswohnungen und einen Anteil von 15 Prozent an Wohnungen, die an Baugruppen und Genossenschaften gehen sollen. FV-Fraktionschef Johannes Eissler ergänzte: »Aktuell gibt es einen Boom für sozialen Wohnungsbau.«
Gremium befürchtet Parkplatznot
Künftige Eigentümer sollen sich an sozialen Folgekosten beteiligen, etwa am Bedarf für Kindergartenkinder. Ulrike Hagemann (Grüne) warnte, angrenzende Baugebiete könnten künftig von einer »urbanen Sturzflut« betroffen sein – damit meinte sie einen zunehmenden Druck auf die Parkplatzsituation: Das Gremium war sich einig, eine Verkehrswende weg vom Individualverkehr sei in den nächsten Jahren nicht zu erwarten.
»Es wird in Zukunft eher mehr PKW geben« prognostizierte Daniel Müller (FWV). Daher drohe ein Parkplatzdefizit im neuen Quartier: Der von der Verwaltung gesenkte Stellplatzschlüssel, von 1,2 Fahrzeugen auf eines pro Wohnung, sei zu gering angesetzt. Eine Parkscheune, so der Gemeinderat, könne das Problem eventuell lösen.
Stadtplanerin Rienhardt verweist auf Finanzierbarkeit
»Man kann nicht jedes Jahr die Pferde wechseln«, hielt Stadtplanerin Marietta Rienhardt entgegen. Sie merkte an, die Pläne der Verwaltung entsprächen den Beschlüssen des vorigen Gemeinderats. Außerdem habe man sich am Siegerentwurf des Architekturwettbewerbs gehalten. Die Planungskosten hätten bereits 250.000 Euro verschlungen. Und: Den vom Gremium geforderten Parkraum müsse man erst einmal finanzieren.
»Den Architekturwettbewerb hätten wir uns sparen können«, ärgerte sich Johannes Eissler. Er kritisierte, die Zahl der Wohneinheiten sei in der Planung von 250 auf 450 gestiegen, die Gebäude würden dadurch höher und breiter. Die Vorschläge der Verwaltung erinnerten ihn an den Eingang zur Tübinger Südstadt. Sein Fraktionskollege Marc Eisold sagte: »Ich halte es für eine Etage zu viel. Wir dürfen den Anwohnern keine solchen Klötze vor die Nase bauen, wie in der Lichtensteinstraße.«
Bürgermeister Bulander bat um weitere Diskussion
Bürgermeister Michael Bulander verwies darauf, Bau- und Kaufinteressenten warteten bereits, dass es los gehe. Er bat das Gremium über den Antrag der Verwaltung als Basis für weitere Gespräche abzustimmen, jedoch vorerst nichts in Stein zu meißeln: »Lassen Sie uns die Chance zu diskutieren. Die hatten wir bisher nicht.« Der eingereichte, interfraktionelle Antrag sei zu kurzfristig eingereicht worden, um alle Punkte zu prüfen. Darauf ging das Gremium nach einer Sitzungsunterbrechung ein. Arno Valin stellte einen Antrag auf Vertagung, angenommen mit der Enthaltung des Bürgermeisters. (GEA)

