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Das halten Abgeordnete aus der Region von Impfaktionen an Schulen

Der Grünen-Vorschlag einer Impfaktion an Schulen im Südwesten stößt bei den anderen Parteien auf ein gemischtes Echo. Das halten die Landtagsabgeordneten aus der Region von dem Plan.

Impfung beim Kinder- und Jugendarzt
Ein Kinder- und Jugendarzt impft einen Jugendlichen mit dem Corona-Impfstoff Comirnaty von Biontech/Pfizer. Foto: Sommer/dpa
Ein Kinder- und Jugendarzt impft einen Jugendlichen mit dem Corona-Impfstoff Comirnaty von Biontech/Pfizer.
Foto: Sommer/dpa

REUTLINGEN. Impfaktionen an allen Schulen im Südwesten: Fraktionschef Andreas Schwarz und der bildungspolitische Sprecher Thomas Poreski aus Reutlingen haben vergangene Woche eine landesweite Impfrallye an Schulen vorgeschlagen. »Wir müssen die Kinder und ihre Familie sicher und gesund über die Feiertage und den Winter bringen.« Das sei auch im Interesse der Schulen: »Wir wollen die Schulen offenhalten«, betonte Poreski. »Das geht in erster Linie über Impfungen«, sagt Poreski. Angesichts der Vorbehalte reihum ruderten die Landtags-Grünen jetzt zurück. Nicht mehr von einer »flächendeckenden Impfkampagne« ist die Rede, sondern vom »Angebot an alle Schulen im Land«, bei dem »nur mitmacht, wer will« - Grundschulen ausgenommen. Der Grünen-Vorschlag geht einigen Parteien nicht weit genug, anderen zu weit. Das halten die Landtagsabgeordneten aus der Region von dem Plan:

Manuel Hailfinger, CDU
Manuel Hailfinger, CDU.
Manuel Hailfinger, CDU. Foto: Privat
Manuel Hailfinger, CDU.
Foto: Privat

In der aktuellen Situation muss unser Hauptziel sein: impfen, boostern, weiterimpfen. Deshalb sind für die Erhöhung der Impfquote bei Kindern und Jugendlichen viele niederschwellige Angebote in der Fläche wichtig. Das können Impfbusse und mobile Impfteams sein, die an die Schulen kommen, oder gemeinsame Aktionen der Schulen mit niedergelassenen Kinder- und Hausärzten. Denkbar wäre auch, dass bei Impfaktionen an Schulen ungeimpfte Eltern mitgeimpft und geimpfte Eltern geboostert werden. Es ist allerdings richtig, dass Sozial- und Kultusministerium jetzt prüfen, welche dieser Ideen in die Tat umgesetzt werden können. Realisierbare Konzepte werden wir als CDU-Fraktion uneingeschränkt unterstützen. Dabei muss bereits bei der Planung sichergestellt werden, dass solche Aktionen nicht von Impfgegnern sabotiert werden. Es geht nicht, dass Kinder und Jugendliche beschimpft oder angegriffen werden, wenn sie zum Impfen gehen.

- Dorothea Kliche-Behnke, SPD

Dorothea Kliche-Behnke, SPD
Dorothea Kliche-Behnke, SPD. Foto: PRIVAT
Dorothea Kliche-Behnke, SPD.
Foto: PRIVAT

Die SPD wirbt schon seit Längerem für Impfaktionen an Schulen. Es braucht ein niederschwelliges Angebot für Schülerinnen und Schüler, damit sich alle, die das möchten und das Einverständnis der Eltern haben, problemlos impfen lassen können. Voraussetzung dafür ist eine Freigabe der Impfstoffe für Kinder durch die Ständige Impfkommission. Diese liegt für Kinder unter zwölf Jahren noch nicht vor, wird aber voraussichtlich in diesem Monat kommen. Deshalb sollte die Landesregierung sich jetzt an Vorbereitungen für Impfaktionen machen, damit die Teams direkt starten können. Das Zögern von Ministerpräsident Kretschmann und Gesundheitsminister Lucha ist für mich und meine Fraktion unverständlich. Ich möchte aber auch betonen: Bei Kindern und Jugendlichen bin ich gegen Druck durch die Politik oder gar eine Impfpflicht, hier ist Freiwilligkeit sehr wichtig. Der Zugang zu Bildungsangeboten darf nicht vom Impfstatus abhängen.

- Rudi Fischer, FDP

Rudi Fischer, FDP
Rudi Fischer, FDP Foto: FFISCHER/ MYPATH
Rudi Fischer, FDP
Foto: FFISCHER/ MYPATH

Ich befürworte eine Impfrallye. Überall, wo wir jetzt schnell und unbürokratisch Impfungen anbieten können, sollten wir das tun. Wer sich jetzt impfen lässt, der trägt dazu bei, dass wir gemeinsam dieses Virus unter Kontrolle bekommen. Aber dazu brauchen wir die entsprechenden Angebote, egal ob Erstimpfung oder Booster. Das wurde bisher nicht flexibel genug gehandhabt. Allein, dass so eine Aktion erst jetzt sondiert wird und die Schulleitungen bisher Impfangebote aktiv anfordern mussten, zeigt einmal mehr, wie planlos die Landesregierung durch diese Pandemie schlittert. Das Impfen von Kindern und Jugendlichen birgt viel innerfamiliäres Konfliktpotenzial. Deshalb fände ich es noch besser, wenn diese Impfaktionen durch Schulsozialarbeiter und Familienberatungsstellen vorbereitet und begleitet würden. Damit wir alle nicht nur ein sicheres, sondern auch friedliches Weihnachten mit unseren Familien feiern können.

- Joachim Steyer, AfD

Joachim Steyer
Joachim Steyer, AfD Foto: Privat
Joachim Steyer, AfD
Foto: Privat

Ich halte herzlich wenig von der Grünen-Forderung nach einer Impfrallye an Schulen. Wer sich impfen lassen möchte, hat dazu auch ohne eine solche Aktion jederzeit die Möglichkeit. Bei dieser Forderung stellt sich einmal mehr die Frage, was der kopflose Aktionismus der etablierten Parteien mit dem realen Infektionsgeschehen und Krankheitsverlauf zu tun hat. Anstatt mit immer neuen Schnapsideen wie der Impfrallye bei von den Wirkungen des Virus praktisch nicht betroffenen Kindern um die Ecke zu kommen, sollte man endlich ausschließlich Testergebnisse zum entscheidenden Kriterium in der Pandemiepolitik machen. Wir erinnern uns an die Erkenntnisse der letzten Zeit: Geimpfte können das Virus weitergeben und Impfdurchbrüche sind an der Tagesordnung. Im Klartext: Außer dem Schutz vor einem schwereren Verlauf hat die Impfung bezüglich des Fortgangs der Pandemie keinen Effekt. Aber trotzdem wird die Gesellschaft weiterhin in Geimpfte und Ungeimpfte gespalten. Das muss sofort ein Ende haben. Und das sage ich als Genesener und Geimpfter! (GEA)