Logo
Aktuell Ausland

Warnungen nach Trumps Corona-Behandlungsideen

Weltweit arbeiten Forscher an Behandlungsmöglichkeiten und Impfstoffen gegen das Coronavirus. Parallel verbreiten sich teils gefährliche Gerüchte. Auch US-Präsident Trump beteiligt sich an den Spekulationen. Auf seine Äußerungen folgen Warnungen.

Pressekonferenz
US-Präsident Trump spricht im Weißen Haus über das Coronavirus. Foto: Alex Brandon/AP/dpa
US-Präsident Trump spricht im Weißen Haus über das Coronavirus. Foto: Alex Brandon/AP/dpa

WASHINGTON. Auf umstrittene Äußerungen von US-Präsident Donald Trump zu möglichen Therapieansätzen gegen das Coronavirus sind eindringliche Warnungen gefolgt.

Trump ermunterte Forscher bei einer Pressekonferenz im Weißen Haus unter anderem dazu, Möglichkeiten zu prüfen, Menschen direkt Desinfektionsmittel zu spritzen.

Die Katastrophenschutzbehörde des US-Bundesstaats Washington warnte die Bürger im Anschluss auf Twitter vor der Einnahme von Reinigungs- oder Desinfektionsmitteln: »Machen Sie eine schlechte Situation nicht schlimmer.« Der britische Konsumgüterkonzern Reckit Benckiser, zu dessen Marken Sagrotan gehört, erklärte, dass Desinfektionsmittel »unter keinen Umständen« verabreicht werden sollten.

Während Forscher weltweit an Behandlungsmöglichkeiten und Impfstoffen gegen das Coronavirus arbeiten, haben Gerüchte, Spekulationen und Unwahrheiten Konjunktur. In dem Zusammenhang warnen international verschiedene Behörden ausdrücklich vor der Aufnahme von Chlordioxid, das als Bleichmittel und zur Desinfektion verwendet wird. Experten zufolge können Seife, Desinfektions- und Bleichmittel das Virus bei äußerer Anwendung - also beim Händewaschen oder Putzen - zuverlässig abtöten. Es gibt bislang aber keine nachweislich wirksamen Medikamente oder Techniken zur Vorbeugung oder Behandlung des Virus.

Trump nahm Ausführungen eines Regierungsexperten zum Anlass für seine öffentlich geäußerten Gedankenspiele. William Bryan vom Heimatschutzministerium hatte zuvor erklärt, dass Bleich- und Desinfektionsmittel den Erreger Sars-CoV-2 zum Beispiel auf trockenen metallischen Flächen wie einer Türklinke rasch abtöteten. Trump nahm darauf Bezug und sagte: »Gibt es einen Weg, wie wir so etwas machen könnten - durch spritzen oder fast säubern ... wäre interessant, das zu prüfen.« Das sei natürlich Ärzten zu überlassen. »Aber es klingt für mich interessant.«

Trump sinnierte zudem über Optionen, starkes Licht »in den Körper« zu bringen, um Corona-Infektionen zu behandeln. »Nehmen wir mal an, wir behandeln den Körper mit einer enormen Menge, entweder ultraviolettes oder einfach starkes Licht«, sagte Trump. »Mal angenommen, man könnte das Licht in den Körper bringen, was man durch die Haut oder auf andere Weise tun kann.« Forscher wollten wohl auch diese Möglichkeit prüfen. »Das ist ziemlich gewaltig.« Er riet Menschen dazu, die Sonne zu genießen. »Und wenn das eine Wirkung hat, ist das toll.« Bryan hatte zuvor geschildert, dass sich die Lebensdauer des Coronavirus bei direkter Bestrahlung mit Sonnenlicht dramatisch verkürzt.

Das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) sah sich schon Mitte des Monats zu der Erklärung veranlasst, dass UV-Strahlung nicht zur Heilung einer Covid-19-Erkrankung geeignet sei. Es sei allgemein bekannt, dass die sogenannte UV-C-Strahlung Viren und Bakterien abtöte und zur Entkeimung von Oberflächen genutzt werden könne. Diese besonders energiereiche Strahlung sei aber schädlich für den Menschen. Sie komme zwar auch von der Sonne, erreiche die Erdoberfläche aber nicht und müsse deshalb künstlich erzeugt werden. Das BfS erklärte zudem: »Wer denkt, Sonnenstrahlen würden den Virus in uns abtöten und damit COVID-19 heilen, irrt. Im Gegenteil: UV-Strahlung kann unter anderem dazu führen, dass die körpereigene Immunabwehr unterdrückt wird. Wer krank ist, sollte darum besser nicht in die pralle Sonne - egal bei welcher Erkrankung.«

Trumps voraussichtlicher Herausforderer bei der Präsidentschaftswahl im November, der Demokrat Joe Biden, erklärte auf Twitter mit Blick auf Trumps Vorschläge: »UV-Licht? Desinfektionsmittel injizieren?« Trump solle sich lieber um mehr Corona-Tests und Schutzausrüstung für tatsächliche Mitarbeiter aus dem Gesundheitssystem kümmern. Der Notfallmediziner aus New York, Craig Spencer, sagte der »Washington Post«: »Meine Sorge ist, dass Menschen sterben werden. Menschen werden denken, dass das eine gute Idee ist«, sagte Spencer. Dies sei nicht irgendein Vorschlag. »Das ist gefährlich«, sagte der Arzt.

Gemessen an absoluten Zahlen sind die Vereinigten Staaten international am schwersten von der Corona-Pandemie getroffen: Bis Freitagvormittag verzeichneten die Forscher der Universität Johns Hopkins rund 870.000 bestätigte Infektionen mit dem neuartigen Coronavirus. Rund 50.000 Menschen kamen demnach infolge der Epidemie ums Leben.

Die US-Regierung sieht inzwischen Fortschritte bei der Eindämmung der Epidemie in den Vereinigten Staaten. »Wir glauben, dass wir bis zum Frühsommer als Nation deutlich besser dastehen könnten - mit einem Großteil dieser Coronavirus-Epidemie hinter uns«, sagte US-Vizepräsident Mike Pence am Donnerstag im Weißen Haus. An vielen Orten im Land gingen die Infektionszahlen zurück, ebenso die Zahl der Menschen, die wegen einer Infektion ins Krankenhaus eingeliefert werden müssten. Die Maßnahmen zur Eindämmung der Epidemie müssten zunächst jedoch fortgesetzt werden.

Die Corona-Krise hat die US-Wirtschaft schwer getroffen. Das öffentliche Leben liegt in weiten Teilen lahm. Viele Geschäfte und Betriebe sind geschlossen. Innerhalb von fünf Wochen verloren mehr als 26 Millionen Menschen ihren Job. Trump sollte am Freitag ein weiteres Konjunkturpaket in Höhe von 484 Milliarden US-Dollar (446 Milliarden Euro) unterzeichnen, das auf ein im März vom Kongress beschlossenes Programm in Höhe von rund 2,2 Billionen Dollar folgt. Damit soll unter anderem ein bestehendes Kreditprogramm für kleine und mittlere Unternehmen um rund 320 Milliarden Dollar aufgestockt werden - mit dem Ziel, den Anstieg der Arbeitslosigkeit zu begrenzen. (dpa)