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USA und Südkorea verstärken Abschreckung gegen Nordkorea

US-Präsident Biden empfängt seinen südkoreanischen Amtskollegen zu einem prunkvollen Staatsbesuch in Washington. Im Fokus der Gespräche steht Nordkoreas Nuklearprogramm, das die Welt besorgt.

Biden und Yoon
US-Präsident Joe Biden (r.) und der südkoreanische Präsident Yoon Suk Yeol halten nach einer Kranzniederlegung inne, als sie das Korean War Veterans Memorial in Washington besuchen. Foto: Susan Walsh
US-Präsident Joe Biden (r.) und der südkoreanische Präsident Yoon Suk Yeol halten nach einer Kranzniederlegung inne, als sie das Korean War Veterans Memorial in Washington besuchen.
Foto: Susan Walsh

Die USA und Südkorea wollen ihre Abschreckung gegen eine nukleare Bedrohung aus Nordkorea verstärken. US-Präsident Joe Biden empfing seinen südkoreanischen Amtskollegen Yoon Suk Yeol zum Staatsbesuch im Weißen Haus in Washington - mit viel protokollarischem Pomp.

Die beiden vereinbarten eine Verstärkung der militärischen Zusammenarbeit beider Länder. Dazu gehört nach Angaben der US-Regierung sichtbarere Stationierung strategischer amerikanischer Ausrüstung. Unter anderem solle erstmals seit den 80er Jahren wieder ein amerikanisches Atom-U-Boot in Südkorea andocken. Auch militärische Trainings und Simulationen sollen verstärkt werden.

Wegen seines Atomwaffen- und Raketenprogramms ist Nordkorea harten internationalen Sanktionen unterworfen. Der Konflikt mit Pjöngjang gewann zuletzt wieder deutlich an Brisanz. Nach einer bisher beispiellosen Serie von Raketenstarts im vergangenen Jahr testete Nordkorea auch in diesem Jahr wieder mehrfach atomwaffenfähige Raketen. Die USA und Südkorea nahmen ihre gemeinsamen Militärübungen wieder in vollem Umfang auf - und wollen nun noch mehr tun.

Erweiterte Abschreckung gegen zunehmende nukleare Bedrohung

Biden sagte bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Yoon, es gehe um eine erweiterte Abschreckung gegen die zunehmende nukleare Bedrohung durch Nordkorea und das eskalierende Verhalten Pjöngjangs. Der US-Präsident warnte, ein Atomangriff gegen die USA oder seine Partner würde »das Ende jedes Regimes bedeuten, das eine solche Aktion durchführen würde«. Auch Yoon warnte das Nachbarland vor einem solchen Schritt und sagte, Frieden auf der koreanischen Halbinsel komme nicht von selbst.

Bei der neuen Zusammenarbeit zwischen Washington und Seoul gehe es um »gelegentliche, sehr deutliche Demonstrationen von Stärke« gegenüber Pjöngjang, nicht aber um eine dauerhafte Stationierung neuer Mittel, sagte eine ranghohe Vertreterin der US-Regierung. Auch sei nicht geplant, wieder Nuklearwaffen in Südkorea zu stationieren.

Südkorea soll allerdings mehr Einblick bekommen in die strategische Planung der US-Regierung mit Blick auf Bedrohungen, auch nuklearer Art. Ranghohe US-Beamte sagten, dies sei dem nachempfunden, was die USA auf dem Höhepunkt des Kalten Krieges mit engen europäischen Partnern gemacht hätten, in ähnlichen Zeiten externer Bedrohungen. Südkorea bekenne sich zugleich zu seinem Status als Nicht-Atom-Macht.

Wie reagiert China?

Auf die Frage nach einer möglichen Verärgerung Chinas durch das kraftvollere Auftreten der Amerikaner in der Region sagte einer ein US-Regierungsvertreter, man lege die Gründe für die Schritte sehr deutlich dar. Eine Verhinderung weiterer destabilisierender Aktionen Nordkoreas in der Region sei auch im Interesse Chinas. »Es handelt sich um eine umsichtige, vorsichtige strategische Antwort auf anhaltende Provokationen, die, offen gesagt, von China entschuldigt oder sicherlich nicht eingedämmt wurden.« Die US-Regierung sei enttäuscht darüber, dass Peking bislang nicht bereit gewesen sei, seinen Einfluss zu nutzen, um auf Nordkorea einzuwirken.

Südkorea gehört neben Japan zu den wichtigsten US-Verbündeten in Asien. Yoon ist - nach Frankreichs Präsident Emmanuel Macron - erst der zweite ausländische Gast in Bidens Amtszeit, der zu einem förmlichen Staatsbesuch eingeladen wurde. Solche Trips werden anders als reguläre Arbeitsbesuche von besonderem protokollarischen Pomp begleitet. Zu Ehren von Yoon und seiner Frau Kim Keon Hee war am Abend noch ein festliches Staatsbankett geplant.

Yoon zu Abhörvorwürfen gegen USA kurz angebunden

Kurz vor Yoons Besuch hatten Berichte über angebliche US-Abhöraktionen gegen die Südkoreaner für Irritationen gesorgt. US-Medien berichteten, einige der im Internet aufgetauchten US-Geheimdokumente zeigten das Ausmaß, mit dem die USA wichtige Verbündete einschließlich Südkoreas belauscht hätten. Demnach ging es in den Dokumenten etwa um Unterredungen im Präsidialamt in Seoul zur Frage, ob Südkorea die Ukraine für den Krieg gegen Russland auch mit Waffen unterstützen sollte. Das Büro Yoons hatte die Abhörverdächtigungen als »absurd und falsch« bezeichnet.

Bei seinem Besuch in Washington äußerte sich Yoon dazu kurz angebunden. »Wir beabsichtigen, uns weiterhin über diese Angelegenheit auszutauschen«, sagte er laut Übersetzung bei der Pressekonferenz mit Biden. »Es sind immer verschiedene komplexe Variablen im Spiel. Wir müssen die Ermittlungsergebnisse der Vereinigten Staaten abwarten«, sagte Yoon.

Seit Wochen kursieren die US-Geheimdokumente im Internet. Sie enthalten auch Informationen zum russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine. Ein junger US-Militärangehöriger steht im Verdacht, die Dokumente in einem geschlossen Chat-Raum veröffentlicht zu haben. Von dort aus sollen sie sich weiter verbreitet haben, bis Behörden und Medien darauf aufmerksam wurden.

© dpa-infocom, dpa:230426-99-458149/5