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Umfrage: Geringverdiener sind weniger geimpft

Haben Besserverdiener auch einen besseren Zugang zum Impfangebot? Eine Erhebung der Böckler-Stiftung legt diesen Schluss nahe. Eine Expertin hält unkomplizierte Impfungen durch Betriebsärzte für eine Lösung.

Kassiererin
Laut einer Erhebung der Böckler-Stiftung sind Beschäftigte aus Verkaufsberufen nur zu 52 Prozent einmal genimpft. Foto: Tom Weller/dpa/Archivbild
Laut einer Erhebung der Böckler-Stiftung sind Beschäftigte aus Verkaufsberufen nur zu 52 Prozent einmal genimpft. Foto: Tom Weller/dpa/Archivbild

DÜSSELDORF. Wer in Deutschland wenig verdient, ist nach einer Umfrage für ein Forschungsinstitut der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung auch seltener gegen Corona geimpft.

Bei der nicht-repräsentativen Erhebung hätten im Juni 49 Prozent der Befragten aus dem untersten Fünftel der Lohnverteilung angegeben, schon mindestens die erste Impfdosis erhalten zu haben, teilte das Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Institut (WSI) mit. Aus dem obersten Fünftel der Einkommensverteilung hätten dagegen 71 Prozent berichtet, mindestens einmal geimpft zu sein.

Laut Umfrage gibt es auch Unterschiede bei der Impfquote zwischen einzelnen Berufen. Beschäftigte aus Verkaufsberufen gaben an, nur zu 52 Prozent mindestens einmal geimpft zu sein. Wegen der Aufhebung der Impfpriorisierung seien viele Beschäftigte aus der Prioritätsgruppe 3, in die eine Tätigkeit im Lebensmitteleinzelhandel gefallen sei, nicht mehr zum Zuge gekommen, betonte Aline Zucco vom WSI. »Jetzt finden sich etliche davon offenbar im Dschungel um die Terminvergabe nicht zurecht.«

Deutlich höhere Impfquoten gibt es laut Mitteilung unter den Befragten aus den medizinischen Gesundheitsberufen (81 Prozent) und dem Bereich Erziehung und Soziales (74 Prozent). Sie zählten überwiegend zu den Prioritätsgruppen 1 und 2.

Zwar sei unter Geringverdienenden der Anteil der Befragten, die noch ungeimpft seien und sich auch nicht impfen lassen wollten, mit 9 Prozent deutlich höher als unter Besserverdienenden (4 Prozent). Gleichzeitig berge diese Gruppe aber auch das größte Potenzial beim Impffortschritt, betonte Zucco. »Wenn der Betriebsarzt während der Arbeitszeit unkompliziert eine Impfung anbietet, lassen sich dadurch viele Menschen zusätzlich erreichen.« (dpa)