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Ukraine erobert strategisch wichtige Stadt zurück

Die Ukraine setzt ihre Gegenoffensive im Osten und Südes des Landes fort. Im Gebiet Charkiw haben die Einheiten nun die strategisch wichtige Stadt Kupjansk aus russischer Kontrolle zurückerobert.

Region Charkiw
Zerstörte Fahrzeuge stehen auf einer Straße südöstlich von Charkiw. Die Ukraine hat diese Woche nach eigenen Angaben große Gebiete in der Region Charkiw zurückerobert. Foto: David Ryder
Zerstörte Fahrzeuge stehen auf einer Straße südöstlich von Charkiw. Die Ukraine hat diese Woche nach eigenen Angaben große Gebiete in der Region Charkiw zurückerobert.
Foto: David Ryder

Mehr als ein halbes Jahr nach Beginn des russischen Angriffskriegs hat die Ukraine eigenen Angaben zufolge die strategisch wichtige Stadt Kupjansk im östlichen Gebiet Charkiw zurückerobert. Der ukrainische Inlandsgeheimdienst SBU veröffentlichte auf Telegram Fotos, die eigene Einheiten in der bislang von Russland besetzten Kleinstadt zeigen sollen. »Wir werden unser Land bis auf den letzten Zentimeter befreien!«, heißt es dazu. Zuvor hatten bereits ukrainische Medien die Rückeroberung von Kupjansk gefeiert und ein Foto von Soldaten veröffentlicht, die die ukrainische Flagge halten.

Verkehrsknotenpunkt für russische Truppen

Die Kleinstadt Kupjansk ist wegen ihres direkten Bahnanschlusses an Russland als Verkehrsknotenpunkt wichtig für die Versorgung des gesamten russischen Truppenverbands um das südwestlich gelegene Isjum. Durch den Vorstoß der Ukrainer droht dort nun mehr als 10.000 russischen Soldaten die Einkesselung. Informationen in sozialen Netzwerken, die Russen seien bereits aus Isjum geflohen, konnten zunächst nicht überprüft werden.

Auch mithilfe westlicher Waffen hat die ukrainische Armee im August mit einer Gegenoffensive begonnen. Präsident Wolodymyr Selenskyj sprach zuletzt von mehr als 30 zurückeroberten Siedlungen in der Region Charkiw. Die russischen Besatzer wiederum kündigten schon vor Tagen die Evakuierung von Zivilisten aus mehreren Orten - darunter Kupjansk und Isjum - an. Viele internationale Militärexperten sehen Russlands Armee, die vor mehr als sechs Monaten in die Ukraine einmarschiert ist, angesichts der jüngsten Gebietsverluste in einer schweren Krise.

Auch britische Geheimdienste bestätigen den Vormarsch der ukrainischen Truppen im Nordosten des Landes. Die ukrainischen Speerspitzen seien mittlerweile auf enger Front bis zu 50 Kilometer weit in bisher russische besetztes Gebiet vorgestoßen, teilte das Verteidigungsministerium in London unter Berufung auf Geheimdiensterkenntnisse mit.

Das deckt sich mit Angaben der Ukraine aus den vergangenen Tagen. In dem Gebiet seien nur wenige russische Truppen versammelt gewesen, hieß es weiter. »Die russischen Kräfte wurden offenbar überrascht«.

»Ukrainische Einheiten haben mehrere Orte eingenommen oder umzingelt«, so das Ministerium weiter. Russische Kräfte rund um die Stadt Isjum würden immer isolierter, zudem rückten die Ukrainer auf die Stadt Kupjansk vor. »Ihre Eroberung wäre ein erheblicher Schlag für Russland, weil hier die Versorgungslinien für die Donbass-Front verlaufen«, hieß es in London. Auch im Gebiet Cherson im Süden des Landes gingen die ukrainischen Angriffe weiter. »Die russische Defensive ist sowohl an ihrer nördlichen als auch an ihrer südlichen Flanke unter Druck«, stellte das Ministerium fest.

Das britische Verteidigungsministerium veröffentlicht seit dem Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine Ende Februar unter Berufung auf Geheimdienstinformationen täglich in beispielloser Form Informationen zum Kriegsverlauf. Damit will die britische Regierung sowohl der russischen Darstellung entgegentreten als auch Verbündete bei der Stange halten. Moskau wirft London eine gezielte Desinformationskampagne vor.

© dpa-infocom, dpa:220910-99-703379/3