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Sudan verlangt sofortiges Ende der UN-Mission im Krisenstaat

Das Verhältnis zwischen der Regierung und den Vereinten Nationen ist schon seit einiger Zeit angespannt. Nun will der Sudan ein Ende der UN-Stabilisierungsmission in dem Krisenstaat.

Sudan
Im Sudan war Mitte April ein bewaffneter Konflikt ausgebrochen. Foto: Uncredited/DPA
Im Sudan war Mitte April ein bewaffneter Konflikt ausgebrochen.
Foto: Uncredited/DPA

Der Sudan hat von den Vereinten Nationen gefordert, die UN-Stabilisierungsmission in dem Bürgerkriegsland zu beenden. Die Regierung habe den Beschluss gefasst, dass die Mission Unitams mit mehr als 400 vor allem zivilen Angestellten mit sofortiger Wirkung eingestellt werden müsse, heißt es in einem Brief der UN-Vertretung des Landes unter Berufung auf das Außenministerium in Khartum.

Das an UN-Generalsekretär António Guterres adressierte Schreiben liegt der Deutschen Presse-Agentur vor. Es wurde bereits mit den Mitgliedsstaaten des Sicherheitsrates geteilt.

Im Sudan war Mitte April ein bewaffneter Konflikt ausgebrochen. Die Armee kämpft unter Führung von Befehlshaber und De-facto-Präsident des Sudans, Abdel Fattah al-Burhan, gegen die paramilitärischen Rapid Support Forces (RSF) des im Zuge der Auseinandersetzung entlassenen Vizepräsidenten Mohammed Hamdan Daglo. Die beiden Generäle hatten sich 2021 gemeinsam an die Macht geputscht, zerstritten sich später jedoch. Keine der beiden Seiten hat bislang die Oberhand gewinnen können. Die UN-Mission im Land existiert seit 2020. Blauhelme sind dort nicht im Einsatz.

Reaktion der UN

Das Verhältnis zwischen der Regierung und den Vereinten Nationen ist schon seit Monaten angespannt. Sudans Außenministerium hatte den deutschen Sondergesandte Volker Perthes im Juni zur Persona non grata erklärt. Im September trat Perthes schließlich zurück und wechselte an die Spitze der UN-Mission im Irak. Al-Burhan hatte Perthes vorgeworfen, den Konflikt im Sudan geschürt zu haben.

Ein UN-Sprecher kommentierte die Forderung Khartums auf Anfrage damit, dass ohnehin eine strategische Überprüfung der Mission im Sudan eingeleitet werden sollte, um diese an die Kriegsbedingungen in dem Land im Nordosten Afrikas anzupassen.

»Der Brief wird im Rahmen dieser Arbeit berücksichtigt«, hieß es. Wenn ein Gastland einer UN-Mission die weitere Arbeit untersagt, können die Vereinten Nationen in der Regel nicht viel dagegen unternehmen und müssen sich fügen, wie zuletzt bereits im Bürgerkriegsland Mali. Dort ist der Abzug einer deutlich größeren Friedensmission in vollem Gange.

UN besorgt über ethnisch motivierte Angriffe in West-Darfur

Das UN-Menschenrechtsbüro zeigt sich indes äußerst besorgt über Berichte über ethnisch motivierte Massenangriffe in der sudanesischen Region West-Darfur. Die RSF und verbündete arabische Milizen hätten demnach Anfang November Hunderte Zivilisten der ethnischen Minderheit Masalit getötet, sagte Jeremy Laurence, Sprecher des Büros, in Genf.

Einige der Opfer seien Augenzeugenberichten zufolge hingerichtet oder bei lebendigem Leibe verbrannt worden, so Laurence. Zudem habe es Berichte von sexueller Gewalt gegeben.

Besonders von der Gewalt betroffen ist demnach die Ortschaft Ardamata nahe der Regionalhauptstadt Al-Dschunaina. Die RSF hatten Anfang November mitgeteilt, dass sie Al-Dschunaina und Umgebung erobert haben. Auch zuvor habe es nach Angaben der UN bereits ähnliche Massenangriffe auf Masalit gegeben. Zwischen Mai und Juni seien bei Angriffen durch die RSF und verbündete Milizen Hunderte Masalit getötet und in Massengräbern verscharrt worden. Die RSF bestritten damals die Vorwürfe.

© dpa-infocom, dpa:231117-99-977538/3