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Selenskyj bekräftigt Kampfeswillen der Ukraine

Die Ukraine begeht ihren Unabhängigkeitstag genau sechs Monate nach Beginn des Krieges. In einem emotionalen Video schließt Präsident Selenskyj Kompromisse gegenüber Russland aus und betont: »Wir werden kämpfen bis zum Schluss«.

Wolodymyr Selenskyj
»Für uns ist die Ukraine die ganze Ukraine«: Präsident Wolodymyr Selenskyj. Foto: Andrew Kravchenko
»Für uns ist die Ukraine die ganze Ukraine«: Präsident Wolodymyr Selenskyj.
Foto: Andrew Kravchenko

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat zum Unabhängigkeitstag das Ziel bekräftigt, im Krieg gegen Russland alle Gebiete des Landes zurückzuholen.

»Für uns ist die Ukraine die ganze Ukraine«, sagte Selenskyj in einer am Mittwoch verbreiteten Videobotschaft. Dazu gehörten auch der Donbass, die von Russland annektierte Schwarzmeer-Halbinsel Krim und alle Regionen, die unter russischer Besatzung seien. »Wir werden kämpfen bis zum Schluss«, sagte Selenskyj in dem emotionalem Clip mit Kriegsszenen.

Der 44-Jährige schloss Zugeständnisse und Kompromisse gegenüber den russischen Angreifern komplett aus. In seiner sonst auf Ukrainisch gehaltenen Ansprache wechselte Selenskyj einmal kurz ins Russische - und bezeichnete russische Soldaten als »Mörder, Vergewaltiger und Plünderer«. Mittlerweile seien den Ukrainern sogar die Worte des Englisch sprechenden britischen Premiers Boris Johnson verständlicher, meinte er. Der Krieg habe die Ukraine geeint. Es sei »eine neue Nation, die am 24. Februar um 4 Uhr morgens entstand«.

Der Staatschef wurde für das Video auf dem Unabhängigkeitsplatz und der Prachtstraße Chreschtschatyk in Kiew aufgenommen, wo zerstörte russische Panzer und andere Militärtechnik zu sehen sind. Die russischen Truppen seien gekommen, um eine Militärparade zu feiern, sagte Selenskyj vor den Kriegstrophäen. Stattdessen wehre sich sein Land gegen die Eindringlinge. Er würdigte alle, die für die Unabhängigkeit der Ukraine kämpften.

Präsidentenpaar nimmt an »Gebet für die Ukraine« teil

Selenskyj und seine Frau Olena nahmen in Kiew an einem »Gebet für die Ukraine« mit Vertretern aller Glaubensrichtungen teil. Dem ukrainischen Volk werde Kraft bei den schweren Proben und das baldige Eintreten von Frieden gewünscht, hieß es in einer Mitteilung des Präsidentenbüros.

Bilder zeigten das Ehepaar gemeinsam mit den Vorstehern der orthodoxen Kirchen und anderen Vertretern christlicher, muslimischer und jüdischer Konfessionen in der im 11. Jahrhundert errichteten Sophienkathedrale im Zentrum der Hauptstadt. Vor seiner Wahl 2019 hatte Selenskyj gesagt, selbst keiner speziellen Konfession anzugehören, aber mit Gott im Zwiegespräch zu sein. Der 44-Jährige hat jüdische Wurzeln.

Klitschko: »Wir werden siegen!«

Auch Kiews Bürgermeister Vitali Klitschko gratulierte den Menschen mit einer Videobotschaft. Niemand habe sich früher vorgestellt, diesen Tag unter Kriegsbedingungen zu feiern. Doch das Land kämpfe tapfer und werde nicht aufgeben, sagte er. »Wir werden alles überstehen, egal, wie schwer es ist. Wir werden siegen!«

Vor 31 Jahren, am 24. August 1991, hatte die damalige Sowjetrepublik Ukraine nach dem gescheiterten Putsch konservativer Kräfte gegen Generalsekretär Michail Gorbatschow ihre Unabhängigkeit erklärt. Dessen Nachnachfolger im Kreml, Wladimir Putin, befahl vor einem halben Jahr den Angriff auf das Nachbarland, um es wieder unter russische Kontrolle zu bringen.

© dpa-infocom, dpa:220824-99-497824/4