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Russland scheitert bei Wahl für den UN-Menschenrechtsrat

Viele Länder wünschen sich angesichts des andauernden Ukraine-Kriegs mehr Aufmerksamkeit für ihre Probleme. Eine Abstimmung bei den UN in New York galt nun als Test, ob Aggressor Russland wieder salonfähig wird.

UN-Menschenrechtsrat
Der UN-Menschenrechtsrat in Genf. Foto: Salvatore Di Nolfi/DPA
Der UN-Menschenrechtsrat in Genf.
Foto: Salvatore Di Nolfi/DPA

Russland ist bei der Wahl für einen Sitz im Menschenrechtsrat der Vereinten Nationen gescheitert. Bulgarien und Albanien bekamen bei dem Votum für osteuropäische Staaten in der UN-Vollversammlung in New York die nötige Mehrheit der 193 UN-Mitglieder. Bulgarien erhielt 160 Stimmen, Albanien 123, für Russland stimmten 83 Länder. Die geheime Abstimmung wurde als Stimmungstest dafür gesehen, wie salonfähig Russland nach dem Einmarsch in die Ukraine vor 19 Monaten weltweit wieder ist.

Einige Wochen nach dem Angriff - im April 2022 - hatte die Vollversammlung der Vereinten Nationen die Mitgliedschaft Russlands ausgesetzt. Moskau erklärte daraufhin seine Mitgliedschaft für vorzeitig beendet. 93 Mitglieder stimmten damals für eine von Großbritannien und den USA eingebrachte Resolution zur Suspendierung, 58 Mitglieder enthielten sich und 24 Mitglieder stimmten dagegen.

»Starkes Signal an die russische Führung«

»Die UN-Mitgliedsstaaten haben ein starkes Signal an die russische Führung gesendet, dass eine Regierung, die für unzählige Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit verantwortlich ist, nicht in den Menschenrechtsrat gehört«, sagte der Direktor der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch, Louis Charbonneau, über Russlands Scheitern. Dabei beklagte er, dass China und Burundi aufgrund fehlender Wettbewerber in den Erdteilen Asien und Afrika in das Gremium gewählt wurden. Auch Kuba zog deutlich in den Rat ein.

Die Wahl neuer Mitglieder fiel dieses Jahr in eine Zeit, in der viele Länder gerade im sogenannten Globalen Süden damit hadern, der von den westlichen Industrienationen verfolgten harten Linie gegenüber Russland zu folgen. Staaten in Asien, Afrika und Lateinamerika wollen baldige Friedensverhandlungen, auch um ihren eigenen Konflikten und Interessen mehr Raum zu verschaffen. Einige Staaten sind zudem zu einem gewissen Grad von Russland abhängig.

Der UN-Menschenrechtsrat ist ein 2006 als Nachfolger der UN-Menschenrechtskommission gegründetes und in Genf angesiedeltes Unterorgan der Vollversammlung. Seine Beschlüsse sind nicht bindend, aber haben moralisches Gewicht. Ihm gehören 47 Mitgliedsstaaten an, die jeweils für drei Jahre gewählt werden. Am Dienstag in New York wurden insgesamt 15 Sitze für die Zeit ab Januar 2014 neu besetzt. Für Westeuropa wurden die Niederlande und Frankreich konkurrenzlos gewählt. Deutschland war bereits vergangenes Jahr für weitere drei Jahre wiedergewählt worden.

© dpa-infocom, dpa:231010-99-507471/4