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Rassistische Attacke: Weißer erschießt drei Schwarze

Tödliche Attacken mit Schusswaffen gehören in den USA zum Alltag. Immer wieder spielen dabei rassistische Beweggründe eine Rolle. Nun tötet in Jacksonville in Florida ein Weißer gezielt mehrere Schwarze.

Schüsse in Florida
Polizeibeamte aus Jacksonville sperren den Tatort ab. Foto: John Raoux/DPA
Polizeibeamte aus Jacksonville sperren den Tatort ab.
Foto: John Raoux/DPA

Ein neues Hassverbrechen erschüttert die USA: Ein weißer Mann hat in einem Geschäft in Jacksonville im Bundesstaat Florida drei Schwarze erschossen. Die Polizei sprach von einer rassistisch motivierten Tat. Der mutmaßliche Schütze habe mehrere Manifeste hinterlassen. »Er hasste schwarze Menschen«, sagte der Sheriff von Jacksonville, T.K. Waters. Die Polizei identifizierte den Schützen als 21 Jahre alten Weißen. Demnach tötete er in und vor dem Geschäft zwei Männer und eine Frau im Alter von 19 bis 52 Jahren. Anschließend nahm er sich selbst das Leben.

Waters sagte, der Täter habe bei seiner Attacke am Samstag eine schusssichere Weste und eine Maske getragen und sei mit einem Sturmgewehr und einer Pistole bewaffnet gewesen. Den Behörden zufolge waren Hakenkreuze auf eine seiner Waffen gemalt. Der Sheriff sagte, der 21-Jährige habe die Waffen legal erworben. Er habe auch keine Vorstrafen oder eine kriminelle Vorgeschichte gehabt.

Der Schütze habe bei seinen Eltern gewohnt. Kurz vor der Tat habe der junge Mann seinem Vater eine Nachricht geschickt und ihn aufgerufen, seinen Computer zu checken. Die Eltern hätten kurz darauf die Polizei verständigt - zu dem Zeitpunkt sei der Schütze aber bereits am Tatort gewesen und habe Schüsse abgegeben. Er habe mehrere Manifeste verfasst: für seine Eltern, für Medien und für Ermittler. Darin habe er eine »ekelhafte Ideologie des Hasses« festgehalten, sagte Waters.

Sheriff: Manifest »das Tagebuch eines Verrückten«

»Er hatte es auf eine bestimmte Gruppe Menschen abgesehen, und das waren Schwarze«, sagte der Sheriff, der selbst schwarz ist. »Dies war, offen gesagt, ein Wahnsinniger, der beschloss, andere zu töten.« Das Manifest sei »das Tagebuch eines Verrückten«. Es gebe keine Hinweise, dass der Mann einer Gruppe angehört habe.

Den Behörden zufolge versuchte der Schütze vor der Attacke in dem Geschäft, einen nahe gelegenen Universitätscampus zu betreten, der überwiegend von schwarzen Studenten besucht wird. Er sei jedoch abgewiesen worden. Waters sagte, womöglich habe sich der Täter dort vorbereiten oder umziehen wollen. Er habe die Gelegenheit gehabt, Gewalt anzuwenden, habe sich jedoch zurückgezogen, als ihn Sicherheitsleute der Universität abgewiesen hätten.

Das US-Heimatschutzministerium und das Justizressort werteten die Tat ebenfalls als rassistisch motiviert. Justizminister Merrick Garland sprach von einem »schrecklichen Akt von Hass«. Die Bundespolizei FBI arbeite mit den örtlichen Strafverfolgungsbehörden an dem Fall. Sein Ministerium untersuche die Attacke als Hassverbrechen und als »rassistisch motivierten gewalttätigen Extremismus«.

Biden zeigte sich erschüttert über den Vorfall

US-Präsident Joe Biden äußerte sich erschüttert über die Attacke. Die Idee einer weißen Vorherrschaft habe keinen Platz in Amerika. Biden mahnte, schwarze Familien, die einkaufen gingen, oder schwarze Studenten, die zur Uni gingen, dürften nicht »in der Angst leben, wegen ihrer Hautfarbe erschossen zu werden«.

Jacksonville liegt im Nordosten Floridas. Die Stadt in dem südlichen US-Bundesstaat hat etwa 970.000 Einwohner. Floridas Gouverneur Ron DeSantis verurteilte die Tat mit scharfen Worten. Der Republikaner bezeichnete den Täter als »Drecksack«. Der Mann habe es auf Menschen aufgrund ihrer Hautfarbe abgesehen. »Das ist völlig inakzeptabel.« Der Mann habe sich »lieber umgebracht, als sich der Verantwortung für seine Taten zu stellen«. Er habe »den Weg eines Feiglings« gewählt.

In den USA kommt es täglich zu schweren Schusswaffenangriffen - und immer wieder auch zu tödlichen Hassverbrechen. Besonders stach zuletzt eine Tat im Mai 2022 in Buffalo im Bundesstaat New York heraus: Ein rassistisch motivierter Schütze hatte dort zehn Menschen in und vor einem Supermarkt mit einem Sturmgewehr getötet. Die Mehrzahl der Opfer war schwarz.

Rassismus und Diskriminierung von Afroamerikanern und anderen Gruppen sind in den USA ein großes Problem. In der US-Hauptstadt versammelten sich am Samstag mehrere Tausend Menschen anlässlich des 60. Jahrestages des »Marsches auf Washington«. Am 28. August 1963 hatte der schwarze Bürgerrechtler Martin Luther King mit den legendären Worten »I have a dream« (Ich habe einen Traum) vor rund 250.000 Menschen die Gleichberechtigung von Schwarzen und Weißen eingefordert. Bürgerrechtler, Aktivisten und Nachfahren von Martin Luther King beklagten bei der Veranstaltung am Samstag, bis zu echter Gleichberechtigung von Schwarzen und Weißen sei noch ein weiter Weg.

© dpa-infocom, dpa:230827-99-973503/8