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Pride-Parade in Bratislava erinnert an Terroranschlag

Im Oktober 2022 erschießt ein Rechtsextremist zwei zur LGBTIQ-Szene gehörende Menschen. Anlässlich der Pride-Parade wenige Monate später präsentieren sich die Veranstalter nun als »stolz und unzerstörbar«.

Pride-Parade in Bratislava
Teilnehmer der Pride-Parade in Bratislava. Foto: Pavol Zachar/DPA
Teilnehmer der Pride-Parade in Bratislava.
Foto: Pavol Zachar/DPA

Erstmals seit dem Terroranschlag auf die Gay-Bar »Teplaren« in Bratislava vor neun Monaten haben sich in der slowakischen Hauptstadt wieder Tausende Menschen zur diesjährigen Regenbogen-Pride-Parade (auf Slowakisch »Duhovy Pride«) versammelt. Bei glühender Hitze zogen Angehörige der LGBTIQ-Gemeinschaft und ihre Unterstützer am Samstag durch das Stadtzentrum und feierten auf dem zentralen Freiheitsplatz nahe dem Regierungsamt die sexuelle und geschlechtliche Vielfalt der Gesellschaft.

Trotz zahlreicher verbaler Anfeindungen und gewaltsamer Übergriffe bis hin zum Mordanschlag im vergangenen Oktober sei die Minderheit »stolz und unzerstörbar«, hieß es in einem Video-Aufruf zur Veranstaltung. Bei dem Attentat hatte ein junger Rechtsextremist zwei zur LGBTIQ-Szene gehörende Menschen erschossen und dann sich selbst. Umso wichtiger sei es nun, sich sichtbar zu machen, erklärte einer der Mitorganisatoren im TV-Nachrichtensender TA3. Die Abkürzung LGBTIQ steht für Lesben, Schwule, Bisexuelle, Transsexuelle, Intersexuelle und Queere.

Wie auch in den Jahren zuvor fand am selben Tag auch eine Kundgebung »Stolz auf die Familie« für das traditionelle Familienmodell aus Vater, Mutter und Kindern statt, zu dem christlich-konservative und rechtsextreme Organisationen aufgerufen hatten. Die »Allianz für die Familie« als Hauptorganisator betonte zwar, es handle sich dabei um »keinen Protest«. Allerdings hatte dieselbe Organisation vor acht Jahren ein homophobes Referendum veranlasst, mit dem die in der Slowakei bestehende Nicht-Anerkennung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften auch für alle Zukunft festgeschrieben und vor einem Eingriff der Europäischen Union geschützt werden sollte. Das Referendum scheiterte damals an zu geringer Beteiligung.

© dpa-infocom, dpa:230722-99-497698/3