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Patienten-Stiftung fordert Prüfungen deutscher Arztpraxen

Ärzte wollen Patientinnen und Patienten effizienter durchs Gesundheitswesen lotsen. Patientenschützer kontern: Sie wollen erst Prüfungen, wie gut die einzelnen Praxen überhaupt sind.

Debatte über Arztpraxen
Eugen Brysch, Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz, fordert, »Qualität und Erreichbarkeit der Praxen endlich extern zu überprüfen«. Foto: Robert Michael/DPA
Eugen Brysch, Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz, fordert, »Qualität und Erreichbarkeit der Praxen endlich extern zu überprüfen«.
Foto: Robert Michael/DPA

Niedergelassene Ärztinnen und Ärzte in Deutschland sollten nach Ansicht der Deutschen Stiftung Patientenschutz unabhängig auf ihre Qualität und Erreichbarkeit überprüft werden. Das sagte Stiftungsvorstand Eugen Brysch der Deutschen Presse-Agentur in Berlin vor dem Deutschen Ärztetag.

»Ärztliche Standesvertretungen und Gesundheitspolitik überschlagen sich mit Vorschlägen zur Patientensteuerung«, sagte Brysch. »Dabei muss zunächst die Arbeit der niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte in den Blick genommen werden.«

Angesichts des Ärztemangels in Teilen Deutschlands hatte sich Ärztepräsident Klaus Reinhardt für eine effektivere Nutzung vorhandener Kapazitäten ausgesprochen. Im Blick des Ärztetags steht eine stärkere Steuerung der Patientinnen und Patienten.

Ärtzetag in Mainz

Reinhardt sieht das deutsche Gesundheitswesen von kaum gesteuertem Zugang und unstrukturierter Inanspruchnahme gekennzeichnet, wie er der dpa gesagt hatte. »Das muss sich ändern.« Der Ärztetag wird morgen in Mainz mit Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) eröffnet.

Brysch forderte, »Qualität und Erreichbarkeit der Praxen endlich extern zu überprüfen«. Es reiche nicht aus, immer mehr Geld ins System zu pumpen. »Die Arbeitsqualität im niedergelassen medizinischen Sektor ist weiterhin die große Unbekannte«, sagte Brysch. Herausragendes medizinisches Engagement und schlechte Leistung würden gleich bezahlt.

Brysch: Systemumstellung »überfällig«

Als »überfällig« forderte Brysch eine Systemumstellung auf Grundlage verbindlicher Qualitätsmerkmale im ambulanten Bereich. Existierende Regeln der Kassenärztlichen Vereinigungen reichten nicht. Brysch forderte Lauterbach auf, den Medizinischen Dienst der Krankenkassen zu beauftragen, Praxen auf Qualität und Präsenz zu kontrollieren. Prüfungen gibt es bereits für Pflegeeinrichtungen und Krankenhäuser.

Brysch verwies auf den Krankenhaus-Atlas, in dem Patientinnen und Patienten neuerdings online Informationen zu den einzelnen Kliniken finden können. »Ähnlich dem Klinikatlas braucht es einen unabhängigen Praxisatlas. Flankierend dazu muss ein verlässliches Bewertungsportal die Zufriedenheit der Patienten erfassen.«

© dpa-infocom, dpa:240506-99-927276/2