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Papst auf dem Weltjugendtag: »Habt keine Angst«

Der Weltjugendtag in Lissabon geht mit zwei emotionalen Events vor rund eineinhalb Millionen Gläubigen zu Ende. Papst Franziskus ermutigt die jungen Leute, im Kampf für eine bessere Welt nicht zu resignieren.

Papst
Papst Franziskus mit Teilnehmern des Weltjugendtags im Tejo-Park in Lissabon eintrifft. Foto: Pedro Rocha/DPA
Papst Franziskus mit Teilnehmern des Weltjugendtags im Tejo-Park in Lissabon eintrifft.
Foto: Pedro Rocha/DPA

Papst Franziskus ermutigt junge Menschen zu einem furchtloseren Einsatz für eine bessere Welt und lädt sie zum nächsten Weltjugendtag 2027 nach Südkorea ein. »Habt keine Angst!«, rief das Oberhaupt der katholischen Kirche den rund 1,5 Millionen Gläubigen bei der Abschlussmesse des Weltjugendtages am Sonntag in Lissabon zu. Es seien die jungen Leute, die die Welt verändern und die für Gerechtigkeit und Frieden kämpfen. »Die Kirche und die Welt brauchen euch junge Menschen, so wie die Erde den Regen«, sagte er.

Zusammen mit einer Gebetswache am Samstagabend, bei der laut lokalen Behörden ebenfalls eineinhalb Millionen Gläubige dabei waren, bildete die Messe einen emotionalen Abschluss des Weltjugendtages. Laut portugiesischen Medien waren in dem südwesteuropäischen Land noch nie so viele Leute auf einmal bei einer Veranstaltung versammelt. Die meisten hatten von Samstag auf Sonntag in Schlafsäcken und auf Isomatten in dem Park an der Mündung des Flusses Tejo übernachtet.

Papst Franziskus wirkte erneut gelöst und energiegeladen, seine Predigt hielt er - wie schon etliche Ansprachen in den Tagen zuvor - in weiten Teilen frei und unabhängig vom Redemanuskript. Er bedankte sich für das knapp einwöchige Event und erinnerte an all jene jungen Leute, die nicht persönlich kommen konnten, vor allem aus ärmeren Ländern etwa in Subsahara oder aus Kriegsgebieten wie der Ukraine.

Nächster Weltjugendtag 2027 in Seoul

Am Ende der Messe kündigte Franziskus an, dass der nächste Weltjugendtag im Jahr 2027 von der südkoreanischen Hauptstadt Seoul ausgerichtet werde. Nach 1995, als das Treffen in Manila auf den Philippinen abgehalten wurde, findet der WJT erst zum zweiten Mal in Asien statt. Dazwischen lud der Papst die Jugend der Welt im heiligen Jahr 2025 zu einer Feier nach Rom ein - Details dazu verriet er zunächst nicht.

Am Samstagabend hatte der 86 Jahre alte Argentinier bereits einer stimmungsvollen Andacht in dem Park beigewohnt; die Gläubigen beteten, sangen und tanzten. Franziskus forderte die Zuhörenden auf, »Wurzeln der Freude« zu sein und einander zu unterstützen - vor allem, wenn jemand am Boden liege. »Wir dürfen nur dann auf Menschen herabschauen, wenn wir ihnen helfen, wieder aufzustehen«, sagte er.

Zuvor hatte er den Wallfahrtsort Fatima nördlich von Lissabon besucht und für Frieden auf der Welt und eine offenere Kirche für alle gebetet. Bei dem Marienheiligtum sagte der Pontifex, dass die Kirche wie das Haus einer Mutter sei, das keine Türen habe und immer offen sei »für ihre Kinder, für alle, alle, alle ohne Ausnahme«. Der Papst begrüßte in Fatima viele Kranke und Menschen mit Behinderungen.

Kein Wort zum Ukraine-Krieg

In dem Ort soll 1917 drei Hirtenkindern die Gottesmutter Maria mehrfach erschienen sein. Laut der katholischen Überlieferung soll die Mutter Jesu damals während des Ersten Weltkrieges den Auftrag gegeben haben, Russland dem Unbefleckten Herzen Mariens zu weihen, damit das Land nicht vom christlichen Glaube abfalle. Wegen dieses Zusammenhangs hatte Franziskus im Frühjahr 2022 kurz nach dem Überfall Moskaus auf die Ukraine jene Weihe erneuert in der Hoffnung, einen Beitrag zu leisten für Frieden und ein Ende des Blutvergießens.

Vor seinem jetzigen Besuch in Fatima war erwartet worden, dass er just an jener Pilgerstelle erneut deutlich über Krieg und Frieden sprechen werde. Allerdings erwähnte er den Konflikt dann überhaupt nicht. Seit Februar 2022 versuchen der Papst und der Vatikan - mit eher mäßigem Erfolg - Vermittler zwischen Moskau und Kiew zu sein. Immerhin kündigte Franziskus in einem Interview an, dass der von ihm als Chef jener Mission beauftragte Kardinal Matteo Zuppi nach Besuchen in Kiew, Moskau und Washington bald auch nach Peking reisen werde.

© dpa-infocom, dpa:230805-99-724527/5