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Missbrauch, Reformstau, AfD: Katholische Bischöfe beraten

Die Herbstversammlung der Bischöfe steht bevor: Der Missbrauchsskandal hat sich mutmaßlich auf einen Kardinal ausgeweitet, die erhofften Reformen stocken - und dann ist da noch die AfD.

Herbstvollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz
Bischöfe bei der Herbstvollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz 2022 in Fulda: Dieses Mal kommen sie in Wiesbaden zusammen. Foto: Sebastian Gollnow/DPA
Bischöfe bei der Herbstvollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz 2022 in Fulda: Dieses Mal kommen sie in Wiesbaden zusammen.
Foto: Sebastian Gollnow/DPA

Der Missbrauchsskandal, der innerkirchliche Reformprozess und die anstehende Weltsynode in Rom gehören zu den Themen der diesjährigen Herbstvollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz. Sie tagt ab morgen vier Tage lang in Wiesbaden.

Missbrauchsskandal und Reformprozess

Der Missbrauchsskandal hatte vergangene Woche eine neue Dimension erhalten, als erstmals ein Kardinal als mutmaßlicher Täter ins Bild kam. Der 1991 gestorbene Ruhrbischof Franz Hengsbach soll unter anderem in seiner Zeit als Weihbischof in Paderborn eine damals 16-Jährige missbraucht haben.

Außerdem wird er eines weiteren Übergriffs auf eine Frau 1967 in Essen beschuldigt. Wie sich herausstellte, war zumindest ein Teil der Vorwürfe intern schon lange bekannt.

Als Reaktion auf den Missbrauchsskandal hatte die katholische Kirche in Deutschland 2019 einen Reformprozess eingeleitet, den Synodalen Weg. Damit sollten die Strukturen, die den Missbrauch jahrzehntelang begünstigt hatten, verändert werden. Im März wurde dieser Prozess mit Reformvorschlägen abgeschlossen. Das brachte die deutsche Kirche in Konflikt mit dem Vatikan, der fast alle deutschen Erneuerungsvorschläge ablehnt.

Ärger auch untereinander

Wirklich weitgehende Reformen wie die Öffnung des Priesteramts für Frauen waren erst gar nicht erst vorgeschlagen worden, weil dies sowieso chancenlos gewesen wäre. Eine Mehrheit der Bischofskonferenz will den während des Reformprozesses praktizierten Dialog mit den sogenannten Laien - den Nicht-Klerikern - künftig weiterführen.

Dafür sind zunächst ein Synodaler Ausschuss und dann ein ständiger Synodaler Rat vorgesehen. Konservative Bischöfe wie Rainer Maria Woelki aus Köln und Rudolf Voderholzer aus Regensburg haben jedoch die Gelder dafür blockiert. Deshalb herrscht unter den Bischöfen untereinander teils auch dicke Luft.

Kommende Weltsynode und AfD

Zudem geht es bei der Herbstvollversammlung um die Weltsynode, die vom 4. bis zum 29. Oktober in Rom tagt. Zu ihr hat Papst Franziskus eingeladen, um auf einer möglichst breiten Basis über die Zukunft der Kirche zu sprechen und neue Wege des Miteinanders zu erproben. Die Deutschen würden in diesen Prozess gern ihre Anliegen und Ideen aus dem Synodalen Weg einbringen, doch konkrete Reformen werden von der Weltsynode erst gar nicht ins Auge gefasst.

Darüber hinaus beschäftigen sich die Bischöfe auch mit aktuellen Fragen, darunter ihrer Haltung zur AfD. Hier hatte der Augsburger Bischof Bertram Meier in der vergangenen Woche heftige Irritation ausgelöst.

In der »Augsburger Allgemeinen« sagte er unter anderem, er appelliere an jede und jeden, Parteiprogramme zu studieren und sich mit einzelnen Kandidaten zu befassen. Auf Kritik stieß insbesondere der Satz: »Wie die Kirche tritt etwa die AfD zum Beispiel für den Schutz ungeborenen Lebens oder die Ehe von Mann und Frau ein - und doch können wir als Kirche nicht unsere Sichtweise auf solche Überschneidungen verengen.«

Der Kirchenrechtler Thomas Schüller warf Meier vor, er mache sich damit zum »Steigbügelhalter für eine breiter werdende gesellschaftliche Akzeptanz von Rechtsradikalen«. Der Theologie-Professor Daniel Bogner sagte, ihn erinnere diese Haltung an die Positionierung der katholischen Kirche gegenüber der NS-Regierung Hitlers im Jahr 1933: »Man hat damals auch hervorgehoben, dass die Reichsregierung einzelne Positionen vertrat, die der Kirche wichtig waren, zum Beispiel das Recht auf Selbstorganisation der Kirche oder die Schulfreiheit.«

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz (DBK), Georg Bätzing, stellte daraufhin klar, es sei »problematisch, sich in der AfD zu engagieren und eine Aufgabe in der Kirche« auszuüben. Das passe »alleine schon vom christlichen Menschenbild nicht zusammen«, sagte Bätzing der »Bild«-Zeitung. So werde die Kirche »unglaubwürdig«.

»Menschenverachtende oder demokratiefeindliche Positionen muss die Kirche schlichtweg immer als inakzeptabel und nicht tolerabel brandmarken«, stellte der Limburger Bischof klar.

© dpa-infocom, dpa:230924-99-312562/3