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Krieg gegen die Ukraine: So ist die Lage

Die Appelle klingen dramatisch. Die Behörden in der Region Donezk rufen Zivilisten zur Flucht auf. Die Ukraine befürchtet, dass Russland seine Offensive ausweitet. Außenminister Lawrow beginnt beim G20-Treffen auf Bali mit ersten Gesprächen.

Charkiw
Die Kampfhandlungen in der Ostukraine dauern weiter an. Foto: Ukrinform
Die Kampfhandlungen in der Ostukraine dauern weiter an.
Foto: Ukrinform

Die Ukraine bereitet sich nach der weitgehenden russischen Eroberung von Luhansk auf eine massive Ausweitung der Angriffe auf die ostukrainische Nachbarregion Donezk vor. Die dortigen Behörden forderten die Zivilbevölkerung zur Flucht auf.

»Russland hat das gesamte Gebiet von Donezk zu einem gefährlichen Hotspot auch für Zivilisten gemacht«, warnte Gouverneur Pawlo Kyrylenko. Der Bürgermeister von Slowjansk, Wadym Ljach, kündigte Busse und Züge zum Transport von Zivilisten in den Westen des Landes an: »Kein Risiko eingehen! Packt zusammen!«

Der russische Außenminister Sergej Lawrow traf am Donnerstag zu einem Treffen der Außenminister der G20-Gruppe auf Bali ein. Mit Spannung wird erwartet, wie die Gegner des russischen Angriffskrieges mit Lawrow umgehen.

Seine Anwesenheit gilt als Test für eine mögliche Teilnahme von Kremlchef Wladimir Putin am G20-Gipfel am 15. und 16. November, der ebenfalls auf Bali stattfindet. Mehrere Staaten haben ihre Teilnahme infrage gestellt, sollte Putin persönlich erscheinen.

Ukraine: Tote und Verletzte durch Beschuss

Bei Beschuss von Orten im Kriegsgebiet Ostukraine sind erneut mehrere Menschen verletzt oder getötet worden. In der Region Charkiw sprachen die Behörden am Donnerstag von drei Toten und fünf Verwundeten durch russische Angriffe. »Der Feind ist hinterhältig, zielt auf Wohngebiete und zivile Infrastruktur«, teilte der regionale Befehlshaber Oleh Synjehubow mit. Die Berichte aus den Kampfgebieten können nicht unabhängig geprüft werden.

In den Orten Kramatorsk und Awdijiwka in der Region Donezk starben den Behörden zufolge zwei Menschen, acht wurden verletzt. Russische Angriffe hätten nur zivile Ziele getroffen, erklärte der Gouverneur des Gebiets, Pawlo Kyrylenko. Die prorussischen Separatisten in der Region Donezk sprachen von einem Toten und elf Verletzten durch ukrainischen Beschuss. Auch dies konnte nicht unabhängig geprüft werden.

Seit Russland die weitgehende Kontrolle über die ostukrainische Region Luhansk übernommen hat, hat sich der Schwerpunkt der Kämpfe ins benachbarte Donezk verlagert. Im Visier der russischen Armee sind besonders die Städte Kramatorsk und Slowjansk.

Soldaten hissen ukrainische Flagge auf der Schlangeninsel

Ukrainische Soldaten hissten auf der symbolträchtigen Schlangeninsel im Schwarzen Meer inzwischen wieder die ukrainische Flagge. Der Sprecher der Militärverwaltung des Gebiets Odessa, Serhij Brattschuk, veröffentlichte im Nachrichtendienst Telegram mehrere Fotos. Die Insel war nach Kriegsbeginn von Russen besetzt worden, die Truppen zogen vor einer Woche nach ukrainischen Angriffen wieder ab.

Am Donnerstagmorgen wurde der Anlegesteg der Insel ukrainischen Angaben zufolge durch zwei russische Raketen »erheblich beschädigt«. Von russischer Seite hieß es, bei dem Angriff seien mehrere ukrainische Soldaten getötet worden. Die Angaben ließen sich zunächst nicht unabhängig überprüfen.

Selenskyj: Westliche Waffen helfen Ukraine

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj sieht in westlichen Waffensystemen eine kraftvolle Verstärkung der ukrainischen Armee im Krieg gegen Russland. Mit treffgenauer Artillerie zerstöre die Ukraine Depots und andere Ziele, die für die Logistik der Russen wichtig seien, sagte Selenskyj am Mittwoch in einer Videobotschaft. »Und das reduziert das Offensivpotenzial der russischen Armee erheblich. Die Verluste der Besatzer werden mit jeder Woche zunehmen«, meinte er.

Lambrecht erteilt Lieferung von Transportpanzer Fuchs klare Absage

Bundeskanzler Olaf Scholz hatte am Mittwoch weitere Waffenlieferungen in die Ukraine im Zuge eines sogenannten Ringtauschs angekündigt. Einer Lieferung von Transportpanzern des Typs Fuchs an die Ukraine erteilte Verteidigungsministerin Christine Lambrecht am Donnerstag eine Absage. »Wir unterstützen die Ukraine mit allem, was möglich und verantwortbar ist. Aber wir müssen die Verteidigungsfähigkeit Deutschlands gewährleisten«, teilte die SPD-Ministerin der Deutschen Presse-Agentur mit. Sie reagierte damit auf Forderungen der Union.

Selenskyj spricht von Raketenangriff auf Universität

Beide Kriegsparteien machten sich gegenseitig für Tote und Verletzte bei neuen Angriffen verantwortlich. Die prorussischen Separatisten in der Region Donezk warfen der ukrainischen Armee vor, durch Beschuss sechs Menschen getötet zu haben, darunter drei Kinder. 19 Menschen seien verletzt worden.

Die Ukraine warf der russischen Armee ihrerseits den Beschuss mehrerer Orte vor. In der Region Donezk seien drei Menschen getötet worden. Selenskyj machte Russland für einen Raketenangriff auf die pädagogische Universität der zweitgrößten Stadt Charkiw verantwortlich. Die Angaben beider Seiten waren von unabhängiger Seite zunächst nicht überprüfbar.

Lawrow zu G20-Treffen eingetroffen

Der russische Außenminister Lawrow kam am Donnerstag in Bali zu Gesprächen mit seinem chinesischen Kollegen Wang Yi sowie mit dem türkischen Außenminister Mevlüt Cavusoglu zusammen. Zu Inhalten wurde zunächst nichts bekannt. Aus dem US-Außenministerium hatte es zuvor geheißen, ein bilaterales Treffen von US-Außenminister Antony Blinken mit Lawrow sei nicht vorgesehen. Das bestätigte später auch Russlands Vize-Außenminister Sergej Rjabkow.

© dpa-infocom, dpa:220707-99-936306/8