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Gaza-Konflikt gefährdet israelisch-arabische Normalisierung

Eine Normalisierung der Beziehungen zwischen Saudi-Arabien und Israel hätte weitreichende Veränderungen im Nahen Osten ausgelöst. Vor dem Hintergrund der Eskalation stoppt Riad aber die Gespräche.

Netanjahu und Kronprinz bin Salman
Benjamin Netanjahu (l), Ministerpräsident von Israel, und Mohammed bin Salman, Kronprinz von Saudi Arabien. Saudi-Arabien hat die Gespräche über eine mögliche Normalisierung der Beziehungen mit Israel gestoppt, heißt es. Foto: Abir Sultan/DPA
Benjamin Netanjahu (l), Ministerpräsident von Israel, und Mohammed bin Salman, Kronprinz von Saudi Arabien. Saudi-Arabien hat die Gespräche über eine mögliche Normalisierung der Beziehungen mit Israel gestoppt, heißt es.
Foto: Abir Sultan/DPA

Saudi-Arabien hat die Gespräche über eine mögliche Normalisierung der Beziehungen mit Israel gestoppt. Das erfuhr die Deutsche Presse-Agentur aus saudischen Diplomatenkreisen. Die Gespräche zwischen dem einflussreichen Ölstaat und Israel waren unter US-Vermittlung zustande gekommen. Saudi-Arabien gilt als wichtige Schutzmacht der Palästinenser.

Israel reagiert auf das beispiellose Massaker von islamistischen Hamas-Terroristen auf israelische Zivilisten am vergangenen Samstag mit massiven Luftangriffen auf Ziele im Gazastreifen.

Unmittelbar nach dem Hamas-Großangriff vor einer Woche und wegen der erwarteten Reaktion Israels waren bereits Befürchtungen aufgekommen, dass Saudi-Arabien Konsequenzen für die Gespräche über eine Normalisierung der Beziehungen mit Israel ziehen könnte.

Schon jetzt starben 2215 Palästinenser bei israelischen Angriffen im Gazastreifen. Israel hat das Gebiet, in dem 2,2, Millionen Menschen leben, komplett abgeriegelt; es könnte zudem eine Bodenoffensive des israelischen Militärs geben.

Blinken in Riad - USA und Saudi-Arabien betonen Zusammenarbeit

Vor dem Hintergrund der jüngsten Eskalation im Nahen Osten haben die USA und Saudi-Arabien ihre Zusammenarbeit betont. Der gemeinsame Austausch sei wichtig, sagte US-Außenminister Antony Blinken bei einem Treffen mit seinem saudischen Amtskollegen Faisal bin Farhan Al Saud am Samstag in Riad laut einem Transkript des US-Außenministeriums. Dieser äußerte sich demnach ähnlich. Es sei wichtig, sicherzustellen, dass dieser Konflikt nicht auf andere Orte und andere Fronten übergreife.

Am Freitag hatte Saudi-Arabien einen Aufruf des israelischen Militärs zur Massenevakuierung des nördlichen Gazastreifens scharf kritisiert. Saudi-Arabien lehne die »Zwangsumsiedlung« ab, teilte das Außenministerium mit. Alle Formen der militärischen Eskalation, die sich gegen Zivilisten richteten, müssten gestoppt werden.

Eine förmliche Annäherung zwischen Saudi-Arabien und Israel schien jahrzehntelang so gut wie ausgeschlossen. Doch gab es in den vergangenen Monaten Anzeichen, dass beide Seiten aufeinander zugehen. Eine Normalisierung der Beziehungen hätte Experten zufolge folgenreiche Veränderungen in der Region auslösen können.

Bis vor rund zwei Jahren unterhielten nur zwei arabische Staaten - Ägypten und Jordanien - diplomatische Beziehungen zu Israel. Im September 2020 vereinbarte Israel dann unter US-Vermittlung die Aufnahme diplomatischer Beziehungen mit den Vereinigten Arabischen Emiraten sowie Bahrain. Marokko und der Sudan kündigten solche Schritte danach ebenfalls an. Die Arabische Liga umfasst 21 Mitgliedsstaaten sowie die Palästinenser.

Iran: Normalisierung vom Tisch

Der Iran sieht Einigkeit mit dem einstigen Rivalen Saudi-Arabien. »Teheran und Riad sind sich einig, die Verbrechen des zionistischen Regimes gegen die Bevölkerung des Gazastreifens zu verhindern«, sagte Irans Außenminister Hussein Amirabdollahian in der libanesischen Hauptstadt Beirut.

Während Saudi-Arabien und der Iran nach Amirabdollahians Darstellung zusammenrücken, sprach der Minister einer möglichen Annäherung zwischen Israel und dem Königreich jede Aussicht auf Erfolg ab. »Das ist völlig vom Tisch«, sagte er auf die Frage, ob der Großangriff der islamistischen Hamas auf Israel Einfluss auf Gespräche zur Normalisierung der Beziehungen zwischen den beiden Ländern haben könnte.

© dpa-infocom, dpa:231014-99-562058/8