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Deutlich mehr Kinder in schwerster Armut in Großbritannien

Von 2017 bis 2022 hat sich einer Studie zufolge die Zahl der Kinder, die in schwerster Armut leben, fast verdeifacht. Mittlerweile sind mehr als eine Million Kinder betroffen. Das hat mehrere Gründe.

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Mehr als eine Million Kinder in Großbritannien leben in schwerster Armut. (Symbolbild) Foto: Jonathan Brady/DPA
Mehr als eine Million Kinder in Großbritannien leben in schwerster Armut. (Symbolbild)
Foto: Jonathan Brady/DPA

Mehr als eine Million Kinder in Großbritannien leben einer Studie zufolge in schwerster Armut. Die Zahl habe sich von 2017 bis 2022 fast verdreifacht, teilte die Wohltätigkeitsorganisation Joseph Rowntree Foundation (JRF) mit.

Insgesamt lebten 3,8 Millionen in elendigen Verhältnissen. Als notleidend gilt, wer nicht in der Lage ist, grundlegendste körperliche Bedürfnisse zu befriedigen: warm, trocken, sauber und satt zu bleiben.

Wieso gibt es so einen deutlichen Anstieg?

Grund für den erheblichen Anstieg sei eine Kombination aus sehr niedrigen Einkommen, steigenden Lebenshaltungskosten und hoher Verschuldung, hieß es in dem Bericht. Zudem schütze das Sozialsystem die Menschen nicht - nur knapp drei Viertel der Bedürftigen (72 Prozent) bezögen Hilfsleistungen. Mehr als die Hälfte der betroffenen Haushalte verfüge über ein wöchentliches Einkommen von weniger als 85 Pfund (97,70 Euro). Vor allem Singles im Alter von 25 bis 44 Jahren seien notleidend, aber auch immer mehr Familien und ältere Menschen rutschten in äußerste Armut ab.

»Solch schwere Not sollte heutzutage im Vereinigten Königreich keinen Platz mehr haben, und die britische Öffentlichkeit wird Elend in diesem Ausmaß nicht dulden«, sagte JRF-Chef Paul Kissack. Er warf der konservativen Regierung vor, Gegenmaßnahmen zu verweigern. Der Bericht betonte, das Sozialsystem sei so voller Lücken, dass Wohltätigkeitsorganisationen wie etwa Tafeln versuchen müssten, die Menschen vor der schlimmsten Not zu bewahren. »Aber die Aufgabe ist zu groß für sie«, hieß es.

Die Regierung teilte mit, sie investiere viel Geld in soziale Unterstützung sowie Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen und kostenlose Kinderbetreuung. Hilfsorganisationen hoffen auf einen inflationsgerechten Anstieg der Sozialleistungen.

© dpa-infocom, dpa:231024-99-679350/3