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Brokstedt-Prozess: OLG soll Unterbringung prüfen

Über die tödlichen Messerattacken im Regionalzug von Kiel nach Hamburg berichten erneut Augenzeugen, zum Teil unter Tränen. Der Verteidiger will, dass das Oberlandesgericht sich mit dem Fall befasst.

Brokstedt-Prozess
Vor dem Landgericht Itzehoe wird der Prozess gegen Ibrahim A. wegen der tödlichen Messerattacke in einem Regionalzug in Brokstedt fortgesetzt. Foto: Christian Charisius/DPA
Vor dem Landgericht Itzehoe wird der Prozess gegen Ibrahim A. wegen der tödlichen Messerattacke in einem Regionalzug in Brokstedt fortgesetzt.
Foto: Christian Charisius/DPA

Sieben Monate nach den tödlichen Messerattacken im Regionalzug von Kiel nach Hamburg hat das Itzehoer Landgericht die Beweisaufnahme fortgesetzt. Zwei weitere Tatzeugen sagten aus. Die Studentin und der Student berichteten, wie der Angeklagte Ibrahim A. im Bahnhof Brokstedt im stehenden Zug eine junge Frau verfolgte und mit dem Messer auf sie einstach.

Verteidiger Björn Seelbach kündigte an, er bereite Haftbeschwerde beim Oberlandesgericht in Schleswig vor. Damit wolle er die Unterbringung seines Mandanten in der geschlossenen Psychiatrie statt in Untersuchungshaft erreichen. Nach Auffassung des Verteidigers stand der laut vorläufigem Gutachter offenbar psychisch erkrankte Angeklagte zum Tatzeitpunkt unter einem akuten psychotischen Schub und sei somit vermutlich schuldunfähig. Seelbach warf dem Gericht vor, diese Frage nicht ausreichend direkt über den psychiatrischen Gutachter zu klären, der im Gerichtssaal sitze und direkt befragt werden könne, sondern nur aus den Akten.

Wer sind die Zeugen?

Bei den Zeugenbefragungen berichtete ein 27 Jahre alter Student aus Kiel, dass er den Schrei einer Frau wahrnahm. Als er sich umdrehte, habe er den Angeklagten gesehen. Dieser habe das Messer in der rechten Hand hoch erhoben und dann auf die vor ihm flüchtende Frau im Schulter-Halsbereich eingestochen. Er selbst sei mit anderen Fahrgästen weggerannt und habe den Notruf gewählt. Noch im Zug sah habe den Angeklagten hin und her gehen sehen, als würde der Mann überlegen und ein neues Opfer suchen, sagte der Student.

Die zweite Zeugin, eine 30-jährige Studentin aus Hamburg, hatte gelesen und Musik gehört, als sie einen heftigen Schrei einer Frau hörte. In etwa zwei, drei Meter Entfernung habe sie dann eine Frau mit blondem Haar gesehen, die vor einem Mann mit einem Messer zu flüchten versuchte, sagte sie. Dann weinte die Zeugin und brauchte einige Minuten, um sich wieder zu fangen. »Ich hab richtig gesehen, wie er reingestochen hat«, sagte die Studentin und zeigte auf die Schulter nahe dem Hals.

»Ich schrie Nein, Nein, Stopp! Stopp!«, sagte die 30-Jährige vor Gericht. Doch der Mann habe zugestochen. Als alle riefen: »Weg, weg« sei auch sie losgelaufen. Draußen auf dem Bahnsteig habe sie andere Verletzte gesehen - und auch den Täter mit dem Messer, als er von Polizisten gehalten wurde.

Was wird dem Angeklagten vorgeworfen?

Der 34-Jährige wurde auch am elften Verhandlungstag in Hand- und Fußfesseln und in Kleidung eines Untersuchungshäftlings in den Saal geführt. Beide Zeugen blickte der Angeklagte kurz eindringlich an.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem staatenlosen Palästinenser vor, am 25. Januar 2023 im Regionalzug beim Bahnhof von Brokstedt mit einem Messer zwei junge Menschen im Alter von 17 und 19 Jahren getötet und vier schwer verletzt zu haben. Die Anklage lautet auf zweifachen Mord und vierfachen Mordversuch.

© dpa-infocom, dpa:230825-99-959874/2