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Bätzing räumt »kritische Situation« bei Kirchenreformen ein

Es wird langsam spannend in der katholischen Kirche, denn ihr Reformprozess nähert sich dem Höhepunkt. Vor der entscheidenden Tagung sind die Bischöfe zusammen - es gibt schwere »Verstörungen«.

Bätzing
Bischof von Limburg und Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz: Georg Bätzing. Foto: Robert Michael
Bischof von Limburg und Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz: Georg Bätzing.
Foto: Robert Michael

Die angestrebte Reform der katholischen Kirche stellt die deutschen Bischöfe vor eine Zerreißprobe. »Es ist eine ernstzunehmende kritische Situation, das sage ich ganz klar, und die liegt auch natürlich über unserem Treffen hier«, sagte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Georg Bätzing, zum Auftakt der Frühjahrs-Vollversammlung der katholischen Bischöfe in Dresden.

Der Vatikan wie auch einige ausländische Bischofskonferenzen hatten zuletzt starke Bedenken gegen den deutschen Reformkurs Synodaler Weg angemeldet. »Wir gehen den Synodalen Weg nicht in Ruhe«, räumte Bätzing ein. Eine Spaltung drohe seines Erachtens aber nicht: »Wer von Spaltung spricht, der verspricht sich was davon. Ich spreche davon nicht, weil sie niemand will.« Konservative Bischöfe hatten den deutschen Bischöfen zuletzt immer wieder vorgeworfen, sie steuerten mit ihren Reformplänen auf eine neue Kirchenspaltung zu.

Mehrheit der Bischöfe gilt als reformorientiert

Der seit 2019 laufende Synodale Weg strebt eine Erneuerung in vier Bereichen an: bei der Position der Frau, der katholischen Sexualmoral, dem Umgang mit Macht und dem Pflichtzölibat, der verpflichtenden Ehelosigkeit der Priester. In der kommenden Woche kommt in Frankfurt/Main die fünfte und letzte Synodalversammlung zusammen, die abschließend über den Reformkurs beraten soll.

Vorher sind die 65 Bischöfe in Dresden zusammengekommen, um sich abzustimmen. Die Mehrheit von ihnen gilt als reformorientiert. Allerdings ist unklar, ob sich einige von ihnen durch die zuletzt sehr kritischen Stellungnahmen aus Rom unter Druck setzen lassen und dann doch gegen Reformen stimmen werden. Eine Minderheit von konservativen Bischöfen opponiert seit jeher offen gegen den Kurs der Erneuerung. Fünf von ihnen rund um den Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki hatten zuletzt mit einem Brief an den Vatikan gegen die Einrichtung eines permanenten Entscheidungsgremiums interveniert, an dem auch Nicht-Kleriker beteiligt sein sollen. Dieses neue Gremium soll Synodaler Rat genannt werden.

»Es bleiben irgendwie Verstörungen«

Bätzing sagte, der Brief dieser Fünf sei ihm bis heute nicht zugänglich gemacht worden. »Es bleiben irgendwie Verstörungen, das ist klar, denn bis heute kennen wir Mitglieder der Bischofskonferenz den Brief der Fünf nicht, der nach Rom gerichtet worden ist.« Bätzing verwies darauf, dass man am Ende des Reformprozesses aber auf keinen Fall mit leeren Händen dastehen werde. Als Beispiel führte er an: »Wir haben es geschafft, das Arbeitsrecht der katholischen Kirche grundlegend zu verändern.« Beschäftigte der Kirche dürfen nun nicht mehr aufgrund ihrer sexuellen Orientierung benachteiligt werden.

Bei der Missbrauchsaufarbeitung sprach sich Bätzing für eine größere Rolle des Staates aus. »Wir sagen das schon lange«, versicherte er. Schon jetzt gebe es ein Mitwirken des Staates, etwa in den Aufarbeitungskommissionen der Bistümer. »Ich würde mir wünschen (...) dass das Parlament und unser Staat noch viel mehr Verantwortung in diesem Bereich übernimmt.« Dabei würde dann deutlich werden, dass dies auch nicht nur ein Thema der katholischen Kirche sei. »Es hilft uns, wenn die Politik mehr Verantwortung zu übernehmen bereit ist. Denn es geht darum, den Betroffenen, den Opfern sexuellen Missbrauchs Gerechtigkeit widerfahren zu lassen.«

Die Reformbewegung »Wir sind Kirche« verlangte von den Bischöfen ein deutliches Aufbruchssignal: Die Vollversammlung in Dresden sei ein Gradmesser »für die Reformfähigkeit und Reformbereitschaft der Kirchenleitung«, sagte Sprecher Christian Weisner. Es sei wichtig, den »dramatischen Glaubwürdigkeitsverlust« der Kirchenleitung anzugehen. Bätzing sagte dazu: »Wir müssen Zeichen setzen, dass wir uns verändern können. Sonst glauben uns die Menschen nicht mehr und rennen reihenweise weg.«

© dpa-infocom, dpa:230227-99-753431/5