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Aiwanger kann Misstrauen gegen seine Person »nachvollziehen«

»Ich kann diese Reaktion sehr gut verstehen, es waren ja harte Vorwürfe«, sagt Bayerns Vize-Ministerpräsident. Dem Ganzen vorangegangen war sein Verhalten im Zusammenhang mit einem antisemitischen Flugblatt.

Sondersitzung im Landtag
Hubert Aiwanger verlässt den bayerischen Landtag nach einer Sondersitzung zu den Vorwürfen gegen ihn im Zusammenhang mit einem Flugblatt mit antisemitischem Inhalt. Foto: Sven Hoppe/DPA
Hubert Aiwanger verlässt den bayerischen Landtag nach einer Sondersitzung zu den Vorwürfen gegen ihn im Zusammenhang mit einem Flugblatt mit antisemitischem Inhalt.
Foto: Sven Hoppe/DPA

Bayerns Vize-Ministerpräsident Hubert Aiwanger kann verstehen, dass ihm viele Menschen nach der Flugblatt-Affäre nicht mehr trauen.

»Natürlich kann ich das nachvollziehen«, sagte der Chef der Freien Wähler und bayerische Wirtschaftsminister der »Jüdischen Allgemeinen«. Ebenso könne er nachvollziehen, dass die KZ-Gedenkstätten in Bayern keine öffentlichen Veranstaltungen mit ihm machen wollten und auch dass die Mehrheit der jüdischen Gemeinschaft in Bayern und Deutschland entsetzt gewesen sei über den Umgang mit den Vorwürfen zur Entstehung des antisemitischen Flugblatts.

»Ich kann diese Reaktion sehr gut verstehen, es waren ja harte Vorwürfe. Aber ich konnte mich eben bezüglich der Urheberschaft des scheußlichen Papiers nicht entschuldigen, weil ich es nicht war«, sagte Aiwanger. Weitere Erwartungen an seine Person, etwa demütiger zu sein oder keine Wahlveranstaltungen mehr abzuhalten, »hätten aber auf dem Höhepunkt des Wahlkampfes denen in die Hände gespielt, die die Veröffentlichungen nach meiner Einschätzung absichtlich genau zu Beginn der Briefwahl platziert haben, um mir und den Freien Wählern zu schaden«.

Aiwanger weist Vorwürfe erneut zurück

Aiwanger nutzte das Interview erneut, um alle Vorwürfen gegen seine Person im Zusammenhang mit dem antisemitischen Flugblatt aus seiner Schulzeit sowie zu dessen Entstehung zurückzuweisen. Er sei nie ein Judenhasser gewesen, betonte er.

Aiwanger erklärte auf Nachfrage der Zeitung, auch die kritische Reaktion der Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, Charlotte Knobloch, »bestens nachvollziehen zu können«. Knobloch hatte erklärt, sie habe zwar Aiwangers Anruf entgegengenommen, nicht aber dessen Entschuldigung. »Ich suche natürlich weiterhin das Gespräch. Tatsächlich habe ich Anfragen von zwei israelitischen Kultusgemeinden aus Bayern zum Gespräch erhalten, die ich gerne annehmen will.«

Aiwanger: »Zerrüttetes Vertrauen wieder aufbauen«

Daneben werde er sich aber noch vor der Landtagswahl in Bayern am 8. Oktober mit Zentralratspräsident Josef Schuster treffen. »Wenn möglich diskret, um die sensible Thematik nicht zum Spielball des Wahlkampfs in Bayern zu machen. Und auch nach der Wahl werde ich nichts unversucht lassen, zerrüttetes Vertrauen wieder aufzubauen«, sagte Aiwanger.

Ein antisemitisches Flugblatt aus Aiwangers Schulzeit hatte kürzlich in Bayern einen großen Skandal ausgelöst. In der Folge hatte sich Aiwangers Bruder als Verfasser geoutet, dennoch wurden weitere Vorwürfe zu Aiwangers früherem Verhalten erhoben. Nach mehreren Tagen entschuldigte er sich, beklagte aber zugleich eine Kampagne gegen sich. Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) hatte sich gegen eine Entlassung ausgesprochen. In Umfragen erleben die Freien Wähler seither einen regelrechten Höhenflug.

Aiwanger-Interview der Jüdischen Allgemeinen

© dpa-infocom, dpa:230919-99-252291/3