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Aussichtsreicher HIV-Impfstoff schützt nicht

Noch immer gibt es keinen Impfstoff gegen HIV. Auf einem Kandidaten lagen ganz besondere Hoffnungen. Doch auch die wurden offenbar nicht erfüllt.

Johnson & Johnson
Ein Logo des US-amerikanischer Pharmazie- und Konsumgüterhersteller Johnson & Johnson auf einem Erste-Hilfe-Kasten. Foto: Steven Senne
Ein Logo des US-amerikanischer Pharmazie- und Konsumgüterhersteller Johnson & Johnson auf einem Erste-Hilfe-Kasten.
Foto: Steven Senne

Ein besonders aussichtsreicher Impfstoffkandidat gegen die Immunschwächekrankheit Aids schützt nicht ausreichend vor einer HIV-Infektion. Das gab der US-Pharmakonzern Johnson & Johnson nach der Begutachtung von Daten der entscheidenden klinischen Studie bekannt. »Wir sind enttäuscht von diesem Ergebnis«, sagte die verantwortliche Forscherin Penny Heaton laut einer Mitteilung. Die Phase-III-Studie (»Mosaico«) mit 3900 Probanden werde beendet.

Dem HIV-Experten Hendrik Streeck zufolge, der an der Studie am Rande beteiligt war, hatte kein anderes Präparat so gute Aussichten gehabt. Die nun veröffentlichten schlechten Ergebnisse der Studie hätten die Suche nach einem Impfstoff »deutlich zurückgeworfen«, sagte Streeck, der das Institut für Virologie der Uni Bonn leitet, der Deutschen Presse-Agentur. »Bis vor Kurzem habe ich noch gehofft, dass dieser Impfstoff funktionieren könnte.« So hätten Affen seine sehr gute Immunantwort gegen das Virus gezeigt. Allerdings war im Jahr 2021 bereits eine Studie (»Imbokodo«) zu einem ähnlichen HIV-Impfstoff gestoppt worden, das habe auch die Erwartungen in die »Mosaico«-Studie gedämpft.

Vektorbasierter Impfstoff

Der Impfstoff, dessen Studie nun beendet wird, ist ein sogenannter vektorbasierter Impfstoff. Dabei wird ein abgeschwächtes Erkältungsvirus so verändert, dass es einen Bauplan für das Virus in Zellen einschleusen kann, damit das Immunsystem Antikörper gegen HIV produziert. Zusätzlich wird das Immunsystem noch durch das Oberflächenprotein des HI-Virus angeregt. Insgesamt sind vier Impfdosen notwendig.

Der Kampf gegen die Immunschwächekrankheit Aids ist global gesehen eine der größten medizinischen Herausforderungen. Zuletzt steckten sich rund 1,5 Millionen Menschen pro Jahr mit HIV an. Wenn eine Infektion nicht behandelt wird, schwächt das Virus das Immunsystem so stark, dass lebensgefährliche Krankheiten auftreten. Man spricht dann von Aids (Erworbenes Immunschwäche-Syndrom).

Zwar gibt es für Menschen mit erhöhtem Infektionsrisiko mittlerweile Medikamente, die vor einer Ansteckung schützen (PrEP). Dabei wird eine tägliche Einnahme empfohlen. Zudem gibt es Arzneimittel, die bei infizierten Menschen die Vermehrung des Virus hemmen, so dass die Krankheit Aids nicht ausbricht.

Einen Impfstoff gibt es bislang aber noch nicht, denn das Virus stellt Forscher vor besondere Herausforderungen. So komme das HI-Virus in vielen verschiedenen Varianten vor und verändere sich vergleichsweise schnell, erklärte Streeck. Das macht es schwer, einen Impfstoff zu entwickeln, der auf breiter Front schützt. Außerdem habe das Virus eine besondere Oberfläche, an die - durch den Impfstoff angeregte - Immunstoffe vergleichsweise schwer angreifen können.

Eine weitere Herausforderung sei, dass ein Impfstoff dazu führen müsste, dass man eine komplett schützende, also sterile, Immunität erzeugen muss. Eine kurzfristige oder leichte Infektion trotz Impfung ist hierbei nicht möglich, da das Virus direkt das Immunsystem angreift.

© dpa-infocom, dpa:230119-99-278840/2