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Wie die Generation Z die Arbeitswelt verändert

Mit der sogenannten Generation Z kommt gerade eine Gruppe mit viel Macht auf den Arbeitsmarkt. Unternehmen müssen sich umstellen - aber wie?

Programmierer bei der Arbeit
In Zeiten des Fachkräftemangels ist die junge Generation jedenfalls mächtig, und entsprechend müssen sich die Unternehmen auf ihre Bedürfnisse einstellen. Foto: Sebastian Gollnow/DPA
In Zeiten des Fachkräftemangels ist die junge Generation jedenfalls mächtig, und entsprechend müssen sich die Unternehmen auf ihre Bedürfnisse einstellen.
Foto: Sebastian Gollnow/DPA

Es gibt viele Studien, Umfragen und Meinungen über die sogenannte Generation Z. Zu ihr werden meistens ungefähr die Geburtenjahrgänge zwischen 1995 und 2010 gezählt. Es handelt sich also um jene unter 30 Jahre alten Menschen, die gerade auf den Arbeitsmarkt kommen, während sich die Babyboomer verabschieden.

Häufig wird die »GenZ« als weniger loyal zu ihrem Arbeitgeber beschrieben. Laut einer jüngst veröffentlichten YouGov-Umfrage im Auftrag des Autozulieferers Continental etwa konnten sich 78 Prozent der Jüngeren (16 bis 24 Jahre) vorstellen, für eine bessere Bezahlung zu einem neuen Arbeitgeber zu gehen. Mit zunehmendem Alter nimmt dieser Wert ab.

In Zeiten des Fachkräftemangels ist die junge Generation jedenfalls mächtig, und entsprechend müssen sich die Unternehmen auf ihre Bedürfnisse einstellen. Eine Unternehmensberaterin, ein Dax-Konzern und ein Familienunternehmen geben einen Einblick, wie die Generation Z aus ihrer Sicht die Arbeitswelt verändert.

Die Unternehmensberaterin

»Ich tue mich schwer damit, alle jungen Menschen in eine Schublade zu stecken«, sagt Eda Wolff, Expertin für Personal- und Veränderungsthemen bei der Stuttgarter Unternehmensberatung Horváth. Was sie aber schon beobachte: Die Generation Z wolle sofort belohnt werden. »Sie machen etwas und möchten dazu direkt Feedback bekommen. Oder sie leisten etwas und wollen direkt ein höheres Gehalt oder eine Beförderung - und nicht nur einen Obstkorb oder eine Sportkarte.«

Der Fachkräftemangel sorge dafür, dass man als Arbeitnehmer höhere Ansprüche stellen dürfe. »Es wäre unklug, wenn man das dann nicht auch ausnutzen würde.« Als Arbeitgeber müsse man sich aber irgendwann fragen, inwieweit man das stemmen könne.

Zu Teams mit Babyboomern und der Generation Z sagt Wolff: »In dieser Konstellation sind Konflikte vorprogrammiert.« Einer der Hauptkonflikte resultiere aus fehlender Wertschätzung und Anerkennung. Die Unternehmen sollten einen sicheren Raum für die jeweiligen Gruppen schaffen und dafür sensibilisieren, dass es diese Konflikte geben könne, rät Wolff. Dann können sie demnach Aufgaben und Fragen stellen, die den Personen helfen, sich in die Lage der anderen hineinzuversetzen. Das schaffe die Basis für eine generationenübergreifende Zusammenarbeit.

Die Beraterin warnt: »Wenn Unternehmen das Thema nicht nachhaltig angehen, springt die Generation Z von einem Unternehmen zum anderen.« Jeder wolle, dass man seine Kompetenz anerkenne. Es sei nicht schwer, das als Arbeitgeber zu sehen. Trotzdem schafften es viele Unternehmen nicht gut. »Das ist etwas, was ich mit einer externen Sicht manchmal echt ein bisschen erschreckend finde«, sagt Wolff.

Der Dax-Konzern

Fragt man beim Dax-Konzern Mercedes-Benz, hört man nichts Schlechtes über die Generation Z. Unter ihnen seien viele Leistungsträger, die sehr gut und international ausgebildet seien, sagt Arbeitsdirektorin Sabine Kohleisen. Viele hätten noch stärker als andere den Anspruch, etwas zu gestalten. »Die Generation Z ist sich ihres Wertes bewusst und geht sehr transparent mit den eigenen Bedürfnissen und Vorstellungen um.« Die junge Generation bringe Schwung ins Unternehmen, und man könne sehr viel von ihr lernen.

Die Anforderungen an Mercedes-Benz als Arbeitgeber seien individueller geworden. Das gelte nicht nur, aber gerade für die Generation Z. »Die einen wollen viel Flexibilität, die anderen Sicherheit, ein Teil legt wiederum besonderen Wert auf die Entwicklungsmöglichkeiten«, sagt Kohleisen.

Das Familienunternehmen

Beim Reinigungs- und Gartengerätehersteller Kärcher aus Winnenden in Baden-Württemberg vernimmt man zumindest leise auch kritische Töne. »Wir stellen bei dieser Generation weniger Verbindlichkeit fest, sie sind zum Beispiel wechselbereiter, wenn ihnen etwas an ihrer Aufgabe nicht zu 100 Prozent gefällt«, sagt eine Sprecherin. Vor einigen Jahren wäre es noch höchst ungewöhnlich gewesen, den Ausbildungsplatz zu wechseln. Heute erhalte Kärcher Bewerbungen junger Menschen, die sich mitten in der Ausbildung befänden.

»Lockerer und unverbindlicher scheinen auch die Umgangsformen geworden zu sein - vor allem bei der Rechtschreibung und Ansprache von Kolleginnen und Kollegen vermissen wir einige Grundfertigkeiten, auf die wir plötzlich wieder hinweisen müssen«, heißt es von Kärcher. Neu sei auch, dass sich Eltern bei Bewerbungen ins Auswahlverfahren einbrächten, etwa indem sie vor dem Raum warteten oder direkt in der Personalabteilung anriefen. »Hier würden wir uns wünschen, dass sie ihren Kindern die direkte Kommunikation mit uns nicht abnehmen, sondern sie vielmehr in die Selbstständigkeit begleiten.«

Die Generation Z sei überwiegend sehr gut ausgebildet und trete dementsprechend selbstbewusst auf dem Bewerbermarkt auf. Sie frage aktiv und selbstbewusst, welche Vorteile Kärcher ihnen biete. »Sie bevorzugt Team- und Projektarbeit, scheint aber weniger nach Führungsverantwortung zu streben als die Generationen vor ihr.«

Gleichzeitig nehme das Unternehmen wieder einen großen Wunsch nach Struktur und Sicherheit wahr. Und: »Wir haben den Eindruck, dass Arbeit das Leben der sogenannten Generation Z nicht mehr definieren, sondern bereichern soll - sie soll Spaß machen und gleichzeitig sinnstiftend sein.«

© dpa-infocom, dpa:231019-99-618559/3