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Virgin Orbit stellt Insolvenzantrag in den USA

Im Weltraum-Wettlauf der Milliardäre wollte der Brite Richard Branson mit einer ungewöhnlichen Idee punkten: Satellitenstarts von einem Jumbo-Jet aus. Doch nun ging Virgin Orbit das Geld aus.

Raumfahrtfirma Virgin Orbit
Eine modifizierte Boeing 747 der Firma »Virgin Orbit« des britischen Unternehmers Branson mit einer Rakete unter einer Tragfläche. Foto: Gene Blevins
Eine modifizierte Boeing 747 der Firma »Virgin Orbit« des britischen Unternehmers Branson mit einer Rakete unter einer Tragfläche.
Foto: Gene Blevins

Die auf Satellitenstarts spezialisierte Raumfahrtfirma Virgin Orbit des britischen Milliardärs Richard Branson ist pleite und soll verkauft werden. Das Unternehmen beantragte am Dienstag ein US-Insolvenzverfahren mit Schutz vor Forderungen der Gläubiger.

Virgin Orbit kämpfte schon länger mit Verlusten, ein gescheiterter Satellitenstart Anfang des Jahres brachte das Geschäft praktisch zum Erliegen. Das Besondere an Virgin Orbit ist, dass die Raketen von einer umgerüsteten Boeing 747 aus gestartet werden.

Die Firma wurde 2017 aus Bransons anderem Raumfahrtunternehmen Virgin Galactic ausgekoppelt, das unter anderem touristische Flüge ins All anbieten will. Seit 2021 ist Virgin Orbit an der Börse notiert, die Aktie steckt schon seit Monaten tief im Kurskeller.

Nicht nur ein Problem, sondern viele

Die Probleme waren zuletzt unübersehbar. Mitte März kündigte Virgin Orbit an, den Betrieb vorerst zu pausieren. Vergangene Woche wurde die Mitarbeiterzahl drastisch reduziert, nachdem kein frisches Geld besorgt werden konnte. Mit 675 Beschäftigten sollten rund 85 Prozent der Belegschaft ihre Jobs verlieren.

Und nur wenige Stunden vor dem Insolvenzantrag räumte Virgin Orbit ein, dass der Jahresbericht für 2022 nicht fristgerecht fertig wird. Man rechne für das vergangene Jahr nach vorläufigen Zahlen mit einem Verlust von gut 191 Millionen Dollar (knapp 175 Mio Euro) bei rund 33 Millionen Dollar Umsatz, hieß es. Die Geldreserven waren bis Ende 2022 auf etwas mehr als 50 Millionen Dollar geschrumpft.

Ein Verfahren mit Gläubigerschutz nach Kapitel 11 des US-Insolvenzrechts werde nun als bester Weg für einen Verkauf gesehen, hieß es am Dienstag. Firmenchef Dan Hart verwies darauf, dass man bei vier Starts erfolgreich 33 Satelliten in die Umlaufbahn gebracht habe. Während des Verkaufsversuchs sollen 31,6 Millionen Dollar von Bransons Virgin Investments die Firma über Wasser halten.

Interessenten gesucht

Die Hoffnung ist, dass sich jemand für die Technologie zum Start von Trägerraketen vom Flugzeug aus interessiert. Ein Vorteil soll mehr Flexibilität sein, da man dafür nicht auf Startrampen am Boden angewiesen ist. Branson setzte auf eine hohe Nachfrage unter anderem mit dem Start Tausender Satelliten für Internet aus dem All.

Virgin Orbit wollte im Januar zum ersten Mal einen Satelliten von Großbritannien aus in die Umlaufbahn zu bringen. Die Rakete startete ohne Probleme vom Flugzeug, versagte aber auf dem Weg ins All. Laut der nachfolgenden Untersuchung löste ein Treibstoff-Filter in der zweiten Raketenstufe den Absturz aus. Er habe sich verschoben und die Treibstoff-Zufuhr zum Triebwerk gedrosselt, hieß es.

Die Weltraum-Industrie ist in den vergangenen Jahren verstärkt zu einer Spielwiese für Milliardäre geworden - und Branson war ein Pionier. Der 72-Jährige, der einst als Musikunternehmer und Airline-Besitzer bekannt wurde, gründete Virgin Galactic bereits 2004. Ein direkter Konkurrent ist die Firma Blue Origin von Amazon-Gründer Jeff Bezos, die auch Touristen-Flüge ins All anbietet. Tesla-Chef Elon Musk ist erfolgreich mit seiner Raumfahrt-Firma SpaceX, die unter anderem für die Nasa aktiv ist.

© dpa-infocom, dpa:230404-99-204244/2