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Urlaub trotz Krise: Hoffnungen und Hygienekonzepte

Ist der Sommerurlaub noch zu retten? In dieser Woche will die EU-Kommission Leitlinien für die schwer getroffene Tourismusbranche vorlegen. Schon jetzt laufen europaweit etliche Bemühungen.

Mallorca
Mallorca: Eine Bar am Meer ist weiterhin geschlossen. Foto: Clara Margais/dpa
Mallorca: Eine Bar am Meer ist weiterhin geschlossen. Foto: Clara Margais/dpa

BRÜSSEL. Der Sommerurlaub steht für viele Menschen kurz vor der Tür - wäre da nicht die Corona-Krise.

Wie der Urlaub trotz Pandemie aussehen könnte, darüber wird derzeit europaweit diskutiert: Thomas Bareiß, Tourismusbeauftragter der Bundesregierung, lotet mit einigen EU-Staaten Möglichkeiten aus, in Südtirol bereiten sich die Hotels auf deutsche Touristen vor.

Nach Angaben aus Rom schließt Bareiß Abkommen mit einzelnen Ländern über Touristenkorridore aber aus. Statt bilateraler Abkommen sei eine gemeinsame europäische Lösung notwendig, habe der deutsche Politiker in einem Gespräch mit dem italienischen Ressortchef Dario Franceschini betont, teilte das Ministerium für Kultur und Tourismus am Montag in Rom mit.

Auch in Brüssel werden Pläne geschmiedet, wie europäischer Urlaub in dem Pandemie gelingen kann. Die EU-Kommission will an diesem Mittwoch Empfehlungen für die schwer von der Pandemie getroffene Tourismusbranche vorlegen.

Die Sozialdemokraten im Europaparlament legen schon vorher einen Vorschlag zur Rettung des Sommerurlaubs vor: ein EU-weit einheitliches Hygienezertifikat für Hotels und Resorts. »Menschen, die bereit sind, in den Urlaub zu fahren, werden nach einer Orientierung schauen, wie das Infektionsrisiko minimiert werden kann«, heißt es in einem Positionspapier des SPD-Europapolitikers Ismael Ertug, das der Deutschen Presse-Agentur vorliegt.

»Wenn wir in den Urlaub fliegen oder fahren, wollen wir sicher sein, dass das gebuchte Hotel Maßnahmen zum Schutz vor Infektion getroffen hat«, sagte der Vize-Fraktionschef. »Solche gemeinsamen Schutzstandards sollten durch ein Europäisches Tourismuszertifikat sichtbar sein.« Dies trage zudem dazu bei, dass verantwortungsvolle Anbieter nicht durch unseriöse Hotels aus dem Markt gedrängt würden. Ein solche Zertifikat solle europaweite Hygienestandards festlegen und von staatlichen Behörden oder Prüforganisationen wie dem Tüv oder der Dekra ausgestellt werden können, heißt es in dem Papier.

Zustimmung zu dem Vorschlag kam vom Deutschen Reiseverband (DRV). »Ziel aller Überlegungen - europäisch wie national - muss es sein, zeitnah einen sicheren Weg zur Urlaubsreise zu ebnen - in Deutschland, Europa und der Welt«, sagte DRV-Präsident Norbert Fiebig dem »Handelsblatt«. Dazu bedürfe es europäischer wie nationaler Initiativen.

Die Hotels sollen nach dem Vorschlag auf etliche Aspekte geprüft werden: Ertug nennt unter anderem ausreichende Möglichkeiten zur Desinfektion und Reinigung, das Einhalten von physischer Distanz, das Fiebermessen neuer Gäste, mehrsprachige Informationen etwa per App sowie Lebensmittelhygiene während der Mahlzeiten. Buffets könne es zwar geben, aber die Ausgabe der Speisen dürfe nur durch das Personal erfolgen. Um Personal für zusätzliche Aufgaben zu gewinnen, sollten andere Tätigkeiten weiter automatisiert werden - etwa das Geschirrwaschen oder die Müllentsorgung.

Zudem dringen die Sozialdemokraten im EU-Parlament auf einen europäischen Reisegarantiefonds. Dieser solle Gutscheine, die für ausgefallene Flüge und Pauschalreisen ausgestellt werden, gegen die Insolvenz der Unternehmen absichern. Nach EU-Recht müssen Pauschalreisen und Flugtickets eigentlich zeitnah erstattet werden. Ein solche Fonds könnte die Gutscheinlösung für Verbraucher attraktiver machen und die Liquidität von Firmen sichern.

Auf die Idee eines europäischen Fonds ging EU-Verkehrskommissarin Adina Valean am Montag bei einer Befragung im Umweltausschuss des EU-Parlaments nicht ein, sondern bekräftigte ihre Position: Passagiere sollen das Recht auf Erstattung haben, wenn sie keinen Gutschein möchten. Die EU-Staaten könnten aber Gutscheine für Verbraucher attraktiver machen.

Für den Fall, dass die EU-Staaten sich nicht auf einheitliche Reise-Regeln einigen können, hat Griechenland nach Regierungsangaben Kontakte mit Israel, Zypern, Österreich, Australien, Bulgarien und anderen Staaten aufgenommen. Ziel ist es, auf bilateraler Ebene Regeln für Reisen auszuhandeln, damit der Fremdenverkehr wieder starten kann. »Die freie Bewegung ist eine der Grundlagen der EU und kann nicht länger ignoriert werden«, sagte Regierungssprecher Stelios Petsas in Athen. Griechenland befürchtet katastrophale Folgen für die überaus wichtige Tourismusindustrie.

Auch die Reiseveranstalter werden aktiv: Tui hat ebenfalls einen Plan für die Wiederaufnahme des Hotelbetriebs entwickelt - von der Buchung im Reisebüro bis zur Exkursion am Urlaubsort. Befragungen der Kunden wiesen klar darauf hin, »dass Sicherheit und Hygiene in Zeiten nach dem Lockdown an allererster Stelle stehen«, teilte der Konzern mit.

Der Landeshauptmann von Südtirol, Arno Kompatscher, rechnet damit, dass deutsche Touristen vom Sommer an wieder in die italienische Provinz reisen können. Im Bayerischen Rundfunk sagte er, er hoffe, dass die Reisefreiheit von Juni an und spätestens im Juli zumindest teilweise wieder hergestellt sei. »Die Hotels bereiten sich vor.«

Den Hotels, die coronabedingt nicht alle Urlauber aufnehmen können, empfahl der Toruismusbeauftragte Bareiß, Frühbucher und Stammgäste bevorzugt zu behandeln. »Vor Ort muss geschaut werden, welche Gäste wirklich längerfristig gebucht haben«, sagte Bareiß im RTL/ntv-»Frühstart«. Bislang seien die Hotels aber nur zu 70 oder 80 Prozent ausgebucht.

Bareiß sagte mit Blick auf Gespräche mit den Tourismusministern Griechenlands und Italiens, gemeinsam entwickele man Reise- und Sicherheitskonzepte. Auch er hoffe auf eine schrittweise Grenzöffnung, »sodass wir dann im Sommer Urlaub machen - nicht nur in Deutschland, sondern dass Urlaub auch in Europa möglich ist«. (dpa)