Logo
Aktuell Wirtschaft

Städtetag warnt vor Preissteigerungen bei Bussen und Bahnen

Die Pandemie hat den Betreibern des Öffentlichen Personennahverkehrs in Deutschland große Finanzierungslücken eingebrockt. Der Städtetag befürchtet höhere Preise - und nimmt den Bund in die Pflicht.

ÖPNV
Der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen warnt vor einer Kürzung von Leistungen im Nahverkehr, wenn es keine weiteren staatlichen Hilfen gibt. Foto: Paul Zinken/dpa-Zentralbild/dpa
Der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen warnt vor einer Kürzung von Leistungen im Nahverkehr, wenn es keine weiteren staatlichen Hilfen gibt. Foto: Paul Zinken/dpa-Zentralbild/dpa

BERLIN. Städtetagspräsident Burkhard Jung hat vor Preissteigerungen bei Bussen und Bahnen gewarnt. Ohne mehr Bundesmittel sei ein Ausbau des öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) nicht zu finanzieren, sagte der Leipziger Oberbürgermeister und SPD-Politiker.

Bei einem von der Gewerkschaft Verdi organisierten digitalen »ÖPNV-Gipfel« machte Jung deutlich, dass ohne mehr Bundesmittel der Betrieb des ÖPNV sowie der Ausbau nicht ohne Kostensteigerungen finanzierbar wären. Der Nahverkehr sei aber eine zentrale Säule der Mobilitätswende - also dem Umstieg vom Auto auf klimafreundlichere Busse und Bahnen. Man rede über »über Milliarden«, um neue Strecken eröffnen und ländliche Räume besser anbinden zu können.

Auch Nordrhein-Westfalens Verkehrsminister Hendrik Wüst (CDU) forderte vom Bund mehr Geld für den öffentlichen Nahverkehr. Wüst sagte in einer Videobotschaft, Deutschland müsse wieder »Bahnland« werden. Auf dem Weg zu diesem Ziel seien in der kommenden Legislaturperiode jährlich 2 Milliarden Euro mehr für einen bedarfsgerechten ÖPNV notwendig. Dies sei gut investiertes Geld, um beim Klimaschutz einen entscheidenden Schritt voranzukommen.

Verdi-Bundesvorständin Christine Behle sagte, der ÖPNV müsse ausreichend finanziert werden, dies sei bisher nicht der Fall. Behle hatte bereits acht Milliarden Euro jährlich bis 2030 zusätzlich zu den bisherigen Mitteln gefordert.

Antje von Broock, Geschäftsführerin des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland, erklärte, guter ÖPNV dürfe nicht von der Kassenlage der Kommunen und Landkreise abhängen. Es müssten deshalb Bundesmittel aus dem »ohnehin überdimensionierten Fernstraßenbau« in ein deutschlandweites ÖPNV-Finanzierungsprogramm umgewidmet werden.

In der Corona-Krise hatte es hohe Einnahmeverluste im Nahverkehr gegeben, weil die Fahrgastzahlen stark zurückgegangen waren. Für einen ÖPNV-Rettungsschirm hatte der Bund im vergangenen Jahr 2,5 Milliarden Euro zusätzlich für den Nahverkehr bereitgestellt - über die jährlichen Regionalisierungsmittel hinaus, die in diesem Jahr auf rund 9 Milliarden Euro steigen. Damit können Länder und Verkehrsverbünde Verkehrsangebote bestellen. Die Länder hatten angekündigt, für den Rettungsschirm weitere 2,5 Milliarden Euro aus eigenen Mitteln zu tragen.

Aktuell wird in der Politik über Corona-Hilfen für den ÖPNV auch 2021 diskutiert. In der schwarz-roten Koalition wird über die Frage gesprochen, ob ein neuer ÖPNV-Rettungsschirm mit zusätzlich einer Milliarde Euro des Bundes an Bedingungen geknüpft wird. (dpa)