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Inflation auf dem Rückzug - Lebensmittel aber erneut teurer

Die Teuerungsrate in Deutschland sinkt auf den niedrigsten Wert seit 18 Monaten. Deutlich gestiegene Nahrungsmittelpreise machen den Menschen allerdings weiterhin zu schaffen.

Preissteigerungen
Die Inflationsrate ist gesunken, die Lebensmittelpreise bleiben weiter hoch. Foto: Julian Stratenschulte/DPA
Die Inflationsrate ist gesunken, die Lebensmittelpreise bleiben weiter hoch.
Foto: Julian Stratenschulte/DPA

Die Inflation bleibt trotz eines deutlichen Rückgangs im September für die Menschen in Deutschland weiter eine Belastung. Die Verbraucherpreise lagen nach Angaben des Statistischen Bundesamtes im September um 4,5 Prozent über dem Niveau des Vorjahresmonats. Die Behörde bestätigte am Mittwoch eine erste Schätzung.

»Die Inflationsrate ist auf den niedrigsten Wert seit dem Kriegsbeginn in der Ukraine gefallen. Sie bleibt aber dennoch hoch«, sagte die Behörden-Präsidentin Ruth Brand. Im August lag die Teuerungsrate noch bei 6,1 Prozent.

Volkswirte rechnen mit einer weiteren Abschwächung bis zum Jahresende. Allerdings belasten weiterhin überdurchschnittlich stark gestiegene Nahrungsmittelpreise Verbraucherinnen und Verbraucher.

Eine Vier vor dem Komma bei der Jahresteuerungsrate gab es zuletzt im Februar vergangenen Jahres mit damals 4,3 Prozent. Nach Beginn des Ukraine-Krieges waren die Energiepreise rasant gestiegen und hatten die Inflation insgesamt angeschoben.

Entspannung bei Energiepreisen

Inzwischen haben sich die Energiepreise entspannt. Sie stiegen im September gegenüber dem Vorjahresmonat um 1,0 Prozent. Erdgas (minus 5,3 Prozent) und Sprit (minus 6,0 Prozent) wurden billiger. Leichtes Heizöl kostete sogar 26,0 Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Strom verteuerte sich hingegen um 11,1 Prozent.

Deutlich mehr als ein Jahr zuvor mussten die Menschen auch September für Nahrungsmittel zahlen, die sich um 7,5 Prozent verteuerten. Allerdings schwächte sich der Preisauftrieb nach 9 Prozent im August und 11 Prozent im Juli ab. Im September waren vor allem Zucker, Marmelade, Honig und andere Süßwaren (plus 15,3 Prozent) sowie Brot (plus 12,0 Prozent) deutlich teurer als im Vorjahresmonat.

Deutlich gestiegene Preise sind eine Belastung für Verbraucher. Die Menschen können sich für ihr Geld weniger leisten. Etwa jeder sechste Deutsche kann nach eigenen Angaben wegen der hohen Teuerung kaum seine Lebenshaltungskosten bezahlen. 17,2 Prozent von 2059 Befragten wählten in einer YouGov-Umfrage für die Postbank diese Antwortmöglichkeit auf die Frage, wie sie die Preissteigerungen wahrnehmen.

Weitere Abschwächung der Teuerung erwartet

Zum Vormonat August stiegen die Verbraucherpreise im September um 0,3 Prozent. Bis zum Jahresende dürfte sich die Teuerung Ökonomen zufolge weiter abschwächen. Führende Forschungsinstitute rechnen damit, dass Inflationsrate im kommenden Jahr auf 2,6 Prozent zurückgeht nach erwarteten 6,1 Prozent im Schnitt des laufenden Jahres.

Die Europäische Zentralbank (EZB) stemmt sich bislang mit zehn Zinserhöhungen in Folge gegen die erhöhte Inflation im Euroraum und in Deutschland. Höhere Zinsen verteuern Kredite, was die Nachfrage bremsen und hohen Teuerungsraten entgegenwirken kann. Die Währungshüter sehen ihr Ziel stabiler Preise bei einer Inflation von mittelfristig 2,0 Prozent im Euroraum erreicht.

Verbraucherzentralen fordern »Preisgipfel«

Im September des laufenden Jahres lag der sogenannte Harmonisierte Verbraucherpreisindex (HVPI), den die EZB für ihre Geldpolitik heranzieht, in Europas größter Volkswirtschaft Deutschland bei 4,3 Prozent.

Die Verbraucherzentralen fordern unterdessen Aufklärung über die anhaltend höheren Preissteigerungen für Lebensmittel im Supermarkt. Die Entwicklung habe sich von der allgemeinen Inflation und auch von den Energiepreisen entkoppelt, sagte die Chefin des Bundesverbands (vzbv), Ramona Pop, in Berlin. »Die Preisbildung ist maximal intransparent.« Kundinnen und Kunden hätten seit Monaten mit stark steigenden Preisen zu kämpfen und fühlten sich mit ständigen Erhöhungen im Stich gelassen. Die Bundesregierung müsse handeln und einen »Preisgipfel« mit allen wichtigen Akteuren einberufen.

© dpa-infocom, dpa:231011-99-522043/4