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Immobiliengruppe Project mit Milliardenplänen pleite

Die Immobilienbranche ist innerhalb weniger Monate in eine tiefe Krise gerutscht. Insolvenzen sind schlechte Nachrichten für Käufer, Investoren und Baufirmen gleichermaßen.

Baukräne
Die steigenden Baukosten bringen viele Immobilienfirmen in Bedrängnis. In Nürnberg haben drei Gesellschaften der Project-Gruppe Insolvenz angemeldet. Foto: Marcus Brandt/DPA
Die steigenden Baukosten bringen viele Immobilienfirmen in Bedrängnis. In Nürnberg haben drei Gesellschaften der Project-Gruppe Insolvenz angemeldet.
Foto: Marcus Brandt/DPA

Der Nürnberger Immobilienentwickler Project hat mit bundesweit geplanten Vorhaben in Milliardenhöhe Insolvenz angemeldet. Bislang Insolvenz beantragt haben drei der vier Gesellschaften der Project Immobilien-Gruppe, teilten die Insolvenzverwalter der Nürnberger Kanzlei Schultze & Braun mit. Die Holding Project Real Estate AG wird demnach »kurzfristig« folgen. Den Geschäftsbetrieb wollen die Juristen fortsetzen. Dabei wollen sie die Möglichkeiten einer Sanierung ebenso wie die Fortsetzung der Bauprojekte prüfen.

Laut Webseite der Project-Immobiliengruppe waren Ende Juni bundesweit 120 Vorhaben mit einem Investitionsvolumen von 3,2 Milliarden Euro im Bau oder in Planung. Nach Angaben der Insolvenzverwalter betreut Project deutschlandweit rund 60 Projekte.

Neben den Immobiliengesellschaften steht eine zweite Firmengruppe, die nicht insolvent ist. Die Project Investment als zweiter Arm des Firmengeflechts sammelte mit der Auflage von Fonds die Investorengelder für die Bauprojekte am Kapitalmarkt ein. Laut Firmenwebseite sind das mehrere Dutzend Fonds mit einem Volumen von 1,4 Milliarden Euro, gezeichnet von über 32 000 Anlegern.

Aus den Angaben auf der Webseite geht auch hervor, dass der Project-Firmenverbund in den vergangenen zehn Jahren rasant expandierte: 2013 waren es demnach 9300 Anleger und 286 Millionen Euro Kapital.

Gestiegene Baukosten

»Ein wichtiger Grund für die Insolvenz sind die enorm gestiegenen Baukosten infolge des Ukrainekrieges. Dabei war es nicht möglich, diese Kostensteigerungen an die Kunden weiterzugeben«, heißt es in der Mitteilung der Insolvenzverwalter vom Freitag. Schwerpunkt der Project-Gruppe sind die Ballungszentren Berlin, München, Hamburg, das Rhein-Main-Gebiet, das Rheinland und Nürnberg.

Der rasche Anstieg der Immobilienzinsen in Kombination mit dem Anstieg der Baupreise hat in den vergangenen Monaten bereits mehrere Insolvenzen in der Branche nach sich gezogen.

Bundesweit mehren sich Meldungen, dass Bauträger fertige Eigentumswohnungen und Häuser nicht oder erst nach Monaten verkaufen können, weil die erhofften Käufer die Preise nicht bezahlen wollen oder können. Geraten Immobilienentwickler in finanzielle Schwierigkeiten, treffen die Folgeschäden nicht nur Investoren und Käufer. Häufig bleiben die beauftragten Baufirmen auf Rechnungen sitzen.

Die Project-Gruppe warb bislang damit, dass sie »bei allen Bauvorhaben ausschließlich aus Eigenkapital« schöpfe. »Unsere Kunden und Anleger genießen dabei größtmögliche Sicherheit und Verlässlichkeit«, hieß es noch am Samstag auf der Webseite.

© dpa-infocom, dpa:230813-99-822367/2