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GDV: Deutschland nicht ausreichend auf Blackout vorbereitet

Obwohl der Großteil der deutschen Atomkraftwerke bereits abgeschaltet wurde, ist das deutsche Stromnetz bislang stabil. Doch das könnte sich ändern, fürchten Versicherungen und Katastrophenschützer.

Stromausfall
Es wird befürchtet, dass die Stabilität des Stromnetzes in Deutschland unter der Energiewende leiden könnten. Foto: Sebastian Kahnert/dpa-Zentralbild/dpa
Es wird befürchtet, dass die Stabilität des Stromnetzes in Deutschland unter der Energiewende leiden könnten. Foto: Sebastian Kahnert/dpa-Zentralbild/dpa

Berlin (dpa) - In Deutschland mangelt es nach Einschätzung des Versicherungsverbands GDV an Vorsorge für längere Stromausfälle mit potenziell katastrophalen Folgen.

»Leider sind wir in Deutschland auf die Folgen eines flächendeckenden Stromausfalls nicht ausreichend vorbereitet«, sagte GDV-Hauptgeschäftsführer Jörg Asmussen.

Für einen auf der GDV-Webseite erschienenen Beitrag hat der Verband mehrere Katastrophenschützer und Krisenmanager befragt. Albrecht Broemme, der frühere Präsident des Technischen Hilfswerks, hält demnach Hackerangriffe für die größte Gefahr. Auch Terroranschläge oder Extremwettereignisse könnten an neuralgischen Punkten die Netzstabilität in ganz Europa gefährden. »Die Sensibilität für die Folgen eines Blackouts ist in keiner gesellschaftlichen Gruppe vorhanden«, wird Broemme vom GDV zitiert. »Auf einen Blackout ist Deutschland überhaupt nicht vorbereitet.«

Blackout ist ein großes Risiko

Ein Blackout gehöre aktuell »zu den größten Risiken für unser Land«, zitiert der GDV auch Wolfram Geier, Abteilungsleiter für Risikomanagement und Internationale Angelegenheiten im Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK).

Im Hintergrund stehen die Befürchtungen, dass die Stabilität des Stromnetzes in Deutschland und Nachbarländer unter der Energiewende leiden könnten. Ende diesen Jahres sollen die letzten Atomkraftwerke abgeschaltet werden. Gravierende Stromausfälle hat es in Deutschland bislang nicht gegeben, aber die Zahl der Eingriffe der Netzbetreiber zur Stabilisierung des Stromnetzes ist deutlich höher als vor Beginn der Energiewende.

Auch das Basler Prognos-Institut hatte kürzlich im jährlichen Energiewende-Monitoring für die Vereinigung der bayerischen Wirtschaft (vbw) gewarnt, dass die Versorgungssicherheit im Laufe der nächsten Jahre leiden könnte. Denn die Stromerzeugung in Deutschland ist mit steigendem Anteil wetterabhängiger Sonnen- und Windenergie weniger planbar, gleichzeitig steigt aber der Stromverbrauch. Dies gilt insbesondere für Süddeutschland, wo der Strombedarf wegen der vielen Industrieunternehmen besonders hoch ist.

"Manche Folgen eines Stromausfalls lassen sich mithilfe einer Versicherung auffangen, aber nicht alle", warnte GDV-Hauptgeschäftsführer Asmussen. Ebenso wie bei der Corona-Pandemie wären die Schäden katastrophaler Blackouts nach GDV-Einschätzung zu hoch, als dass die Versicherungsbranche diese allein auffangen könnte. "Versicherbar sind vor allem Sachschäden wie verdorbene
Ware oder die Folgen von Wassereinbrüchen oder Bränden", sagte Asmussen. "Mit einer Betriebsunterbrechungsversicherung können Betriebe Verluste finanziell abmildern." Zudem gebe es diverse Spezialversicherungen, etwa für das Kühlgut von Apotheken.

© dpa-infocom, dpa:220216-99-146977/2