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Oktoberfest startet nass - Hoffen auf besseres Wetter

Der Regen strömt, das Bier auch: Nach zwei Jahren Corona-Entzug hat das Oktoberfest begonnen. Die Bierfreunde stürmen die Zelte - Corona hin oder her.

Oktoberfest - Umzug
Eine Trachtengruppe geht nach dem traditionellen Trachten- und Schützenzug mit Regenschirmen über das Oktoberfestgelände. Foto: Sven Hoppe
Eine Trachtengruppe geht nach dem traditionellen Trachten- und Schützenzug mit Regenschirmen über das Oktoberfestgelände.
Foto: Sven Hoppe

Nach zwei Jahren coronabedingter Zwangspause hat in München das Oktoberfest begonnen - bei nasskaltem Wetter und mit weniger Gästen als bei der letzten Wiesn vor der Pandemie. Rund 700.000 Gäste kamen nach Schätzung der Festleitung am ersten Wochenende auf das Fest. 2019 hatte die Besucherzahl bei rund einer Million gelegen. Ein wesentlicher Grund für den verhaltenen Besuch vor allem am Sonntag dürfte das Wetter gewesen sein.

Wiesn-Chef Clemens Baumgärtner (CSU) sagte am Sonntag, er freue sich über einen gemütlichen Auftakt, aber: »Für die nächsten zwei Wochen wünschen wir uns noch, dass sich Petrus wieder daran erinnert, wie anständiges Wiesn-Wetter ausschaut.« Tausende säumten trotz des Wetters die Straßen, als Trachtler und Schützen in farbenprächtigen Gewändern zum Oktoberfest zogen, darunter Gruppen aus den USA und Kanada.

OB brauchte drei Schläge

Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) und Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) fuhren mit ihren Ehefrauen in Ehrenkutschen mit. Reiter hatte am Vortag das Volksfest eröffnet und mit Söder auf eine friedliche Wiesn angestoßen. Der OB schien allerdings nach der langen Wiesn-Pause ein wenig aus der Übung: Zum Anzapfen des ersten Bierfasses brauchte er drei Schläge - statt wie früher zwei. Er nahm es mit Gelassenheit - so sei wenigstens Luft nach oben.

Reiter, der im April nach reiflicher Abwägung grünes Licht für die Wiesn gegeben hatte, nannte dies nun eine gute Entscheidung. »Alle freuen sich drauf – und das freut einen als Oberbürgermeister einfach am meisten.« Für Söder, der stets für die Wiesn 2022 war, ist das Massenereignis ein »Fest von Freude und Freiheit«.

Auch wenn ohne Auflagen gefeiert wird, ist Corona nicht verschwunden. Die Behörden mahnten Besucher, bei Erkältungssymptomen einen Test zu machen und nicht krank zum Fest zu kommen. Mediziner rechnen nach der Wiesn wie nach anderen Volksfesten mit einer Corona-Welle. OB Reiter sagte kurz vor dem Fest, wichtig sei die Lage in den Kliniken, und dort gebe es keine außergewöhnlichen Belastungen.

Lauterbach ruft zur Vorsicht auf

Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach rief zur Vorsicht auf. Dass das Riesenvolksfest wieder stattfinde, sei aber vertretbar, sagte der SPD-Politiker. »Die Impfbereitschaft, das Verständnis für die Maßnahmen, die Vorsicht der Bevölkerung machen es möglich.«

Unter den Besuchern waren viele junge Leute, fast niemand trug eine Corona-Schutzmaske. Sechs Millionen Besucher kamen vor der Pandemie zu dem Volksfest, das oft als größtes der Welt bezeichnet wird.

Laut Wirtesprecher Christian Schottenhamel strömten ähnlich viele Gäste in die Zelte wie 2019. Die Stimmung sei geradezu euphorisch gewesen und die Menschen glücklich, wieder das Oktoberfest zu feiern - trotz gestiegener Preise: Die Maß Bier kostet 12,60 Euro bis 13,80 Euro, fast 16 Prozent mehr als 2019.

Riesenrad und Geisterbahn beliebt

Draußen zog es bei Nieselregen die Menschen vor allem in überdachte Fahrgeschäfte wie Riesenrad und Geisterbahn. Im Straßenverkauf lief Warmes wie gebrannte Mandeln und Bratwurst. Das Geschäft blieb vor allem am Sonntag verhalten. Rudi Bausch, der unter anderem Alkoholika verkauft, sagte: »Wetterbedingt war das jetzt nicht so der Traumstart, aber abgerechnet wird am 3. Oktober.« Aber: »In erster Linie bin ich mal froh, dass wir überhaupt wieder da sein dürfen.«

Ähnlich viel los wie 2019 war am Samstagabend auf der Wiesn-Sanitätsstation. Die Helfer mussten im Minutentakt ausrücken, wie Sprecher Markus Strobl sagte. Hunderte Patienten mussten versorgt werden, sehr viele wegen überhöhten Alkoholkonsums. Als erste »Bierleiche« war eine junge »volltrunkene« Frau um kurz nach 14 Uhr versorgt worden. Es gab aber auch Kopfverletzungen und Schnittwunden.

Die Polizei verzeichnete einen insgesamt ruhigen Start. Ein Mann wurde wegen eines sexuell motivierten Übergriffs festgenommen, er hatte eine Frau gegen ihren Willen geküsst und angefasst. Ein Wiesn-Besucher wurde mit Drogen ertappt. Ein Mann wurde abgeführt, nachdem der auf der Sanitätswache zwei Helfer am Kopf verletzt hatte. An den Bahnhöfen registrierte die Bundespolizei nur geringfügigere Delikte, etwa Rempeleien bis zur Körperverletzung oder Betrunkene auf den Gleisen.

Protest gegen hohen Fleischkonsum

Bereits am Samstagvormittag hatten Tierschutz-Aktivisten aus Protest gegen den hohen Fleischkonsum auf der Wiesn versucht, den Einzug der Festwirte zu stören. Neben Bier im Überfluss gehört Fleisch zu den Grundnahrungsmitteln auf dem Oktoberfest: 2019 wurden knapp 435 000 Brathähnchen, 125 Ochsen und 30 Kälber verspeist.

Das Fest dauert bis zum 3. Oktober und damit einen Tag länger, da der Tag der Deutschen Einheit auf den Montag nach dem letzten Wiesn-Sonntag fällt.

Infos der Stadt München zum Oktoberfest

© dpa-infocom, dpa:220918-99-803183/8