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Neuer Anlauf für Bayreuther »Ring« - Jubel für »Rheingold«

Die Bayreuther Festspiele zelebrieren von jeher den Werkstattgedanken. Eine Inszenierung gilt dort nie als fertig, Jahr für Jahr wird neu daran gearbeitet. Das bedeutet eine zweite Chance.

Bayreuther Festspiele
Goldfarbene Wagner-Figuren des Konzeptkünstler Ottmar Hörl stehen im Rahmen der Kunstinstallation »You're welcome« vor dem Festspielhaus. Foto: Daniel Karmann/DPA
Goldfarbene Wagner-Figuren des Konzeptkünstler Ottmar Hörl stehen im Rahmen der Kunstinstallation »You're welcome« vor dem Festspielhaus.
Foto: Daniel Karmann/DPA

Der umstrittene Bayreuther »Ring des Nibelungen« nimmt einen neuen Anlauf. Der erste Teil, das »Rheingold« ist am Mittwochabend vom Festspiel-Publikum bejubelt worden. Bei der Wiederaufnahme der Inszenierung von Valentin Schwarz gab es viel Applaus auf dem Grünen Hügel, der vor allem einem hervorragenden Alberich galt.

Der isländische Bariton Olafur Sigurdarson, der sich schon beim Open-Air-Konzert vor dem offiziellen Auftakt der Festspiele als Publikumsliebling erwiesen hatte, begeisterte die Zuschauer mit Gefühl und Stimmgewalt - mehr noch als Mezzosopranistin Okka von der Damerau, die in ihrem zweiten Jahr in Bayreuth als Erda noch besser geworden ist, und als Tomasz Konieczny als Göttervater Wotan.

Im vergangenen Jahr hatte Konieczny sich in der »Walküre« bei dem Zusammenbruch eines Sessels auf der Bühne so schwer verletzt, dass er nicht weitersingen konnte. Im »Rheingold« mied er diesen Sessel.

Höflicher Applaus und einige Buhs

Die »Ring«-Produktion von Regisseur Valentin Schwarz ist sehr umstritten. Bei der Premiere 2022 gab es laute Buh-Konzerte im Festspielhaus und in diesem Jahr waren sogar unmittelbar vor dem Start der Festspiele noch Tickets für die vier Opern zu haben - ein Novum in der Festspielgeschichte.

Dirigiert wird der »Ring« in diesem Jahr von Pietari Inkinen, der 2022 kurzfristig erkrankt ausgefallen war - und sich am Mittwoch hörbar schwertat mit der speziellen Akustik im Festspielhaus. Sänger und Orchester waren nicht immer harmonisch, was dem Dirigenten am Ende neben eher höflichem Applaus sogar einige wenige Buhs einbrachte.

Für das zweite Jahr seiner Inszenierung hat Regisseur Schwarz »zusätzliche Verständnishilfen« angekündigt. »Wir gucken neu drauf, und daraus entstehen viele kleinere Veränderungen«, sagte er im Interview der Deutschen Presse-Agentur.

Was genau er damit meint, zeigte er im »Rheingold« noch nicht, in dem er das Gold, um das sich alles dreht, von einem Kind darstellen lässt. Das Kind entführt Alberich in die Unterwelt und entpuppt sich später als Siegfried-Mörder Hagen.

Schwarz: Generationengerechtigkeit ist wichtiges Thema

Für ihn sei der »Ring« ein Drama des Hier und Jetzt, sagte Schwarz über seine ambitionierte, streckenweise aber auch überfrachtete und etwas unstrukturiert wirkende Produktion, die vor ihrer Premiere auch als »Netflix-Ring« bezeichnet wurde, weil der Regisseur die vierteilige Richard-Wagner-Oper als eine Art Drama-Serie inszeniert und die Figuren mit Hintergrund-Geschichten ausstattet.

Generationengerechtigkeit sei ein wichtiges Thema für ihn, betonte Schwarz - und ein zentrales in seiner Inszenierung. »Diese Frage – welche Welt wir hinterlassen – ist, glaube ich, für viele Menschen unbequem, weil sie eine gehörige Portion Selbstkritik nach sich zieht.«

Im vergangenen Jahr war das »Rheingold« der »Ring«-Teil, der beim Publikum noch vergleichsweise gut ankam, vor allem die »Götterdämmerung« zum Schluss aber fiel bei Zuschauern und vielen Kritikern durch.

Für heute steht dann der zweite Teil, »Walküre«, auf dem Spielplan. Schwarz und sein Regie-Team werden sich erst nach der »Götterdämmerung«, an diesem Montag dem Publikum zeigen.

© dpa-infocom, dpa:230727-99-546413/3