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»Meine Beziehung endet hier« - Meloni verkündet Trennung

Italiens Ministerpräsidentin Meloni und der TV-Talker Giambruno galten als Vorzeigepaar. Zur Überraschung der Nation gibt die Rechtsaußen-Politikerin nun die Trennung bekannt. Spielten sexistische Äußerungen eine Rolle dabei?

Italiens Premierministerin Meloni
Giorgia Meloni spricht bei einer Veranstaltung des italienischen Landwirtschaftsverbands in Rom. Foto: Cecilia Fabiano/DPA
Giorgia Meloni spricht bei einer Veranstaltung des italienischen Landwirtschaftsverbands in Rom.
Foto: Cecilia Fabiano/DPA

An diesem Wochenende ist Giorgia Meloni, die erste Frau an der Spitze einer italienischen Regierung, genau ein Jahr in Amt. Der Moment für eine Zwischenbilanz. Aber ach was, die Politik! Stattdessen redet Italien über Anderes: Mit einer knappen Notiz gab die Rechtsaußenpolitikerin am Freitag die Trennung von Andrea Giambruno bekannt, dem Vater ihrer Tochter. Gleich der erste Satz war ein Wirkungstreffer: »Meine Beziehung zu Andrea Giambruno, die fast zehn Jahre dauerte, endet hier.«

Von dem TV-Journalisten, der bei einem Privatsender eine eigene Talkshow hat, war daraufhin kein Wort zu hören. In einem Interview des Klatschmagazins »Chi« hatte sich der 42-Jährige - vier Jahre jünger als die Vorsitzende der Fratelli d'Italia (Brüder Italiens) - eben noch als »First Gentleman« bejubeln lassen. Sogar von Hochzeit war die Rede. »Wir werden es tun, wenn uns danach ist. Oder vielleicht haben wir auch schon geheiratet und es keinem gesagt.«

Kennengelernt in der Werbepause einer TV-Show

Tatsächlich ist das Paar nach Melonis Auskunft schon länger auseinander. »Unser Weg hat sich schon seit einiger Zeit getrennt, und jetzt ist an der Zeit, das anzuerkennen«, heißt es in der Mitteilung, die über X (vormals Twitter) und Facebook verbreitet wurde. Dazu ein Dank (»Für die wundervollen Jahre, dass wir Schwierigkeiten gemeinsam durchgemacht haben und dass er mir das Wichtigste in meinem Leben geschenkt hat: unsere Tochter Ginevra«) und ein Dreier-Selfie aus glücklichen Tagen. Ginevra (»Gigi«), heute sieben, ist darauf noch ein Baby.

Kennengelernt hatten sich die beiden 2014, in der Werbepause einer TV-Show, bei der Giambruno beschäftigt war. Meloni hatte einen Hungerast und bekam von einer Assistentin eine Banane. Die Schale hielt sie auch noch in der Hand, als es weitergehen sollte. Giambruno stürmte auf den Set und riss ihr die Schale aus der Hand: »Fehlt noch, dass die Kameras angehen und du eine Banane in der Hand hältst.« In Italien, muss man wissen, duzt man sich gern und schnell.

Sexistische Sprüche von Giambruno

Über Beziehungsprobleme war bislang nichts bekannt. Auch Meloni ließ nie etwas verlauten. Bis zuletzt galten die zwei als Vorzeigepaar: Wenn Giambruno etwas von sich gab, waren viele der Überzeugung, dass er nur wiedergab, was sie nicht laut sagen konnte. So war das diesen Sommer, als er in seiner Talkshow dem deutschen Gesundheitsminister Karl Lauterbach empfahl, »im Schwarzwald zu bleiben«, nachdem sich der SPD-Politiker im Toskana-Urlaub öffentlich Gedanken über die Auswirkungen des Klimawandels auf Italiens Tourismus gemacht hatte.

Und so war es auch, als sich Giambruno dazu äußerte, ob Frauen bei Vergewaltigungen möglicherweise manchmal selbst Schuld tragen. »Wenn man tanzen geht, hat man jedes Recht, sich zu betrinken. Aber wenn man es vermeidet, sich zu betrinken und die Sinne zu verlieren, vermeidet man vielleicht auch, in gewisse Probleme zu geraten und einem Wolf zu begegnen.« Meloni war damit in arger Verlegenheit.

Diese Woche veröffentlichte eine TV-Satireshow nun auch noch Audio-Aufnahmen aus dem Redaktionsalltag seiner Talkshow »Diario del giorno«, die insgeheim mitgeschnitten wurden. Zu hören ist, wie Giambruno gegenüber Kolleginnen schlüpfrige und sexistische Bemerkungen von sich gibt. Man sollte das nicht wiederholen. Nur so viel: Giambruno gehört offensichtlich zur Sorte Männer, die das Gespräch auch heute noch sehr gern auf Eier und Dreier bringen. Am Freitagnachmittag wurde er von seinem Sender vorläufig beurlaubt.

Will Meloni Ballast loswerden?

Nun wird spekuliert, dass die Aufnahmen bei der Trennung eine Rolle gespielt haben könnten. Die Zeitung »La Repubblica« berichtete, dass am Regierungssitz Palazzo Chigi der Alarm angegangen sei. Manche meinen, dass Meloni auf dem Weg zur herkömmlichen Konservativen gerade dabei sei, einiges vom Ballast der ursprünglich postfaschistischen Fratelli abzuwerfen - nun auch im Privatleben?

Die Regierungschefin selbst machte in ihrer Mitteilung deutlich, dass sie sich durch die Trennung im Privatleben keinesfalls herunterziehen lassen will. Am Ende fügte sie ein PS hinzu: »Allen, die gehofft haben, mich zu schwächen, indem sie in mein Haus eingedrungen sind, sei gesagt: So sehr der Tropfen hoffen mag, den Stein zu erodieren, der Stein bleibt ein Stein, und der Tropfen ist nur Wasser.«

© dpa-infocom, dpa:231020-99-634181/6