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»Hangry«: Studie belegt Verbindung zwischen Hunger und Ärger

Das englische Wort »hangry« wird auch in Deutschland immer verbreiteter genutzt: Wer hungrig ist, wird wütend. Nun gibt es für das Gefühl, welches jeder kennt, einen wissenschaftlichen Beleg.

Hungrig
Gegen das furchtbare »Hangry«-Gefühl hilft vor allem eins: der Griff in den Kühlschrank. Foto: Lino Mirgeler
Gegen das furchtbare »Hangry«-Gefühl hilft vor allem eins: der Griff in den Kühlschrank.
Foto: Lino Mirgeler

Wer hungrig ist, hat häufiger mit negativen Gefühlen zu kämpfen. Das ist eine Erkenntnis, die im Englischen bereits mit dem Begriff »hangry« in den normalen Sprachgebrauch eingeflossen ist.

Das Wort ist eine Mischung aus »hungry« (hungrig) und »angry« (wütend). Doch Forscher um Viren Swami von der britischen Anglia Ruskin University (ARU) in Cambridge konnten nun außerhalb von Laborbedingungen nachweisen, dass es diesen Zusammenhang tatsächlich gibt.

Sie werteten die Angaben von über 60 erwachsenen Probanden aus, die über einen Zeitraum von 21 Tagen fünf Mal am Tag per App nach ihrem Hungergefühl und Gefühlszuständen wie Ärger, Reizbarkeit und Vergnügen befragt wurden. Heraus kam, dass es einen deutlichen Zusammenhang zwischen dem Hungergefühl und negativen Gefühlen gibt. Die Studie wurde im Fachjournal »PLOS ONE« veröffentlicht.

Mögliche Ursache: Abfall von Blutzucker

Wo genau die Ursache für den Zusammenhang liegt, ist noch nicht geklärt. Ein möglicher Ansatz gehe davon aus, dass unser Gehirn bei einem Abfall von Blutzucker nicht mehr im gleichen Maß in der Lage ist, Emotionen zu kontrollieren, erläuterte der leitende Wissenschaftler Swami im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur. Ein anderer lege nahe, dass wir in hungrigem Zustand anders auf äußere Faktoren reagieren und sie als störender empfinden als nach einer Mahlzeit. »Es ist wahrscheinlich eine komplizierte Kombination aus beidem«, sagte Swami. Er gehe aber davon aus, dass psychologische Faktoren eine größere Rolle spielten als der Blutzuckerspiegel, dessen Einfluss in diesem Zusammenhang von verschiedenen Studien angezweifelt worden sei.

Als praktischen Nutzen sieht Swami an der Studie, dass man seine Gefühle besser einordnen könne, wenn man sich über den Zusammenhang bewusst sei. »Wenn ich wütend bin, muss ich nach der Quelle dieser Wut suchen«, so der Wissenschaftler. Sei er aber »hangry«, dann genüge es, etwas zu essen.

Kritik

Zweifel an der Aussagekraft der Studie äußerte der Professor für Ernährungs- und Gesundheitspsychologie Johann Christoph Klotter von der Hochschule Fulda. Ursache und Wirkung seien bei dem Zusammenhang von Hunger und Ärger nicht zu trennen, sagte Klotter der Deutschen Presse-Agentur. Hunger könne ein Ausdruck von Ärger sein, so der Wissenschaftler im Ruhestand.

© dpa-infocom, dpa:220707-99-936918/2