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Haie: Missverstanden, bewundert und bedroht

Haie kommen in allen Weltmeeren vor. Die Tiere sind oft missverstanden und bedroht. Schuld daran sind auch Filme wie »Der Weiße Hai«. In jüngster Zeit erfahren die schwimmenden Räuber mehr Beachtung und Bewunderung.

Unterwasser-Filmerin Christina Karliczek bei ihrer Arbeit für »Haie eiskalt«
Unterwasser-Filmerin Christina Karliczek bei ihrer Arbeit für »Haie eiskalt« Foto: Uli Kunz/dpa/dpa
Unterwasser-Filmerin Christina Karliczek bei ihrer Arbeit für »Haie eiskalt«
Foto: Uli Kunz/dpa/dpa

REUTLINGEN. Kürzlich sorgten mehrere Welse dafür, dass manchen Badenden beim Schwimmen im Baggersee ein schauriges Gefühl überkam. Doch am Meer ist die Mutter aller Ängste immer noch die unerwartet auftauchende dreieckige Rückenflosse. Haie sorgen aber nicht nur für Ängste, die Wissenschaft hat ihren Blick mit großem Interesse auf die Tiere gerichtet. Ein breites Publikum erreichten die Flossenträger durch den Film »Der Weiße Hai« (im englischen Originaltitel »Jaws«). Dieser feiert heuer seinen 50 Geburtstag und hat nicht nur das Horrorfilm-Genre geprägt, sondern auch lange Jahre die Sichtweise auf die Art - leider nicht positiv. Heute sind die Tiere und ihr Verhalten besser erforscht. Hier kommen einige triviale und spannende Fakten zu den Räubern der Meere.

Woher kommt der Name Hai?

Das Wort »Hai« stammt vom niederländischen »Haai« ab. Dieses wiederum kommt vom isländischen Wort »Haki«, das Haken bedeutet und eine Anlehnung an die hakenförmige Schwanzflosse der Haie ist. Weltweit sind mehr als 500 Arten der Knorpelfische bekannt. Sie kommen in allen Weltmeeren, aber auch in mit den Ozeanen verbundenen Fluss und Seensystemen vor.

Wie viele Zähne hat ein Hai?

Haie besitzen nachwachsende Zähne, hinter der ersten Zahnreihe wachsen mehrere Reihen von Zähnen nach. In einem Haileben können das bis zu 30.000 Zähne sein. Bricht in der ersten Reihe ein Zahn ab, rückt ein neuer Zahn nach, ebenso wie in einem Revolver eine neue Kugel in der Kugeltrommel nachrückt (daher auch der Name »Revolvergebiss«). Haie verlieren beim Angriff auf Robben und Fische oft zahlreiche Zähne. Die Form der Zähne hängt von der Ernährungsweise der jeweiligen Art ab.

Wie alt werden Haie?

Die durchschnittliche Lebensdauer von Haien bewegt sich zwischen 20 und 30 Jahren. Die ältesten Exemplare des Weißen Hais werden rund 70 Jahre alt. Rekordhalter sind jedoch die sogenannten Grönlandhaie oder Eishaie. Nach neusten Untersuchungen von Wissenschaftlern liegt es nahe, dass die Art bis zu 500 Jahre alt werden kann. Damit sind sie die am längsten lebenden Wirbeltiere der Welt. Diese bevölkern sie bereits im Zeitalter des Devon, was nach heutiger Rechnung vor rund 400 bis 350 Millionen Jahren war.

Wie viele Haiangriffe auf Menschen finden statt?

Im Jahr 2024 wurden weltweit 47 nicht-provozierte Haiangriffe auf Menschen registriert. Das ist ein Rückgang im Vergleich zum Vorjahr, als 69 Angriffe gezählt wurden. Die meisten Angriffe ereigneten sich in den USA, gefolgt von Australien. Die Zahlen beziehen sich auf nicht-provozierte Angriffe, das heißt, der Hai wurde nicht vom Menschen gereizt oder angegriffen.

Wie beeinflussen Medien die Wahrnehmung der Haie?

Der Film »Der Weiße Hai« hatte breite kulturelle Auswirkungen. Der Film sorgt bis heute bei vielen Zuschauern dafür, dass sie Angst davor haben, ins Meer zu gehen. Die in den USA deutlich geringere Anzahl an Strandbesuchen im Jahr 1975 wurde ebenso wie eine deutlich gestiegene Anzahl gemeldeter Hai-Sichtungen auf die psychologischen Auswirkungen des Filmes zurückgeführt. Spielbergs Thriller wird immer noch als verantwortlich für die Aufrechterhaltung negativer Stereotypen über Haie und ihr Verhalten angesehen. Die Shark Week ist ein jährlicher einwöchiger Programmblock auf dem Discovery Channel, der sich auf Programme zum Thema Haie konzentriert. Die Erstausstrahlung fand am 1988 statt. Der Block wird jährlich im Sommer vorgestellt und war ursprünglich den Naturschutzbemühungen und der Korrektur von Missverständnissen über Haie gewidmet.

Gibt es Weiße Haie im Mittelmeer?

Ja, es gibt Weiße Haie im Mittelmeer, aber ihre Population ist stark gefährdet und die Tiere sind selten geworden. Sie sind im westlichen Mittelmeer, der Adria und der Straße von Sizilien beheimatet. Es ist eine genetisch eigenständige Population, die nicht durch Zuwanderung aus dem Atlantik verstärkt wird. Ein Fischer im Adria-Land Montenegro hat erst kürzlich einen Weißen Hai gefangen und anschließend wieder freigelassen. Der außergewöhnliche Fang erfolgte am Montag zwölf Kilometer von der Küste entfernt und in 115 Metern Tiefe. In der Adria war zuletzt 2023 in Kroatien ein junger Weißer Hai gefangen worden.

Kann man Haie essen?

Haifleisch wird in vielen Teilen der Welt gegessen. In Asien ist besonders die Haifischflossensuppe bekannt. Die Inuit in Grönland oder die Isländer trocknen das Fleisch des Grönlandhais oder fermentieren es zur regionalen Delikatesse. Diese ist als »Tipnuk« oder »Hákarl« bekannt. Die Industrie vermarktet den Fisch vorsichtig, dennoch wird er oftmals unbewusst konsumiert. So handelt es sich bei den auch in Deutschland bekannten »Schillerlocken« um geräucherten Dornhai. (GEA)