LONDON. Zufriedenheit im Hause Windsor: Finanziell läuft es ganz prächtig für den Monarchen. König Charles III. darf sich im nächsten Jahr über eine satte Gehaltserhöhung freuen. Der 76-jährige Royal erhält für das Jahr 2026 durch das sogenannte Sovereign Grant 132,1 Millionen Pfund, umgerechnet rund 155 Millionen Euro.
Das sind mehr als die Hälfte im Vergleich zu bisher. Lag seine Apanage bisher bei 86,3 Millionen Pfund im Jahr, beläuft sich die Gehaltserhöhung für 2026 daher auf präzise 53,07 Prozent. Für das Jahr darauf steht ihm noch einmal dieselbe Summe ins Haus. Um die Erhöhung nicht ganz so exorbitant aussehen zu lassen, hat der Palast eine Sparmaßnahme angekündigt: Der Royal Train, der Königliche Zug, der die Royals seit 156 Jahren durchs Land kutschiert hat, soll außer Dienst gestellt werden.
»Das Herzogtum von Cornwall will künftig in einer modernen, sozialen Weise operieren«
Freilich ist der Grund für den erstaunlichen Apanagenanstieg nicht royale Gier, sondern der marode Zustand des Buckingham Palastes. Der Londoner Amtssitz des Königs muss für 369 Millionen Pfund renoviert werden, kürzlich wurde dort auch noch Asbestbefall festgestellt. Die Gehaltserhöhung über die nächsten zwei Jahre soll zusätzliche 100 Millionen Pfund für die Endphase des Projekts bereitstellen. Der Sovereign Grant ist schließlich kein persönliches Salär, sondern das Budget, aus dem Charles alle seine öffentlichen Pflichten, einschließlich des Unterhalts offizieller Paläste, finanzieren muss.
Sein Vorfahr, der Hannoveraner George III., hatte 1760 einen Deal mit der Regierung vereinbart, nach dem der Kronbesitz, also seine weit verstreuten Ländereien und Immobilien, im sogenannten Crown Estate, einer Art Holding, zusammengefasst wurden. Deren Einkommen sollte fortan an den Staat fallen, im Gegenzug bekam George III. eine Apanage, mit der er seinen Hof finanzierte.
Das Crown Estate umfasst heute unter anderem die noble Einkaufsmeile Regent Street in der Londoner Innenstadt, das Schloss von Windsor, ausgedehnte Ländereien und mehr als die Hälfte der Küstenlinie Englands. Sein Wert wird auf fast 16 Milliarden Pfund geschätzt. Besonders lukrativ waren zuletzt die Einnahmen aus dem Küstengeschäft, weil man viele Lizenzen für den Bau von Windkraftanlagen verkaufen konnte. Das Sovereign Grant beträgt zur Zeit 12 Prozent der Gewinne des Crown Estate, der Rest geht an das Schatzamt.
Während der König mehr Geld bekommt, erhält der Thronfolger etwas weniger. William, der Prinz von Wales, wird durch die Einnahmen des Herzogstums von Cornwall finanziert. Statt 23,6 Millionen empfing er in diesem Jahr nur 22,8 Millionen Pfund. Dennoch will er Zeichen setzen. Einigen Wohlfahrtsorganisationen und Bürgerinitiativen auf seinen Ländereien will er die Miete erlassen, anderen um die Hälfte kürzen. Er reagiert damit auf einen Skandal, der letzten November durch Recherchen der Sunday Times und des Sender Channel 4 ans Licht kam. Man deckte auf, dass das Herzogtum von Cornwall Millionensummen durch Mietvereinbarungen mit dem Nationalen Gesundheitsdienst NHS, mit der Armee und mit Staatsschulen einsammelte, darunter zum Beispiel für einen Parkplatz für NHS-Rettungsfahrzeuge und als Erbbauzins für das Gefängnis von Dartmoor. Zukünftig, so der Geschäftsführer des Herzogstums Will Bax, wolle man »in einer modernen, sozial denkenden Weise« operieren.
»Der Palast stellt den Luxuszug nach einer Prüfung des Preis-Leistung-Verhältnisses außer Dienst«
Auch die Streichung des Royal Train darf als Geste verstanden werden. Der neun Waggons umfassende Luxuszug war von Charles’ Mutter Elizabeth II. gerne in Anspruch genommen worden, sie nannte ihn liebevoll »Palast auf Rädern«. Ihr Sohn benutzt ihn weniger, weiß er doch, wie anachronistisch es wirkt, wenn selbst ein kurzer Trip mit dem Royal Train mehr als 30.000 Pfund kostet.
So hat sich dann der Palast nach »einer gründlichen Überprüfung der Nutzung und des Preis-Leistung-Verhältnisses« dazu entschlossen, sentimentale Bande hintanzustellen und den Luxuszug bis 2027 außer Dienst zu stellen. Voraussichtlich wird er dann, wie jetzt schon die ehemalige royale Yacht Britannia, als Museum dienen. Königliche Inlandsreisen sollen zukünftig mit elektrischen Autos und spritsparenden Helikoptern erfolgen. (GEA)

