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Gedächtnis-Training für jedermann

Einkaufslisten, Telefonnummern, Passwörter: Alles im Kopf. Mit diesen Mnemotechniken klappt‘s.

Bei einer Frau wird das Gehirn untersucht.
Bei einer Frau wird das Gehirn untersucht. Foto: Ingo Rappers / Hertie-Institut für klinische Hirnforschung
Bei einer Frau wird das Gehirn untersucht.
Foto: Ingo Rappers / Hertie-Institut für klinische Hirnforschung

REUTLINGEN. Das Gehirn merkt sich nicht abstrakte Fakten, sondern Orte, Bilder, Gefühle und Zusammenhänge. Das kann man nutzen und sich Gedächtnisstützen bauen. Dafür gibt es bestimmte Techniken. Gedächtnisprofis trainieren damit für Wettkämpfe. Aber auch »normale Leute« können damit ihr Erinnerungsvermögen stärken und ihren Alltag besser meistern. Ein Überblick über die erfolgreichsten Methoden.

Bilder: Abstrakte Informationen werden in einprägsame Bilder übersetzt. Wer sich zum Beispiel einen Namen oder ein Fremdwort merken will, der macht daraus ein Bild. Je lebendiger das Bild ist – also mit Emotion, Humor, Bewegung – desto besser bleibt es im Kopf hängen. Beim neuen Nachbarn Herr König stellt man sich vielleicht einen Mann mit Krone auf dem Kopf vor. Bei der französischen Vokabel »pomme« (Apfel) denkt man an eine Pommes-Tüte voller Äpfel.

Geschichten: Begriffe werden zu einer Geschichte verknüpft. Wenn man sich etwa folgende Wortreihe merken will: Hund, Auto, Banane, Lampe, Haus. Dann kann eine lustige Erzählung helfen: Ein Hund fährt ein Auto, frisst eine Banane, wirft die Schale auf eine Lampe, und alles explodiert im Haus. Das klappt bei Einkaufszetteln, To-do-Listen und Präsentationen.

Orte: Neue Informationen werden in Bilder übersetzt und gedanklich mit Orten in einer vertrauten Umgebung verknüpft. Dafür wählt man einen bekannten Platz, zum Beispiel die eigene Wohnung, den Weg zur Arbeit oder das Lieblingscafé. Dort bestimmt man feste Stationen, etwa Haustür, Küche, Wohnzimmer und Balkon. An diesen Orten legt man die Informationen, die man sich merken will, als Bilder ab. Beim Einkaufszettel wäre diese Bilderreihe denkbar: Milch schwappt über die Fußmatte an der Haustür. Brot duftet auf dem Küchentisch. Äpfel rollen übers Sofa. Käse schmilzt auf dem Balkonstuhl. Wenn man die Orte später im Kopf abgeht, dann sieht man die Bilder wieder und erinnert sich an die Begriffe. Diese Methode funktioniert nicht nur mit Einkaufslisten, sondern auch mit To-do-Listen und Vorträgen.

Gruppen: Zahlenreihen werden in kleinere Einheiten unterteilt. Statt 194519892001 merkt man sich 1945-1989-2001. Wenn es sich anbietet, dann kann man die Zahlengruppen als Jahreszahlen interpretieren und gedanklich mit wichtigen Ereignissen verknüpfen - hier etwa Ende des Zweiten Weltkriegs, Mauerfall und Anschlag auf das World Trade Center. Nützlich ist diese Methode bei Jahreszahlen, Telefonnummern, PINs und Passwörtern.

Zahlen-Buchstaben-Codes: Zahlen werden der Reihe nach übersetzt in Buchstaben, Wörter, Bilder und Geschichten. Jede der zehn vorhandenen Ziffern wird einem bestimmten Buchstaben zugeordnet. Weit verbreitet ist das Major-System. Dort gilt unter anderem die Übersetzung 2 zu N, 3 zu M, 4 zu R, 9 zu P und B. Wenn man sich nun etwa die Ziffernfolge 3942 merken will, dann überträgt man sie zuerst in die beiden Buchstaben-Duos MP und RN. Aus jedem Buchstaben-Duo bildet man ein Wort, das man sich gut bildlich vorstellen kann, etwa Mopp und Rinne. Die beiden Wort-Bilder verknüpft man abschließend zu einem Satz beziehungsweise einer anschaulichen Mini-Geschichte wie: Ein Mopp fließt die Rinne runter. Diese Technik hilft beim Memorieren von Zahlenreihen wie Jahreszahlen, Telefonnummern, PINs und Passwörtern. (GEA)