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Fünf Euro: Venedig beschließt Eintritt für Tagesbesucher

Wie im Museum: Venedig kostet künftig Eintritt. Für Kurzbesucher nur - und auch nur zu bestimmten Terminen. Dennoch ist die Aufregung groß. Fragt sich, ob das etwas bringt.

Venedig -Eintritt für Tagesbesucher
Besucher drängen sich in Venedigs Calle de la Madoneta. Foto: Christoph Sator/DPA
Besucher drängen sich in Venedigs Calle de la Madoneta.
Foto: Christoph Sator/DPA

Fünf Euro pro Person: In Venedig müssen Kurzbesucher künftig Eintritt zahlen, wenn es besonders voll zu werden droht. Die neue Regelung gilt vom nächsten Jahr an für Tagestouristen, die nur wenige Stunden bleiben - zunächst aber nur an insgesamt 30 Tagen mit erfahrungsgemäß besonders viel Betrieb. Die genauen Termine legte der Gemeinderat bei seinem Beschluss am Dienstagabend noch nicht fest.

Mit der Gebühr soll verhindert werden, dass der Massentourismus in der norditalienischen Lagunenstadt noch mehr Schäden anrichtet. Für andere Top-Reiseziele rund um die Welt gibt es ähnliche Pläne.

Die mehr als fünf Millionen Touristen pro Jahr bringen Venedig viel Geld in die Kassen, bereiten aber seit langer Zeit schon auch große Probleme. Die Altstadt mit dem Markusplatz, der Rialtobrücke und den vielen Kanälen hat inzwischen nicht einmal mehr 50 000 ständige Einwohner. An manchen Tagen in der Hauptsaison sind mehr als doppelt so viele Touristen zu Gast. In den engen Gassen ist dann kaum noch ein Durchkommen. Insbesondere Kreuzfahrt-Touristen stehen in der Kritik.

»Kein Museum« - Proteste von Einwohnern

Deshalb gibt es schon lange Überlegungen, für die Altstadt Eintritt zu verlangen - wie für ein Museum. Die Pläne sind allerdings in Venedig umstritten. Im Gemeinderat gab es nochmals heftige Debatten. Die Sitzung dauerte acht Stunden, bis weit in den Abend hinein. Etwa 200 Gegner der Neuregelung protestierten mit Slogans wie »Wir wollen nicht, dass Venedig ein Museum wird«. Es gab auch Rufe wie »Vergogna« (»Schande«). Schließlich setzte Bürgermeister Luigi Brugnaro mit seinem Rechtsbündnis die Pläne aber durch.

Strafen bis zu 300 Euro

Geplant ist nun, dass sich Tagesbesucher übers Internet einen QR-Code besorgen und aufs Handy laden müssen. Kontrolliert werden soll insbesondere am Bahnhof und an den Anlegestellen der Boote. Wer in der Altstadt ohne »Venedig-Ticket« erwischt wird, soll zwischen 50 und 300 Euro Strafe zahlen müssen. Für Übernachtungsgäste, die ohnehin Kurtaxe zahlen, sowie für Pendler gilt die Regelung nicht. Ausgenommen sind auch Kinder unter 14 Jahren.

»Venedig-Ticket« könnte im Karneval starten

Die genauen Termine, wann Eintritt erhoben wird, ließ der Gemeinderat zwar noch offen. Die Neuregelung könnte aber bereits im Februar starten, im berühmten Karneval von Venedig. Erwartet wird zudem, dass an Ostern und an Sommer-Wochenenden kassiert wird. Zwischenzeitlich war erwogen worden, eine Obergrenze festzulegen, wann die Stadt für Besucher dichtgemacht wird. Dazu kam es nun aber nicht. Auch auf Drehkreuze will die Kommune verzichten. Die Einnahmen sollen in den Erhalt der Kanäle, Straßen und Gebäude fließen.

Unesco entscheidet in Kürze über neue »Rote Liste«

Vor dem Beschluss hatten mehrere Bürgerinitiativen und auch Geschäftsleute nochmals dagegen mobil gemacht - ohne Erfolg. Viele meinen, dass die Entscheidung damit zusammenhängt, dass die Weltkulturorganisation Unesco gerade darüber berät, ob Venedig auf eine Liste des »bedrohten Weltkulturerbes« gesetzt wird. Bürgermeister Brugnaro will dies unbedingt verhindern. Der Beschluss für eine Gebühr könnte dabei helfen. Die Unesco will noch in diesem Monat über ihre neue »Rote Liste« entscheiden.

Andere Top-Reiseziele schauen genau hin

Mit großer Aufmerksamkeit dürften die Erfahrungen mit dem »Venedig-Ticket« auch in anderen Städten verfolgt werden, die über Massentourismus klagen - beispielsweise Barcelona oder Amsterdam. Einige andere internationale Top-Reiseziele haben bereits beschlossen, künftig ebenfalls eine Gebühr zu erheben. Auf der indonesischen Bali werden vom 1. Januar an bei der Einreise 10 US-Dollar fällig. Auch für Hawaii und Thailand gibt es Pläne.

© dpa-infocom, dpa:230913-99-174513/3