So gibt es mittlerweile auch an Hochschulen den Elternabend, so etwa an der Universität Karlsruhe seit vergangenem Jahr. Bislang kamen jeweils bis zu 350 Interessierte. Auch die Universitäten in Tübingen, Stuttgart und Stuttgart-Hohenheim gehen mit solchen Angeboten auf das Informationsbedürfnis von Vätern und Müttern ein.
Mannheim erwägt, diesen Beispielen zu folgen, erklärt Uni-Sprecherin Katja Bär. Einen Zusammenhang mit dem Alter der G8-Abiturienten sieht sie allerdings nicht. »Wir erleben seit etwa fünf Jahren, dass zahlreiche Eltern die Studienbewerber zum Beratungsgespräch oder auf Messen begleiten, auch wenn diese längst volljährig sind.« Wie weit der Einfluss der Eltern gehen kann, beschreibt der Sprecher der Universität Hohenheim, Florian Klebs: »Man merkt, dass sie immer konkreter eingreifen, etwa bei der Studienwahl oder dem Thema der Bachelorarbeit.«
Das geht Wissenschaftsministerin Theresia Bauer (Grüne) eindeutig zu weit. »Auch wenn ich als zweifache Mutter den Impuls nachvollziehen kann, finde ich, dass das Studium zur Unabhängigkeit vom familiären Hintergrund führen muss.« Sie fügt hinzu: »Ich rate den Eltern: Lasst los!«
Das Alter der Studenten führen auch zu neuartigen Problemen bei der Anmietung von Studentenbuden. Im Studentenwerk Stuttgart beispielsweise hat zwar bislang noch kein unter 18-Jähriger einen Wohnheimplatz anmieten wollen. Sollte dies aber vorkommen, müssen die Eltern den Vertrag mitunterschreiben oder schriftlich ihr Einverständnis erklären. Doch manche Studenten werde nicht einmal dort unterkommen, befürchtet der Konstanzer Studentenvertreter Patrick Stoll: »Viele Erstsemester müssen sich darauf einstellen, zum Beginn in Turnhallen oder in teuren Ferienwohnungen zu leben - wie es schon 2011 der Fall war.«
Dass das Thema Orientierung eine zunehmende Rolle spielt, zeigt die wachsende Zahl von Vorbereitungskursen wie sie in USA und Frankreich schon gang und gäbe sind. Die Universität Karlsruhe oder auch die Universität Stuttgart haben solche Orientierungs-Kollegs eingerichtet.
Für die Immatrikulation erklären etliche Hochschulen die Minderjährigen schon für voll geschäftsfähig. Das Ministerium wird diese Rechtsfragen noch im Frühsommer landesweit regeln. »Rechtliche Probleme sind uns nicht bekannt«, sagt Margarete Lehné vom Karlsruher Institut für Technologie (KIT). Karlsruhe hat bereits Erfahrung mit minderjährigen Studenten. Etwa 90 Studenten sind bei Beginn des laufenden Semesters jünger als 18 Jahre gewesen. Bayern und Niedersachsen hatten schon im vergangenen Jahr erste Absolventen der verkürzten Gymnasialszüge an die Hochschulen entlassen.
Der doppelte Abi-Jahrgang ist aus Sicht der Landeschefin der Bundesagentur für Arbeit, Eva Strobel, eine gute Chance für Firmen, Auszubildende zu gewinnen. »Sie sollten diese Gelegenheit nutzen.« Die Schattenseite für Bewerber: »In einigen Ausbildungsberufen besteht tatsächlich eine gewisse Gefahr, dass die Chancen von Bewerbern mit Mittlerer Reife und Hauptschulabschluss durch das bessere Bewerberpotenzial geschmälert werden«, sagte Strobel. Bei der derzeitigen Situation am Ausbildungsmarkt hätten aber alle räumlich und beruflich flexiblen Bewerber Chancen. (dpa)

