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Ausstellung in Berlin: Fantastischer Ausflug ins Inka-Reich

In Berlin erleben Besucher die sagenumwobene Inka-Stadt Machu Picchu fast hautnah

Ein nüchterner Betonbau mit vielen Markierungen. Doch mit der VR-Brille erleben die Besucher hier eine abenteuerliche Reise .  F
Ein nüchterner Betonbau mit vielen Markierungen. Doch mit der VR-Brille erleben die Besucher hier eine abenteuerliche Reise . FOTO: RAHMIG
Ein nüchterner Betonbau mit vielen Markierungen. Doch mit der VR-Brille erleben die Besucher hier eine abenteuerliche Reise . FOTO: RAHMIG

BERLIN. Eintauchen in die präkolumbianische Welt der Inkas, ohne in die Anden zu reisen? Im Berliner Ortsteil Charlottenburg öffnen sich die Tore in eine neue Dimension: Die »Ultimate Machu Picchu Experience« katapultiert die Besucher auf spektakuläre Weise in die peruanischen Anden und die sagenumwobene Inkastadt Machu Picchu. In einer eindrucksvollen 45-minütigen Virtual Reality-Show entführt »Fever«, einer Plattform für Live-Entertainment, die Reisenden in einer visuellen Rekonstruktion ins Inka-Reich.

Die Geschichte und Kultur der untergegangenen Inkas wird hier wieder lebendig: »Wir wollen Geschichte nicht nur zeigen, sondern spürbar machen – emotional, interaktiv und auf Augenhöhe mit einem neuen Publikum«, sagt Lea Melpignano. Sie ist Projektmanagerin bei Fever. Die Ausstellung ist die erste ihrer Art in Europa. Nach dem erfolgreichen Auftakt in Washington, D.C. feierte die Show, die in Zusammenarbeit mit Virtual Worlds, einem führenden Kreativstudio für immersive Technologien und Virtual Reality-Erlebnisse entstanden ist, in Berlin ihre Europapremiere. Inzwischen ist sie auch in Wien zu sehen.

Aber Vorsicht vor einem Fehltritt

Die Reise beginnt in einem nüchtern-leeren, aber mit vielen Markierungen auf dem Boden verzierten Betonareal einer ehemaligen Großgarage. Während der Besucher eine VR-Brille erhält und sich die Instruktionen anhört, sieht man die anderen Besucher vorsichtige und oft ziemlich unbeholfene Schritte machen, mit den Händen nach etwas greifen oder und achtsam nach unten schauen. Was machen die da?

Die von einem kleinen, ziemlich geschwätzigen Roboter geführte VR-Tour beginnt in einem Reisestudio, in dem der Roboter Tetri erscheint und die Gruppe mitten in die fantastische Bergwelt der Anden entführt. Aber Vorsicht, ein Fehltritt, und man stürzt ab. Das jedenfalls meint man, wenn man auf einen Abgrund inmitten der Inka-Stadt Machu Picchu in rund 2.400 Metern Höhe umhergeführt wird. Man wird automatisch sehr vorsichtig, obwohl einem natürlich bewusst ist, dass man in der Realität auf sicherem Betonuntergrund unterwegs ist.

Wer nicht ganz schwindelfrei ist, kommt ins Schwitzen, wenn Tetri die Reisenden auf einer wie von Geisterhand erscheinenden steinernen Plattform auf einen Flug über die Inka-Stadt und die Andengipfel in schwindelerregende Höhe mitnimmt und herrliche 360-Grad-Panoramaausblicke aus der Luft eröffnet.

Auf Du und Du mit dem Jaguar

Man will sich irgendwo festhalten, aber das ist natürlich nicht möglich, und greift stattdessen ins Leere – außer man gerät bei seinen Erkundungen zu nah an die reale Betonwand, die einem mit einem virtuellen roten Gitter angekündigt wird. Teilweise begleitet uns auf der abenteuerlichen Andentour ein Lama. Plötzlich taucht ein Jaguar auf. Ich laufe auf ihn zu und will ihn mal anfassen – schließlich kommt man dieser mächtigen Raubkatze sonst niemals so nahe, aber ich weiß natürlich, dass ich ins Nichts greifen werde. Ich laufe weiter und einfach durch ihn hindurch. Die anderen, realen Menschen aus meiner Gruppe sieht man als Schemen, um tatsächliche, also reale Kollisionen zu vermeiden. Kurioser Weise spricht niemand außer Tetri. Jeder erlebt das Geschehen für sich allein.

Die Schau verknüpft historische Genauigkeit mit Fantasy-Elementen und einer kleinen Story, die am Ende die real- virtuelle Welt verlässt und zur Fantasy wird. Angesichts der atemberaubenden Ausblicke und dem Bemühen, sich keinen Fehltritt zu leisten, fällt es schwer, auf das zu achten, was Tetri alles erzählt und erläutert. Dabei sind das interessante Infos. Wir erleben die Inka beim Kochen, beim Feldanbau auf den steilen Terrassen der Anden, wir sehen, wie und wo sie gewohnt und gelebt haben, geraten in das Heiligtum der Priesterkaste und mitten in eine Sonnenfinsternis, wie sie die Inka damals erlebt haben dürften. Tatsächlich sind die 45 Minuten überraschend schnell vorüber.

Eine umweltschonende Tour

Zur Premiere der Inka-Show im September kam auch der peruanische Botschafter in Deutschland, Augusto David Teodoro Arzubiaga Scheuch. Er sieht vor allem die Chance, die historische Stätte in den südamerikanischen Anden all jenen nahezubringen, die nicht selbst dorthin reisen.

Gleichzeitig ist diese Tour umweltschonend, denn das mehr als 10.000 Kilometer von Deutschland entfernte Unesco-Weltkulturerbe leidet unter den Touristenmassen. Täglich fallen unter anderem Tausende von Plastik- und Glasflaschen sowie anderer Müll auf dem Gelände an, die eingesammelt und weggebracht werden müssen. Außerdem setzen der Inka-Stätte die Klimaveränderungen mit Starkregen, Erdrutschen und Schlammlawinen sowie Waldbränden erheblich zu. Die Aktion »Eine Million Bäume für Machu Picchu« soll sie vor diesen häufiger auftretenden Ereignissen schützen. Seit 2020 wurden 300.000 Bäume gepflanzt. (GEA)