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Alpenverein warnt vor Skigebiet-Ausbau auf Gletschern

Immer höher, immer mehr? Die Maxime eines weiteren Ausbaus verfolgen einige Gletscherskigebiete in Tirol. Für den Deutschen Alpenverein ist das in Zeiten der Klimakrise ein Irrweg.

Ende der Skisaison
Ende der Skisaison 2022/23 in Garmisch-Partenkirchen - dort lag im März kaum noch Schnee. Foto: Angelika Warmuth
Ende der Skisaison 2022/23 in Garmisch-Partenkirchen - dort lag im März kaum noch Schnee.
Foto: Angelika Warmuth

Der Deutsche Alpenverein warnt im Zusammenhang mit dem Klimawandel vor dem Ausbau von Skigebieten in sensiblen Höhenlagen und bisher unberührten Gletschergebieten. Es rolle eine neue Erschließungswelle, erläuterte der Bergsport- und Umweltverband am Dienstagabend in München. Allein in den Ötztaler Alpen seien drei Großprojekte geplant - zwei für Skigebiete und eines für Wasserkraft.

Dass diese Erschließungen eine Folge der weltweit steigenden Temperaturen seien, zeige sich erst auf den zweiten Blick. Als Konsequenz aus Schneemangel und - wie im vergangenen Winter - teils zu milden Temperaturen für künstliche Beschneiung werden den Angaben zufolge Skigebiete in höhere Gletscherlagen verlagert.

Dem EU-Klimawandeldienst Copernicus zufolge schmolz in den europäischen Alpen 2022 so viel Gletschereis wie nie zuvor. Die Gletscher der Alpen verloren demnach mehr als fünf Kubikkilometer Eis. Würde man diese Eismasse in Würfelform pressen, wären die Kanten des Würfels rund fünfeinhalbmal so hoch wie der Eiffelturm.

Skisport statt Zukunftsperspektiven

»Bei beiden Vorhaben, im Kaunertaler und im Pitztaler Skigebiet, sollen Gletscherflächen erschlossen werden, die bislang vollkommen naturbelassen und für den naturnahen Bergsport von größter Bedeutung sind«, kritisierte der Vereinspräsident Roland Stierle. »Für ein paar weitere Jahre Skisport werden hier Zukunftsperspektiven im sanften Tourismus geopfert.« Denn im planierten und zugebauten Gelände wolle niemand mehr Hochtouren machen oder die Bergwelt erwandern.

Zum geplanten Ausbau des Kraftwerks Kaunertal, sagte Stierle: Einerseits solle der Ausbau erneuerbarer Energien die CO2-Belastung verringern. Andererseits würden Moorflächen als natürliche CO2-Speicher vernichtet und frei fließende Flüsse zerstört. Dem Ötztal drohe durch den Gletscherrückgang ohnehin Wasserknappheit. Die Wasserableitungen durch das Kraftwerk würden diesen Mangel massiv verschärfen. »Natürlich brauchen wir eine Energiewende, aber dabei dürfen wir die Natur nicht vergessen.«

© dpa-infocom, dpa:230524-99-803425/3