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Katalonien: Highlights im Hinterland

Küstenwanderwege, Kunst, Kultur und Kulinarik warten darauf, entdeckt zu werden

500 Kilometer der Costa Brava, teilweise unverbaut, gehören zu Katalonien.
500 Kilometer der Costa Brava, teilweise unverbaut, gehören zu Katalonien.
500 Kilometer der Costa Brava, teilweise unverbaut, gehören zu Katalonien.

Übervolle Strände im Sommer, in den Wintermonaten Gedränge um die Sagrada Familia – davon haben spanische Touristiker genug. Das Hinterland Kataloniens hat so vieles zu bieten, das die Ströme sonnenhungriger Urlauber nicht bemerken! Jetzt hat das katalonische Tourismusbüro die »Grand Tour de Catalunya«, die Grand Tour von Katalonien aufgelegt, mit der auf das Hinterland und die zahllosen Möglichkeiten dort aufmerksam gemacht wird. Hier ein paar beispielhafte Stationen:

Die Stadt Girona, rund 60 Kilometer von der Grenze zu Spanien, ist unter Game of Thrones-Fans ein Wallfahrtsort. Kenner der History-Phanta- Saga erkennen etliche Schauplätze aus Staffel sechs, darunter die Arabischen Bäder oder die Treppe vor der Kathedrale Santa Maria. Von 1300 bis ins 17. Jahrhundert wurde an ihr gebaut.

Stadt der Fliegen

Während sich andere Städte mit stolzen Löwen, Adlern oder Rössern als Wappentier schmücken, hat Girona eine Fliege als Maskottchen, das viele Hausfassaden und Souvenirs schmückt. Die Legende dazu: Im Kampf gegen die Franzosen öffnete sich der Sarg des Schutzheiligen der Stadt, und ein Schwarm dicker Fliegen entströmte ihm. Sie infizierten die Angreifer mit Malaria und schlugen sie in die Flucht. Auch eine Altstadtmauer, auf der man die Stadt von oben sieht, und das größte Judenviertel Spaniens gibt es zu bewundern in der lebhaften Universitätsstadt mit rund 110.000 Einwohnern.

Im Kloster Santes Creus finden sich architektonische Einflüsse vom 11. bis 18. Jahrhundert.
Im Kloster Santes Creus finden sich architektonische Einflüsse vom 11. bis 18. Jahrhundert. Foto: Mirjam Sperlich
Im Kloster Santes Creus finden sich architektonische Einflüsse vom 11. bis 18. Jahrhundert.
Foto: Mirjam Sperlich

Immerhin 500 Kilometer der Costa Brava gehören zu Katalonien. Der Küstenwanderweg Camí de Ronda im Empordà (Gebiet Ampurien) bietet viele Möglichkeiten, die Küste zu genießen – nicht am Strand liegend sondern essend, trinkend, Landschaft und Kultur entdeckend. Tatsächlich gibt es noch einige unverbaute Buchten, die mittlerweile geschützt sind. Junge Leute entdecken den Weinanbau und bieten in der Kombination mit Seafood und anderen lokalen Produkten gastronomische Erlebnisse an. Bei der Weinprobe mit Borró – einer Karaffe mit Ausguss – reicht ein Gefäß für alle.

Landschaft im Kochtopf

Im Fischerort Palamós liefern täglich 60 Boote 4.000 Kilo Fisch zur Auktion an. Die katholische Kirche sei mitverantwortlich für die Fischkultur des Landes, da zu einem Drittel des Jahres kein Fleisch gegessen werden durfte – Fisch hingegen schon, heißt es. Besonders berühmt ist der Ort für die Gambas de Palamós – die besonders roten Garnelen sind ein Highlight für Gourmets. Das »Espai del Peix« (Ort des Fisches) am Hafen nennt sich gastronomisches Klassenzimmer, wo in Workshops allerhand über Fische und die »Landschaft im Kochtopf« gelernt werden kann, Verkostung inklusive. Das Fischereimuseum nebenan bietet Einblicke in die maritime Geschichte und traditionelle Techniken.

Auf der nahezu durchgehenden Altstadtmauer hat man einen Blick auf den historischen Kern von Girona.
Auf der nahezu durchgehenden Altstadtmauer hat man einen Blick auf den historischen Kern von Girona.
Auf der nahezu durchgehenden Altstadtmauer hat man einen Blick auf den historischen Kern von Girona.
Weintrinken aus dem Borró erfordert Übung.
Weintrinken aus dem Borró erfordert Übung. Foto: Mirjam Sperlich
Weintrinken aus dem Borró erfordert Übung.
Foto: Mirjam Sperlich

In der Provinz Lleida, bekannt als der Obstkorb Kataloniens und zur Zeit der Pfirsich- und Mandelblüte im Februar/März ein blühende Landschaft – liegt das Castell del Remei. 100 Hektar Weinberge auf 700 bis 800 Metern Höhe, lehmig-toniger Boden, einheimische und französische Sorten: Das älteste Weingut Kataloniens ist hervorgegangen aus einer landwirtschaftlichen Kolonie mit Weinbergen, Feldern, Seen, Mühlen und einer kunstvoll ausgemalten Kapelle. Tausend Fässer lagern im Keller, das ergibt eine Million Flaschen im Jahr. Pappeln voller Storchennester, historische Gebäude, die darauf warten, restauriert zu werden – ein ruhiges Domizil für naturnahe Ferien auf dem Lande.

Die Welt von oben

Die Region Bages im östlichen Teil der katalonischen Senke bietet Natur, Wald, Höhenzüge und Hochebenen mit dem Gebirgszug Montserrat im Süden – ein Paradies für Outdoorfreunde. Outdoorfan der ersten Stunde ist Angel Aguirre, der während des Sportstudiums im nahen Lleida mit Freunden eine Ballonflugschule gründete. Seit 38 Jahren zeigt er nun seine Heimat von oben. Wenn im Morgengrauen die 400 Kilo schweren Ballonhüllen ausgebreitet auf dem Boden liegen und sich durch die fauchenden Flammen allmählich aufblähen, ist das ein rauschendes Spektakel. Sobald sie dann prall gefüllt über den Körben stehen, heißt es einsteigen, je vier Personen in ein Abteil. Schnell wird die Welt kleiner, und doch bleibt man recht nah an allem – Hügeln, Burgen und Wäldern, silbern glänzenden Flussläufen, grauer Autobahn.

Die Stille wird nur vom gelegentlichem Fauchen unterbrochen, wenn nachgeheizt wird. Wirklich lenken lässt sich so ein Ballon nicht. Bevor sie starten, müssen die Piloten berechnen, wohin sie der Wind treibt, dorthin kommt die Abhol-Crew. Bei aller Erfahrung ist Angel froh, wenn die Landung überstanden ist. Am Ende der Fahrt rumpelt der Korb über den Acker und schüttelt die Insassen heftig durch.

Foto: Mirjam Sperlich
Foto: Mirjam Sperlich

Reus, die Geburtsstadt Gaudis, war schon vor der Zeit des größten spanischen Architekten berühmt – damals als Stadt des Wermut. Produktion und Handel des kultigen Kräuterweins hatten der Stadt im 19. Jahrhundert Wohlstand gebracht. Davon zeugen noch heute mehr als 80 zum großen Teil gut erhaltene Jugendstilhäuser und -villen.

Beten und arbeiten

Seit mehr als 160 Jahren ist das Zisterzienserkloster Santes Creus nicht mehr bewohnt, die Zeit, als die Mönche sich hier siebenmal tagsüber und einmal nachts zum Gebet trafen, längst vergangen. In seiner Abgeschiedenheit wirkt der Ort wie aus der Zeit gefallen, doch ein repräsentatives Besucherzentrum lässt keinen Zweifel am kulturellen Wert des zwischen dem 11. und 18. Jahrhundert erbauten Ensembles. Eine Filmpräsentation holt das Leben der betenden und arbeitenden Mönche in die Gegenwart, eine App begleitet Besucher: im gotischen Kreuzgang mit Orangengarten, zum fast mystischen Brunnenhaus, ins holzgetäfelte Dormitorium. Die Fassade der von Zinnen gekrönten romanischen Kirchen ziert ein spektakuläres gotisches Fenster. (GEA)

GRAN TOUR

Die gesamte GrandTour von Katalonien ist rund 2.000 Kilometer lang, angelegt auf 13 Tage. Es spricht nichts dagegen, das Programm als Anregung für eine eigene Tour mit Pkw oder Wohnmobil zu nehmen. Für Radreisende gibt es eigene Routen. Gravelbiker und Bikepacker werden über 2.380 Klometer und 4.400 Höhenmeter geführt, großteils auf Nebenstraßen, und Forstwegen. (mir) www.grandtour. catalunya.com/de www.catalunya.com