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Aktuell GEA/DAV-Wanderreise

Höchste Berge Österreichs

Heiße Wanderungen und tropische Nächte in alpiner Kulisse

Hinter den GEA-Abonnenten gibt sich der Großglockner zunächst noch etwas bedeckt. Zur Freude aller zeigt er sich vor Einkehr und
Hinter den GEA-Abonnenten gibt sich der Großglockner zunächst noch etwas bedeckt. Zur Freude aller zeigt er sich vor Einkehr und Abreise in ganzer Schönheit. FOTO: KOBER
Hinter den GEA-Abonnenten gibt sich der Großglockner zunächst noch etwas bedeckt. Zur Freude aller zeigt er sich vor Einkehr und Abreise in ganzer Schönheit. FOTO: KOBER

Unterhalb Österreichs höchstem Berg recken sich die Hälse von 55 Wanderern und ihrer Tourenbegleiter. Der Großglockner misst aktuell 3.798 Meter und die Aussicht auf den höchsten Berg Österreichs haben sich die Organisatoren des Reutlinger Alpenvereins für den letzten von vier Wandertagen in Osttirol aufgehoben.

   Ausgerechnet auf der letzten Wanderung verhüllen Wolken seine wahre Größe. Doch auch am letzten Tag der Wanderreise für GEA-Abonnenten tut sich was am Himmel. Nahezu alle mitgereisten Bergfreunde nehmen den teils steilen Anstieg zur Lucknerhütte auf sich, ein wunderbarer Ort für eine Rast. Nur die Blicke kommen nicht zur Ruh, jeder will den Berg in Gänze sehen. Kurz vor Rückkehr zum Lucknerhaus gibt der spektakuläre Großglockner endlich die Sicht frei und dieser Anblick wird auf allen Smartphones wie Fotoapparaten festgehalten.

Die Besteigung dieses Berges im Nationalpark Hohe Tauern über den Stüdelgrat hat Helmut Kober, der bei dieser Ausfahrt die Hauptverantwortung übernimmt, vor langer Zeit beinahe an seine bergsteigerischen Grenzen gebracht. »Zwischendurch habe ich gedacht, ich schaffe es nicht, es gibt einen Abschnitt mit Schwierigkeitsgrad vier.« In der Bergsprache bedeutet das Klettern in ausgesetztem und steilen Felsgelände.

Heißer Bergsommer

Bei der Anreise und Begrüßung drei Tage zuvor geht es um andere Anforderungen, Kober erklärt, was die jährliche GEA/DAV-Wanderreise ausmacht: »Wir wandern in zwei Gruppen. Gruppe B, wie Bonsai. In dieser Gruppe gehen diejenigen mit, die es gemütlicher angehen lassen wollen. Gruppe A ist wie Bäume ausreißen, das sind die Sportlichen, die länger gehen oder mehr Höhenmeter machen wollen.«

Dass dieser Plan nicht komplett funktioniert, lässt sich zu diesem Zeitpunkt noch nicht erahnen. Ende Juni kurz vor der ersten Hitzewelle rollen um 5 Uhr früh in Reutlingen die Räder. Die Auftaktwanderung führt zu einem der schönsten Talschlüsse der Alpen. Die Temperatur am Startpunkt, dem Matreier Tauernhaus, kratzt um 11.30 Uhr schon an der 30-Grad-Marke und das auf rund 1.500 Metern Höhe. Der Bergsommer ist kurz, schneefrei muss es sein, aber gleich so heiß bräuchte mancher das auch nicht. Noch in einer Gruppe unterwegs sollen sich die »Bonsais« von alleine identifizieren, indem sie langsamer gehen, ein wenig zurückfallen.

Mit drei Stunden Gehzeit und 220 Metern in Auf- und Abstieg ist die Tour für Geübte ein lockeres Warmlaufen, dem heute nicht alle Stand halten. Und doch wird bereits bei der Auftaktwanderung klar, das Gebiet ist herrlich abwechslungsreich. Fix den Tauernbach gequert, einen Hangwald mit riesigen Farnen hinauf bis zur Hohe Achsel, Wasserfälle beeindrucken. Auf Almwegen sind dreierlei Kuhrassen zu beobachten, Jungstiere begleiten die Wanderer, später auch landestypische Norikerpferde. Der Blick in Außergschlöss auf Österreichs drittgrößten Berg, den Großvenediger samt Nebengipfel und Gletscher lässt die Mühsal schnell vergessen. Danach geht’s mit dem Reisebus ins Stützpunkthotel nach Lienz.

Shuttlen oder schütteln

Tag zwei braucht es eine Weile, bis alle auf eine Teiletappe des Pustertaler Almwegs starten können. Im Ort Assling an der Höhenstraße kommt der 14 Meter lange Dreiachser-Bus des Busunternehmens Leibfritz nicht mehr weiter. Alle 55 Teilnehmer gelangen in drei Fahrten mit kleinerem Shuttlebus zum Parkplatz Pedretscher Kaser. Für diesen Service, wie auch alles andere organisatorische Drumherum, hat Marc Röder im zweiten Jahr den Hut auf. Der Transfer klappt, Wartezeiten der Zurückgebliebenen werden mit munteren Gesprächen überbrückt. Auf der Route in den Villgrater Bergen wechseln sich Hochweiden und Lärchenwälder mit Alpenrosenfeldern ab, die Wege sind großartig zu gehen und geben den Blick auf die markant-gezackten Lienzer Dolomiten frei. Die Hochsteinhütte auf 2.025 Meter an diesem Tag Zielpunkt, bevor alle wieder bis ins Hotel geshuttled werden. Dieser eingedeutschte Begriff englischen Ursprungs könnte glatt vom deutschen Wort geschüttelt stammen – denn so fühlt sich die rasante Fahrt ins Tal an.

Am Vorabend melden sich acht Wanderinnen und Wanderer angesichts zunehmender Hitze und Anspruch ab. Im Hotel wiedervereint erzählen sie von schönen Alternativen in und um Lienz, bei denen sie am Ende zum Teil 15 Kilometer unterwegs waren. Zum Abendessen gewittert es vor den großen Fenstern des Speiseraums, zum Glück sind alle drin und nicht am Berg.

An Tag drei geht es mit Gondel und Umstieg in Sessellift die Steinmanderlbahn auf 2.198 Meter. Das Zettersfeld mit seinen Bergseen wird von den Lienzern einfach nur »Alm« genannt. Bei knackigen 12 Grad ist heute alpines Schrofengelände der gewählte Untergrund. Die »Bonsais« führt Tourenleiterin Karin d’Ettore an, das »A-Team« begleiten Helmut Kober und Karl-Heinz Griesinger.

Für so viele Bergfreunde muss alles im Vorjahr geprüft und abgelaufen werden. Das konnten Kober und Griesinger allerdings erst im Oktober erledigen und bei der Vorerkundung dieser gewählten Tour war es enorm neblig. »Ich bin gespannt, wie es heute dort aussieht und welche Aussicht wir haben«, sagt der Routinier Griesinger.

Mit Seil versichert

Um es vorwegzunehmen: Hätte man im Oktober etwas gesehen, dann wären die »Bonsais« so vermutlich nicht gelaufen. Und auch wenn in der detaillierten Programmbeschreibung des Tages steht: Die teilweise steilen und ausgesetzten Wanderwege erfordern von beiden Gruppen eine gute Kondition, Trittsicherheit sowie ein gutes Gleichgewichtsgefühl, so ist Papier geduldig. Da tut die Begegnung mit alpinen Steinschafen gut, mit ihrer beruhigenden Ausstrahlung, bevor der schwierigste Abschnitt bevorsteht. Alle bewältigen das herausfordernde, jedoch seilversicherte Teilstück mit Bravour, dennoch kostet es manche Überwindung.

Am Ende sind sich alle einig, diese Wanderung wie die gesamte, viertägige Wanderreise bleiben als abwechslungsreich und einzigartig in Erinnerung. Dazu passt die Temperaturkurve, beim Wiedereinstieg in die Sessellifte sind es an der Bergstation 14 Grad, an der Mittestation 18 Grad und an der Lienzer Talstation rauben einem 29 Grad kurz mal den Atem! Darüber können alle hinwegsehen, denn in verhältnismäßig kurzer Zeit und kurzen Distanzen konnten alle den höchsten und dritthöchsten österreichischen Berg in voller Schönheit erleben – adieu Großglockner, adieu Großvenediger – die Anstrengungen wurden belohnt. (GEA)

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