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Wer ist die Gen Z? Und ist sie wirklich so faul, wie es immer heißt?

Junge Menschen sind fleißig wie lange nicht mehr, sagt ein Arbeitsmarktforscher. Sie sind aber auch anspruchsvoller als die Generationen vor ihnen. Und nicht jedem Arbeitgeber gefällt das.

Flexible Arbeitszeiten, Work-Life-Balance, mehr Homeoffice-Möglichkeiten, aber auch einen sicheren Arbeitsplatz.  All das wünsch
Flexible Arbeitszeiten, Work-Life-Balance, mehr Homeoffice-Möglichkeiten, aber auch einen sicheren Arbeitsplatz. All das wünschen sich Vertreter der Generation Z von ihrem Arbeitgeber. Foto: Zacharie Scheurer/tmn
Flexible Arbeitszeiten, Work-Life-Balance, mehr Homeoffice-Möglichkeiten, aber auch einen sicheren Arbeitsplatz. All das wünschen sich Vertreter der Generation Z von ihrem Arbeitgeber.
Foto: Zacharie Scheurer/tmn

REUTLINGEN. Der Grund, warum gerade wieder viel über die Generation Z gesprochen wird, ist der Influencer Florian Kamps. Ende Oktober ging ein Instagram-Video des 24-Jährigen viral, in dem er nach drei Wochen im 40-Stunden-Job seinem Frust Luft macht. Darin sagt er auf dem Heimweg von der Arbeit: »Wir haben jetzt 18.41 Uhr. Ich habe das Haus um 7.30 Uhr verlassen.« Und fasst seiner Sicht der Dinge daraufhin so zusammen: »Ihr wollt mir doch nicht sagen, dass das das Leben ist! Ich hätte jetzt legit dreieinhalb Stunden, um zu leben. Das kann es doch nicht sein! Das ist doch quatsch, Leute!« Er wolle seine Arbeitszeit daher so schnell wie möglich reduzieren. Für diesen emotionalen Ausbruch über die Härten der Arbeitswelt erhielt er von seinen Followern viel Zuspruch.

»Mit Vier-Tage-Woche und Work-Life-Balance werden wir den Wohlstand dieses Landes nicht erhalten können«, warnte hingegen Bundeskanzler Friedrich Merz in seiner ersten Regierungserklärung im Mai diesen Jahres und spielte damit wohl auf den Wunsch vieler Vertreter der sogenannten Gen Z nach mehr Freizeit und weniger Arbeit an. Doch ist die Arbeitsmoral junger Menschen tatsächlich so niedrig? Und um wen handelt es sich bei der Gen Z überhaupt?

Suche nach Sinn im Job und Work-Life-Balance

Als Gen Z bezeichnet man die Bevölkerungsgruppe, die etwa zwischen 1997 und 2012 geboren wurde. Sie folgt auf die Millennials, die auch als Generation Y bezeichnet werden, und wird von der Generation Alpha abgelöst. Kennzeichnend für die Gen Z ist, dass es die erste Generation ist, die komplett mit Internet, Smartphone und Social Media groß geworden ist. Man bezeichnet sie daher auch als Digital Natives.

Untersuchungen haben ergeben, dass die jungen Menschen der Gen Z in Bezug auf die Arbeitswelt vor allem nach einem Sinn in ihrem Job, nach einer hohen Work-Life-Balance, nach hoher Flexibilität bei gleichzeitiger Sicherheit suchen. Vor allem auf die Tatsache, dass die junge Generation mehr Wert auf Work-Life-Balance legt als frühere Arbeitnehmer, reagieren viele Unternehmen skeptisch bis ablehnend.

Einen genauen Blick auf die jungen Menschen der Gen Z richtet alle vier bis fünf Jahre die Shell Jugendstudie. In der jüngsten Studie aus dem Jahr 2024 heißt es: »Im Vergleich zu 2019 stehen bei Jugendlichen vor allem ein hohes Einkommen (83 zu 76 Prozent) und gute Aufstiegsmöglichkeiten (80 zu 74 Prozent) höher im Kurs.« Das ist für viele durchaus überraschend. Die Macher der Studie geben an, dass damit auch die Bereitschaft zu hohem Einsatz einhergehe - allerdings nur, wenn sich dieser auch finanziell lohnt.

Einsatz im Job soll sich finanziell lohnen

Doch nicht nur die Gen Z wünscht sich flexible Arbeitszeiten und mehr Freizeit - sie kommuniziert es nur am lautesten. Laut der Trendstudie 2025 des Instituts für Generationenforschung ist der Wunsch danach, die Arbeitszeit flexibel selbst einzuteilen, bei den Generationen Z, Y und X nämlich ähnlich stark ausgeprägt: Bei den Jüngeren liegt er bei 80 Prozent, bei den älteren Befragten der Generation Y sogar darüber. Und selbst bei den Babyboomern sind es immerhin 60 Prozent.

Dass die Gen Z faul sei, lässt sich auch nach anderen aktuellen Untersuchungen nicht bestätigen. Die 20- bis 24-Jährigen in Deutschland arbeiten so viel wie lange nicht mehr, teilte etwa Anfang des Jahres das Nürnberger Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung mit. Seit 2015 sei die Erwerbsbeteiligung dieser Altersgruppe um mehr als 6 Prozentpunkte auf rund 76 Prozent überdurchschnittlich gestiegen, »der höchste Stand seit Jahrzehnten«, so das Institut. Das sei vor allem darauf zurückzuführen, dass mehr Studierende als früher arbeiten gingen. »Die jungen Leute sind fleißig wie lange nicht mehr«, erklärte IAB-Forschungsbereichsleiter Enzo Weber bei der Veröffentlichung.

Wechselbereitschaft höher als bei anderen

Was Arbeitgeber aber durchaus Sorgen bereiten könnte: Fast jeder zweite Arbeitnehmer aus der Gen Z erwägt, noch in diesem Jahr den Arbeitgeber zu wechseln. Zu diesem Ergebnis kommt eine im Auftrag des Karrierenetzwerks Xing durchgeführte Forsa-Umfrage zur Wechselbereitschaft von Arbeitnehmern aus dem April. Und obwohl viele Arbeitnehmer aus der jungen Generation bisher auf eine kurze berufliche Laufbahn zurückblicken, hat bereits mehr als die Hälfte (54 Prozent) von ihnen schon einmal den Arbeitgeber gewechselt. Und auch weiteren Wechseln sind sie nicht abgeneigt: Fast die Hälfte (48 Prozent) kann sich vorstellen, im laufenden Jahr den Arbeitgeber zu wechseln.

Während die Werte unter Millennials ähnlich aussehen, ist in der Generation X nur etwa jeder dritte Arbeitnehmer wechselwillig. Bei den sogenannten Boomern sind es gerade mal 15 Prozent. Etwas jeder Zehnte von ihnen (11 Prozent) hat zudem das ganze Erwerbsleben bei der gleichen Firma verbracht.

Auch bei den Gründen für einen Abschied aus der aktuellen Firma gibt es große Unterschiede zwischen den Generationen: Während ältere Jahrgänge angeben, den Arbeitgeber vor allem wegen Unzufriedenheit mit einer Führungskraft verlassen zu wollen, zählt für jüngere Arbeitnehmer vor allem das Geld. 45 Prozent der Befragten aus der Gen Z gaben ein zu niedriges Gehalt als ausschlaggebenden Faktor für den Jobwechsel an. (GEA)