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Weltflüchtlingstag: Refugees welcome – aber richtig…

Ein Transparent mit der Aufschrift »Refugees Welcome« hängt vor einer Unterkunft für Flüchtlinge.
Ein Transparent mit der Aufschrift »Refugees Welcome« hängt vor einer Unterkunft für Flüchtlinge. Foto: Markus Scholz/dpa
Ein Transparent mit der Aufschrift »Refugees Welcome« hängt vor einer Unterkunft für Flüchtlinge.
Foto: Markus Scholz/dpa

Es gibt so viel zu erzählen über die Flüchtlingshilfe, wenn man das Thema schon sehr lange begleitet und es einem seit Studienzeiten am Herzen liegt. Etwa die Begebenheit, als mir ein deutscher THW-Mann in einem der größten Flüchtlingslager der Welt fröhlich auf die Schulter haut und sagt: »Läuft alles! Cool, oder?« Gemeint ist die »mal eben« aufgebaute Stromversorgung für rund 180.000 Menschen irgendwo in der Wüste. Oder die Kinder, die kleinen »Messis« und »Ronaldos«, die in den Camps tausendfach die Trikots der beiden Superstars tragen. Oder der kleine Junge aus Uganda mit dem glücklichsten Lachen der Welt, dessen Fotos ich immer wieder zeigen musste. Es dauert, bis man darauf erkennt, dass ihm der rechte Arm fehlt. Eine Landmine explodierte beim Spielen, riss ihn ab. Man könnte aber auch lästern, wie weit man in puncto Digitalisierung in Afrika ist, wenn es etwa um die Versorgung von Flüchtlingen mit Nahrungsmitteln und Geld für den Einkauf geht. Da sieht es in einem deutschen ICE schlechter aus…

Die Welt und ihre jetzt mehr als 100 Millionen Flüchtlinge – eine Tragödie so groß wie nie. Schmerzhaft, was Putins Angriffskrieg dem geschundenen Globus auch hier zumutet. Aber die Krise zeigt: Viele Länder und Organisationen, Helfer und Spender stehen zusammen, die Nothilfe funktioniert. Mit einigem Ächzen, ja, vor allem auf der finanziellen Seite, aber sie läuft. Erstaunlich gut. Schnell. Und professionell. Auch in der Ukraine.

Was man sich wünscht? Eine nüchterne Sicht auf die Dinge auch in Deutschland. Wo die »Haltungsschäden« in der Debattenkultur aber eben genau das verhindern, weil es gefälligst nur Schwarz und Weiß zu geben hat. Zu kompliziert und komplex soll es dann doch nicht sein. Ist es aber eben manchmal. Irgendwo im Grau liegen bisweilen Wahrheit und Kompromiss. »Refugees welcome!« stand 2015 auf den Schildern, als Kanzlerin Merkel die Grenzen öffnete. Seit der »Willkommenskultur« ist in der öffentlichen Wahrnehmung offenbar jeder ein Flüchtling, der nach Deutschland kommt. Egal, woher – und auch egal, warum. Es ist irritierend, zu vereinfachend und gefährlich zugleich, die rechtlich relevanten Begriffe »Flüchtling«, »Migration« und »Asyl« in einen Topf zu werfen. Denn man vermengt so verschiedene Ebenen, die man in der Diskussion dann nicht mehr korrekt auseinandergehalten bekommt. Ein »Flüchtling« ist in der Genfer Konvention jedoch klar definiert. Und er will vor allem auch eines: zurück in seine Heimat. Er ist auch kein »Geflüchteter« oder eine »Geflüchtete«, liebe Genderfreunde und -freundinnen, denn diese vielleicht ja noch gut gemeinte sprachpolizeiliche Verbiegung weicht den exklusiven, maximal schützenden Flüchtlingsbegriff auf, wertet ihn sogar ab. Etwas Wertvolles, worauf sich 149 Staaten der Welt verständigt haben. Sicherlich eine der größeren Leistungen multilateraler Kooperation.

Was man in Deutschland mit Blick auf Flucht, Asyl, Migration, Klimawandel und auch Arbeitsmarkt hinbekommen muss, ist eine saubere Trennung der Themenkreise sowie die moderne Anpassung der Rechtsnormen. Deutschland begreift sich immer noch nicht als Einwanderungsland, ist aber doch längst eins geworden in der Realität. Nur leider ohne adäquaten Kodex mit Migrationskriterien. So wie sie ja auch für jeden Deutschen gelten, der vom Blockhaus in der kanadischen Wildnis träumt: Was kannst du? Was hast du vor? Kannst du das und dich perspektivisch finanzieren? Oder auch ganz einfach: Sprichst du unsere Sprache(-n)?

Deutschland braucht Zuwanderung. Da bedarf es nur eines Blicks in den Stellenmarkt der Zeitungen. Wir dürfen aber nicht weiter den Fehler machen, »Migration« irgendwie in die Rechtsrahmen von Flüchtlings- und Asylrecht pressen zu wollen. Das geht fehl. »Germany« muss offener sein für Neues. Was dabei immer gilt: »Refugees welcome!« – aber konsequent und richtig.

 

damian.imoehl@gea.de