REUTLINGEN. Ob man nun hören will oder nicht, was die Fraktionsvorsitzende der AfD im Bundestag in ihrem Sommerinterview zu sagen hat, die demokratische Wahl lautet entweder Weghören oder Zuhören. Keinesfalls darf die Wahl auf einen lautstarken Versuch fallen, sie mundtot zu machen. Gerade für diejenigen, die immer auf das Grundgesetz pochen und moralisch besser sein wollen als der politische Gegner, sollte klar sein: Ein Knebel hilft nicht, er sorgt nur dafür, dass die AfD erstmals tatsächlich in der Opferrolle ist.
Die »Demonstranten« haben der freiheitlich demokratischen Grundordnung in Deutschland gleich auf mehreren Ebenen einen Bärendienst erwiesen. Als Erstes beschädigen sie das Recht auf Versammlungsfreiheit, weil sie sich nicht an die zugehörigen Regeln halten. Dann nehmen sie gleich noch die Pressefreiheit aufs Korn und hindern Journalisten an der Ausübung ihrer Arbeit. Ihr Erfolg dabei: Den zweifelhaften öffentlichen Effekt der Störaktion über den demokratischen Dialog zu stellen. Was für eine Leistung! Gleichzeitig sorgt ihre dummdreiste »Demonstration« für deutlich mehr Beachtung von Alice Weidels Person und ihrer Partei als es politische Inhalte oder die Äußerungen im Interviews wohl je geschafft hätten.
Das Vorgehen der »Demonstranten« am Wochenende war nichts anderes als Pöbelei. Ähnlich, wie es die AfD selbst bei Debatten im Bundestag betreibt. Mit »politischer Schönheit« hat das nichts gemein. Der ganze Vorgang zeigt nur einmal mehr, dass die linken und rechten Ränder in ihrem Handeln gar nicht so unterschiedlich sind und die Zukunft des Landes besser in der politischen Mitte verortet ist.

