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Aktuell Kommentar BSW

Wagenknecht geht - und lässt sich Hintertüre offen

Nun also doch: Sahra Wagenknecht hat ihren Rückzug aus der Parteispitze des BSW erklärt. Sie wolle sich vorerst auf die inhaltliche Arbeit konzentrieren. Ohne die charismatische Politikerin an der Spitze wird es für die Partei aber schwer, meint Politik-Redakteurin Katharina Link.

Sahra Wagenknecht (BSW - Bündnis Sahra Wagenknecht) bei der Pressekonferenz zur Neuaufstellung des BSW.
Sahra Wagenknecht (BSW - Bündnis Sahra Wagenknecht) bei der Pressekonferenz zur Neuaufstellung des BSW. Foto: Michael Kappeler/dpa
Sahra Wagenknecht (BSW - Bündnis Sahra Wagenknecht) bei der Pressekonferenz zur Neuaufstellung des BSW.
Foto: Michael Kappeler/dpa

REUTLINGEN. Als Unsinn bezeichnete Sahra Wagenknecht bis zuletzt die anhaltenden Gerüchte, sie wolle sich aus der Spitze der nach ihrer Person benannten Partei zurückziehen. Wer allerdings zur vordersten Reihe einer Partei zählt, scheint bei Wagenknecht Interpretationssache zu sein. Denn gestern gab sie dann doch bekannt: Sie tritt als Parteichefin zurück. An ihre Stelle soll der Europaabgeordnete Fabio De Masi treten. Co-Vorsitzende bleibt wie bisher Amira Mohamed Ali. Sie selbst werde Chefin einer »Grundwertekommission« in der Partei werden.

Der Rückzug der Gründerin und Galionsfigur von der Spitze der Partei trifft das BSW in einer Phase, in der in der Partei die Angst vor dem Rutsch in die endgültige Bedeutungslosigkeit umgeht. Denn nach Erfolgen bei der Europawahl und den Landtagswahlen 2024 in Ostdeutschland gab es für das BSW einen herben Dämpfer: Die Partei verpasste bei der vorgezogenen Neuwahl Anfang des Jahres äußerst knapp den Einzug in den Bundestag. Bundesweit liegt das BSW in Umfragen seit geraumer Zeit nur noch bei 3 bis 4 Prozent. Erst vor wenigen Tagen hatte sich die Partei auf die Streichung von Sahra Wagenknecht im Parteinamen geeinigt.

Ein BSW ohne die schillernde Person Sahra Wagenknecht? Tatsächlich kaum vorstellbar. Waren es doch vor allem auch ihre stets hohen Popularitätswerte, die das BSW zum Erfolg führen sollten. Und egal, ob am Rednerpult im Bundestag oder bei Auftritten in Talkshows. Die kühle, charismatische Linke brachte ihrer Partei stets Aufmerksamkeit. Im Fernsehen irritierte sie zuletzt zwar immer öfter als allzu einseitige Putin-Versteherin. Doch Wagenknecht wäre nicht Wagenknecht, würde sie sich nicht eine Hintertüre offenhalten. Falls das BSW sich doch noch in den Bundestag einklagen sollte, wolle sie den Fraktionsvorsitz übernehmen. Die langweilige Parteiarbeit überlässt SW lieber den anderen. Sie allein ist für die große Bühne gemacht.

katharina.link@gea.de