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Aktuell Kommentar

Ukraine-Verhandlungen: Putin spielt auf Zeit

Die Europäer feiern sich für eine Ukraine-Einigung. Dabei haben sie möglicherweise die Rechnung ohne den Wirt gemacht, analysiert GEA-Redakteur Martin Zimmermann.

Bundeskanzler Friedrich Merz (r, CDU) begrüßt Jared Kushner (l), Unternehmer und ehemaliger Chefberater des Präsidenten der Ver
Bundeskanzler Friedrich Merz (r, CDU) begrüßt Jared Kushner (l), Unternehmer und ehemaliger Chefberater des Präsidenten der Vereinigten Staaten, und Steve Witkoff, Sondergesandter der Vereinigten Staaten, am Kanzleramt. Foto: Michael Kappeler/dpa/Michael Kappeler/dpa
Bundeskanzler Friedrich Merz (r, CDU) begrüßt Jared Kushner (l), Unternehmer und ehemaliger Chefberater des Präsidenten der Vereinigten Staaten, und Steve Witkoff, Sondergesandter der Vereinigten Staaten, am Kanzleramt.
Foto: Michael Kappeler/dpa/Michael Kappeler/dpa

REUTLINGEN. Nach Verhandlungen in Berlin haben verschiedene europäische Staaten den Ukrainern das Angebot gemacht, mit einer multinationalen Friedenstruppe für die Sicherheit des Landes nach einem Friedensschluss zu sorgen. Friedrich Merz und einige andere Staatschefs feiern die Einigung als wichtigen Schritt zum Frieden. Doch ob es so kommt, ist noch völlig unklar.

Die Verhandlungen in Berlin hatten von Anfang an einen Schwachpunkt: Es verhandelten hauptsächlich diejenigen, die sich ohnehin schon ziemlich einig sind. Weder der Angreifer und ukrainische Kriegsgegner Russland, noch der unberechenbare Mann im Weißen Haus Donald Trump war dabei. Der US-Präsident ließ sich immerhin von seinem Sondergesandten Steve Witkoff und seinem Schwiegersohn Jared Kushner vertreten. Klar ist jedoch: Ein Frieden in der Ukraine wird letztendlich zwischen Trump und Putin verhandelt. Und Trump hat Putin offenbar bereits so weitreichende Zugeständnisse in Aussicht gestellt, dass der russische Präsident offenbar kaum gewillt ist, sich mit weniger zufriedenzugeben oder europäische Soldaten in der Ukraine zu akzeptieren.

Deshalb ist die Antwort aus Moskau auf das Angebot von Friedrich Merz zu einem Waffenstillstand erwartbarer Weise auch ein »Njet«. Man wolle einen dauerhaften Frieden und keinen Waffenstillstand, ließ der Kreml verlauten. Putin meint damit: Einen Frieden, den er als Sieg verkaufen kann. Solange seine Truppen auf den Schlachtfeldern des Donbass vorrücken, spielt Russland auf Zeit. Das kann er, weil Trump ihm bereits Friedensbedingungen in Aussicht gestellt hat, die einem Sieg Russlands gleichkommen.

martin.zimmermann@gea.de